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Spendeninitiative „Giving Pledge“ Warum auch Reiche ungern verzichten

SAP-Gründer Hasso Plattner will die Hälfte seines Vermögens spenden. Warum sind solche Versprechen nicht weiter verbreitet? Weil Verzicht nicht leicht fällt. Auch nicht denen, die viel Geld haben.

© Röth, Frank Vergrößern Gestiftet hat er schon viel. Jetzt hat SAP-Mitgründer Hasso Plattner förmlich versprochen, insgesamt die Hälfte seines Vermögens für gute Zwecke zu geben.

Das Versprechen steht: Die Hälfte seines Vermögens will SAP-Mitgründer Hasso Plattner für wohltätige Zwecke spenden: So hat er es bekundet, indem er sich der Spendeninitiative „Giving Pledge“ angeschlossen hat. Er ist der erste Deutsche, seit Bill Gates und Warren Buffett die Initiative vor mehr als zwei Jahren ins Leben gerufen haben.

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Warum schließen sich nicht mehr Leute an, gerade in Deutschland? So fragen sich viele Menschen. Sie glauben: Wer viel Geld hat, der bemerkt die fehlende Hälfte gar nicht. Doch Wirtschaftsforscher wissen: Diese Annahme trügt.

Zwar sind reiche Menschen nur schlecht erforscht. Das liegt schon allein daran, dass es so wenige Reiche zu befragen gibt und die Untersuchungen selten valide werden. Doch in der menschlichen Psychologie verstecken sich vier Gründe, die auch für reiche Leute gelten:

1. Auch Reiche fühlen sich nicht reich

Wenn es ums Spenden geht, fühlen sich nur wenige Leute angesprochen. Kaum einer zählt sich selbst zu den Reichen. Denn jeder kennt genügend Menschen, die mehr Geld haben als er selbst (und genügend, die weniger haben). Also zählt sich jeder zur Mittelschicht - das ist auf der ganzen Welt der Fall. Auch die Deutschen glauben: Reich sind immer die anderen. Je mehr Einkommen ein Mensch hat, desto höher setzt er die Grenze zum Reichtum an. Nun ist es für Hasso Plattner schwer, sich selbst nicht reich zu finden. Immerhin steht er in der „Forbes“-Liste der Milliardäre auf Platz neun mit geschätzt 7,2 Milliarden Dollar Vermögen. Er gibt auch schon seit einer ganzen Weile Geld, er hat zum Beispiel den Kapitalstock für ein nach ihm benanntes Software-Institut gestiftet und Geld für ein Aids-Projekt gespendet. Das „Manager Magazin“ setzte ihn im vergangenen Jahr auf Platz 1 seiner Spenderliste - und zeigte damit, dass nicht jeder so viel spendet. Denn auch für Superreiche gelten die drei übrigen Gründe, aus denen das Verzichten schwerfällt:

Jubilaeumswoche des Juedischen Museums Berlin Der Spendeninitiative hat sich auch Investor Nicolas Berggruen angeschlossen, der sich mit der Karstadt-Insolvenz in Deutschland viele Feinde … © dapd Bilderstrecke 

2. Auch Reiche vermissen ihr Geld

Weit verbreitet ist die Annahme, nach dass 60.000 Euro Einkommen im Jahr zusätzliches Einkommen nicht mehr helfe. Doch das wird heftig in Zweifel gezogen und gilt vielen Forschern inzwischen als Missverständnis. Menschen gewöhnen sich schnell an das neue Geld und bekommen schlechte Laune, wenn sie auf Geld verzichten müssen, zumindest für eine gewisse Zeit - das steht der Freude über die Spende auch bei reichen Leuten entgegen. Dazu kommt ein längerfristiger Effekt: Geld verbessert das Leben auch langfristig, und zwar selbst für reiche Menschen. Das hat zum Beispiel Justin Wolfers von der University of Pennsylvania nach einer Auswertung vieler Umfragen festgestellt. Sein einfaches Fazit: Wahr ist, dass ein reicher Mensch mit hundert Euro weniger anfangen kann als ein armer Mensch. Aber eine Einkommenssteigerung von zehn Prozent hilft armen und reichen Menschen gleichermaßen  zufriedener zu werden. Eine Einkommensgrenze dafür hat Wolfers bisher nicht gefunden.

3. Auch Reiche denken an ihre Kinder

Nun könnten sich reiche Leute sogar dem „Giving Pledge“ anschließen, ohne selbst auf Geld zu verzichten. Sie könnten ihr Geld nach dem Tod spenden und es einem wohltätigen Zweck vererben - auch das ist erlaubt. Aber viele wollen das Geld lieber ihren Kindern überlassen. In Amerika fällt das weniger ins Gewicht. Denn dort ist die Erbschaftsteuer höher und es fällt ohnehin ein großer Teil des Erbes an den Staat.

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4. Auch Reiche wollen sich nicht ausnehmen lassen

Anderen etwas zu geben, ohne dass der andere etwas dafür tut - das fällt Menschen schwer. „Reziprozität“ nennen das die Forscher, sie ist ein bekanntes Phänomen. Und sie wirkt in zwei Richtungen. Einerseits gilt: Wer etwas abgibt, möchte eine Gegenleistung. Genauso wahr ist aber andererseits: Wer etwas bekommen hat, will etwas zurückgeben. Wie Hasso Plattner. „Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben, die meine Ausbildung ermöglicht hat“, schreibt er in seinem Spendenversprechen. Wahrscheinlich ist aber, dass sich die Deutschen zum Zurückgeben weniger verpflichtet fühlen als die Amerikaner. Denn sie zahlen vom laufenden Einkommen schon mehr Steuern. Dazu kommt auf der ganzen Welt ein universeller Effekt: Reiche schätzen - wie alle anderen auch - ihren eigenen Anteil am Erfolg deutlich höher, als das die anderen tun. Also sind sie zu weniger Rückzahlung bereit, als die anderen fordern würden.

Quelle: FAZ.NET

 
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