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Schuldenkrise Die Faust & Mephisto AG

 ·  Wenn der Staat pleite ist, hilft die Notenpresse. Faust und Mephisto haben dafür extra das Papiergeld erfunden. Und die Tragödie nahm ihren Lauf. Über die Aktualität eines Dramas von 1832.

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© dpa Vergrößern Goethe in der Campagna, porträtiert 1786 von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein

Die Lage im Staat ist ernst. Hemmungsloser Egoismus, Parteilichkeit ohne jeden Gemeinsinn und allgemeine Korruption herrschen allenthalben. Am Hofe wird das Geld mit vollen Händen ausgegeben und exzessiv geprasst. Der Finanzminister kann seine Rechnungen nicht mehr bezahlen und seine Kredite nicht mehr bedienen. Wie so oft in der Geschichte hat sich ein Staat völlig übernommen und kann seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Unaufhaltsam naht der Staatsbankrott.

Wir befinden uns im ersten Akt von Goethes „Faust, der Tragödie zweiter Teil“. Mephistopheles braucht nicht viel Phantasie, um das Problem beim Namen zu nennen: „Wo fehlts nicht irgendwo auf dieser Welt? Dem dies, dem das, hier aber fehlts am Geld.“ Das lässt sich der Staatschef nicht zwei Mal sagen und nimmt Mephisto in die Pflicht: „Es fehlt an Geld. Nun gut so schaff’ es denn.“

Mit Pleitestaaten kannte Goethe sich aus

Goethes Tragödie, 1832 postum veröffentlicht, ist (auch) das Drama eines Staatsbankrotts. Man muss die Bezüge zur heutigen Finanzen- und Schuldenkrise noch nicht einmal explizit benennen, um die Aktualität des Stücks (das zu Unrecht als schwer verständlich gilt) zu erkennen. Und man darf es eine glückliche Fügung nennen, dass in der kommenden Woche, in der das Bundesverfassungsgericht ein Urteil spricht über die Grenzen europäischer Fiskalsolidarität und die Europäische Zentralbank ihre Lust am Geld schaffen auszuleben beginnt, in Goethes Geburtshaus in Frankfurt eine große Ausstellung über „Goethe und das Geld“ gezeigt wird und zugleich am Schauspiel der Stadt hintereinander beide Teile des „Faust“ Premiere haben.

Mit Pleitestaaten kannte Goethe sich aus. Zu den Aufgaben, die ihm als junger Mann und Geheimer Rat des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach oblagen, gehörte für mehrere Jahre auch die Leitung der Herzoglichen Kammer, sozusagen das Finanzministerium des Hauses. Angesichts derangierter Finanzen schrammte der Kleinstaat ständig knapp am Staatsbankrott vorbei. „Mich schaudert’s vor der Idee des Ruins“, schallte es Goethe aus dem Herzogshaus entgegen.

Ein verführerisches Angebot: Die Notenpresse anwerfen

Es war vor allem die verschwenderische Finanzwirtschaft von Herzog Ernst August und Herzogin Anna Amalia, Carl Augusts Eltern, die das Land an den Rand des Ruins gebracht hatte. Völlig überdimensioniert waren die Militärausgaben, die längst nichts mehr einbrachten, weil das Heer nicht mehr für Kriege anderer Länder vermietet wurde. Goethes Verdienst als Finanzminister ist es, die Landstände (Vertreter von Adel, Klerus und Bürgertum) als Gläubiger des Herzogtums zu einer Umschuldung, also einem Verzicht auf Forderungen, zu bewegen. Im Gegenzug musste der Landesherr drastische Einsparungen im Militärwesen und bei den Hofausgaben akzeptieren (“Austeritätsprogramm“ nennt man das heute).

Ganz anders als in Goethes Ministerium geht das Drama der Staatspleite dagegen in Goethes Tragödie Faust II weiter. Nicht etwa durch eine Einschränkung der Staatsausgaben soll das kaiserliche Land gerettet werden, sondern über die Erschließung neuer Geldquellen (“monetäre Staatsfinanzierung“ nennt man das heute).

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“Goethe und das Geld“ - heißt das Thema der Frankfurter Goethe-Festwoche vom 13. bis 23. September. Drei große Ausstellungen zeigen das Goethe-Haus, das Institut für Stadtgeschichte und das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank. Das Schauspiel eröffnet die Spielzeit mit Goethes Faust I und II. Zugleich erscheint ein von Vera Hierholzer und Sandra Richter edierter Katalog, der auch eine Grundlage für diesen Artikel bildet. Zu empfehlen ist das Buch von Hans Christoph Binswanger: Geld und Magie. Eine ökonomische Deutung von Goethes Faust. Hamburg 4. Auflage, 2009

Quelle: F.A.S.
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