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Schattenwirtschaft Mindestlohn lässt Schwarzarbeit steigen

07.01.2008 ·  Ökonomen haben immer wieder davor gewarnt, dass flächendeckende Mindestlöhne die Schwarzarbeit steigen lassen. Doch mit welcher Größenordnung ist zu rechnen? Der Linzer Ökonometriker Friedrich Schneider hat nachgerechnet.

Von Philip Plickert
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Die Einführung von flächendeckenden Mindestlöhnen zwischen 7,50 und 8 Euro würde die Schwarzarbeit in Deutschland in diesem Jahr um 10 bis 15 Milliarden Euro steigen lassen. Das hat der Linzer Ökonom Friedrich Schneider, der führende Forscher zu Fragen der Schattenwirtschaft, errechnet. „Es ist eindeutig so, dass Schwarzarbeit umso attraktiver wird, je teurer reguläre Arbeit ist“, sagte Schneider dieser Zeitung. „Zieht man einen starren Mindestlohn ein, wird die Schwarzarbeit deutlich zunehmen.“

Im vergangenen Jahr ist das Gesamtvolumen der Schattenwirtschaft nach Schneiders Berechnung um 3 Milliarden Euro auf rund 348 Milliarden Euro gestiegen. Gemessen an einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2,37 Billionen Euro wäre dies eine Quote von 14,7 Prozent, knapp ein Prozent mehr als im Vorjahr. Maßgeblich für die Zunahme war die Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn 2007. „Das hat die Steuermoral verschlechtert“, erklärte Schneider. „Indirekte Steuern wie die Mehrwertsteuer treffen die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen härter, die Kleinen fühlen sich stärker belastet, und ihre Bereitschaft zur Schwarzarbeit steigt.“ Ohnehin sähen nach Umfragen etwa zwei Drittel der Deutschen unversteuerte Arbeit als Kavaliersdelikt an. „Der Effekt der Mehrwertsteuer wäre vergangenes Jahr noch viel größer ausgefallen, wenn die Konjunktur nicht so stark gewesen wäre“, sagte Schneider.

Zunahme seit den frühen neunziger Jahren

Das Ausmaß der Schwarzarbeit in Deutschland hat nach Berechnungen des Linzer Ökonometrikers seit den frühen neunziger Jahren von weniger als 12 Prozent vom BIP deutlich zugenommen, bedingt auch durch steigende Quoten im Osten. Im Jahr 2003 erreichte der gesamtdeutsche Anteil mit mehr als 17 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt einen Rekordstand, fiel danach aber deutlich. Schneider erklärt dies teilweise mit der Arbeitsmarktreform Hartz IV und der Liberalisierung der Handwerksordnung. Auch die seit Anfang 2006 geltende steuerliche Absetzbarkeit von Ausgaben für private Haushaltshilfen hat schwarz geleistete Dienstleistungen von etwa 2,5 Milliarden Euro Umsatz in die Legalität geholt. „Würde man den steuerlich absetzbaren Betrag von 500 Euro auf 1000 Euro je Haushalt erhöhen, hätte man einen Rückgang der Schattenwirtschaft um mindestens 3 Milliarden Euro“, sagte Schneider. Würde die Verdienstgrenze von 400 Euro für Minijobs mit geringerer Sozialabgabenpflicht auf 500 Euro steigen, würden Schwarzarbeiten im Volumen von 3 Milliarden Euro wieder offiziell ausgeführt.

„Es gäbe eine ganze Reihe von Maßnahmen, die die Regierung sofort tun könnte, um Schwarzarbeit in reguläre Arbeit umzuwandeln, aber momentan scheint die Politik mit den Mindestlöhnen den umgekehrten Weg zu gehen“, kritisierte Schneider. Er erinnerte an „intelligente arbeitsmarktpolitische Maßnahmen“ in Belgien, wo Arbeitslosen staatliche Gutscheine zur Reduzierung ihrer Lohnnebenkosten gegeben werden. Im Vergleich der OECD-Staaten liegt der Anteil der Schwarzarbeit in Deutschland genau im Durchschnitt. Deutlich mehr wird in der Schattenwirtschaft in Italien und Griechenland umgesetzt, in Österreich und der Schweiz hat sie eine geringere Bedeutung.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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