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Veröffentlicht: 19.09.2012, 13:28 Uhr

Neue Studie Warum sterben Arme früher?

Arme Leute leben im Schnitt zehn Jahre kürzer als reiche. Forscher haben die Gründe untersucht. Sie stellen fest: Das Geld spielt dafür nur eine kleine Rolle.

© dapd Wenig Geld - wenig Jahre: Die ärmsten Frauen sterben im Durchschnitt acht jahre früher als die reichsten, die ärmsten Männer im Schnitt zehn Jahre früher.

Arme leben kürzer, das ist schon seit einiger Zeit bekannt. In Deutschland werden Männer mit besonders hohem Einkommen im Durchschnitt fast 81 Jahre alt, die mit besonders niedrigem Einkommen nur etwas mehr als 70 Jahre.

Patrick Bernau Folgen:

Aber bedeutet das, dass Menschen wirklich früher sterben, weil sie wenig Geld haben? Oder gibt es ganz andere Gründe, die nur bei Armen gehäuft auftreten? Der Streit darüber tobt seit Jahren, und er ist wichtig. Denn nur wer weiß, warum die Lebenserwartung so unterschiedlich ist, bekommt ein Gefühl dafür, wie er sein Leben wahrscheinlich verlängern könnte.

Welcher Grund ist der wichtigste?

Klar ist: Oft werden nicht die Armen krank, sondern die Kranken arm - weil sie nicht mehr richtig arbeiten können. Doch auch wenn Forscher das berücksichtigen, stellen sie oft einen großen Unterschied in der Lebenserwartung fest.

Mindestens sieben Gründe werden seit dafür diskutiert: Arme gehen zum Beispiel seltener zum Arzt, leben aber oft ungesünder, sie haben mehr Sorgen und weniger Freunde. Forscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und dem Robert-Koch-Institut haben jetzt untersucht, wie wichtig die unterschiedlichen Faktoren wirklich sind.

Dazu haben sie Daten aus dem „Sozio-ökonomischen Panel“ genutzt, einer Langzeituntersuchung von rund 20.000 Deutschen, die in jedem Jahr wieder nach ihrem Einkommen, ihrer Gesundheit und anderen Dingen befragt werden. So geht das seit 25 Jahren. Die Forscher betrachteten in diesem Fall die einst 65-Jährigen, ihr Einkommen und ihre Lebensumstände - und notierten, wie lange die Befragten nach ihrem 65. Geburtstag noch lebten.

Reiche profitieren von ihrer Bildung, ihren Freunden und ihren Berufen

Die Forscher stellten fest, dass die Reichen vor allem von ihrer Bildung profitieren, von der Zahl ihrer Freunde und davon, dass ihre Berufe oft körperlich weniger anspruchsvoll sind. „Sollten sich unsere Befunde bestätigen, würde sich ein Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung anbieten“, sagt Studienautor Martin Kroh.

Die einzelnen Faktoren wirken auf Männer und Frauen unterschiedlich.

Bildung: Wer mehr weiß, verdient oft mehr - und wer mehr weiß, kann länger leben. Zum Beispiel muss man erst mal gesund kochen können. Bildung hilft auch, viele andere Risiken zu vermeiden. In der Tat spielt die Bildung besonders bei Männern eine Rolle. Wer mindestens ein Abitur vorweisen kann, lebt im Schnitt drei Jahre länger als ein Mann, der einen Haupt- oder Realschulabschluss hat. Nachdem die Forscher die Schulabschlüsse berücksichtigt hatten, wurden die Unterschiede in der Lebenserwartung für Männer schon mal ein Stück kleiner. Hinsichtlich der Lebenserwartung wirkt sich Bildung bei Frauen aber kaum aus.

Belastung im Beruf:  Wer schlecht verdient, arbeitet oft in einem strapaziösen Beruf, der den Körper angreift. Das verkürzt vor allem die Lebenserwartung von Männern.

Existenzsorgen: Wer oft arbeitslos wird und nur schlechte Jobs bekommt, macht sich Sorgen und wird davon krank - so argumentiert mancher. Die Forscher finden aber kaum einen Einfluss auf die Lebenserwartung. Zwar haben Frauen, die mit ihrem Einkommen zufrieden sind, dadurch offenbar ein längeres Leben - es geht allerdings nur um die Zufriedenheit, akute Existenzsorgen scheinen keinen zusätzlichen Effekt zu haben

Freunde: Familie und Freunde machen Menschen glücklicher und helfen, wenn einer krank ist. Allerdings ist ebenfalls schon länger bekannt, dass arme Menschen häufig weniger Kontakt zu anderen haben. Tatsächlich spielen Freunde für Frauen eine Rolle - für Männer ist vor allem wichtig, ob sie verheiratet sind.

Höchstens einen kleinen direkten Einfluss hatten die Wohnorte der Menschen und die Bildung ihrer Eltern.

Welche anderen Faktoren bleiben?

Nachdem all diese Faktoren berücksichtigt waren, wurde das Einkommen für die Lebenserwartung deutlich weniger wichtig. Der Unterschied zwischen reichen und armen Frauen war nicht mehr sicher messbar, der zwischen reichen und armen Männern hatte sich immerhin halbiert.

Dabei können noch einige Dinge mitspielen, die die Forscher bislang nicht berücksichtigt haben. Fällt Ihnen noch ein Grund ein, der das Leben von Reichen verlängert? Ergänzen Sie ihn in den Kommentaren!

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Quelle: FAZ.net

 

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