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Veröffentlicht: 09.01.2013, 13:29 Uhr

Kritiker Binswanger Wachstum braucht Geld, Energie und Imagination

Die Ökonomische Theorie braucht einen Paradigmenwechsel, um die Chancen und Gefahren des Wirtschaftswachstums zu erfassen. Ohne Geld, Energie und Imagination ist die Dynamik des Wachstums nicht zu erklären. Ein Gastbeitrag.

von Hans Christoph Binswanger
© Hoang Le, Kien Nur noch Papier: Vernichtete-geschredderte Euroscheine im Geldmuseum in Frankfurt

Unsere moderne Wirtschaft ist auf Wachstum angelegt. Wachstum ist zur Generallinie der wirtschaftlichen Entwicklung geworden. Dieser Tatsache steht die erstaunliche Unfähigkeit der herrschenden ökonomischen Lehre gegenüber, das Phänomen des Wachstums mit seinen Chancen und Gefahren im Gesamtzusammenhang der Wirtschaft zu erklären. Der Grund ist die andauernde Vorherrschaft des neoklassischen Modells, das auf Annahmen wie „allgemeines Gleichgewicht“, „optimale Allokation der Produktionsfaktoren“ und „vollkommene Konkurrenz“ aufbaut. Dieses Modell ist statischer Natur und kann daher die drei wesentlichen Faktoren nicht wahrnehmen, die die Dynamik und damit das Wachstum der Wirtschaft verursachen: Geld, Energie und Imagination.

Das neoklassische Modell nimmt das Geld nicht wahr, weil es den Markt als multilateralen (Natural-)Tausch zwischen Einzelwirtschaften deutet, die - wie Bauernhöfe - sowohl produzieren als auch konsumieren, also sich zur Hauptsache selbst versorgen, und nur allfällige Überschüsse gegenseitig austauschen. In einer (Natural-)Tauschwirtschaft benötigt man kein Geld. Das Modell ist daher ein sogenanntes Realmodell, in dem nur die realen Tauschpreise Angebot und Nachfrage regulieren und so für das Zustandekommen des allgemeinen Gleichgewichts eine Bedeutung haben.

Unter dem Tauschpreis ist die Menge eines Gutes zu verstehen, die für eine Einheit eines anderen Gutes beziehungsweise eines Standardgutes getauscht wird. Wohl wird das Realmodell durch die sogenannte Quantitätstheorie des Geldes ergänzt, in der die Tauschpreise in Geldpreise umgerechnet erscheinen. Um die Logik des Realmodells nicht zu stören, dürfen aber die Quantität des Geldes und die Veränderung seiner Quantität keine Rolle spielen für die Tauschpreise und für die Menge der Güter, die ausgetauscht werden. Eine Steigerung der Geldmenge kann daher im Prinzip nur zu einer Steigerung des Preisniveaus führen. Das Geld ist somit im Modell eine neutrale Größe, die für das reale Geschehen (zumindest langfristig) keine Bedeutung hat.

Abzweigung in die Sackgasse

Das neoklassische Modell nimmt ferner die Energie nicht wahr, weil es auf einer (makroökonomischen) Produktionsfunktion aufbaut, in der als Produktionsfaktoren nur Arbeit und (Real-)Kapital vorkommen: Arbeit als Ausdruck des Fleißes, Kapital als Resultat des Sparens. Der Einsatz von Arbeit und Kapital ist im Modell begrenzt und knapp: der Einsatz von Arbeit, weil der Arbeitstag begrenzt ist; und der Einsatz von Kapital, weil die Sparneigung begrenzt ist. Diese Begrenzung ist modellnotwendig, weil das allgemeine Gleichgewicht auf der Vorstellung beruht, dass begrenzte Kapazitäten vorgegeben sind, die durch das Spiel von Angebot und Nachfrage unter der Voraussetzung der vollkommenen Konkurrenz optimal genutzt werden. Man spricht von der optimalen Allokation der Produktionsfaktoren. Der Einbezug der Energie, die fortlaufend aus der Natur gewonnen wird und eine ständige Erweiterung der Produktionskapazität ermöglicht, würde das Konzept der optimalen Allokation der Produktionsfaktoren außer Kraft setzen und so das Modell sprengen. Die Energie bleibt daher vom Modell ausgeschlossen.

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