09.01.2013 · Die Ökonomische Theorie braucht einen Paradigmenwechsel, um die Chancen und Gefahren des Wirtschaftswachstums zu erfassen. Ohne Geld, Energie und Imagination ist die Dynamik des Wachstums nicht zu erklären. Ein Gastbeitrag.
Von Hans Christoph BinswangerRichtlinien für Lesermeinungen
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aber auf keinen fall eine ständig wachsende einwanderung in die
SOZIALSYSTEME
Anders herum: Imagination, Energie, Geld...
Die Funktion des Staates sollte sich auf das richtige Regulieren der
Rahmenbedingungen bei Störungen der Wirtschaftsentwicklung
konzentrieren und ansonsten die Gesetze des Marktes respektieren. Um das
zu können, muss der Staat eine konsequente und unabhängige
Analyse der Ursachen dieser Störungen erarbeiten und daraus die
entsprechenden Massnahmen definieren, um die Rahmenbedingungen für
die Zukunft anzupassen.
Was macht es aus meiner Sicht so schwer?
Die Imagination des Menschen dürfte wohl unerschöpflich sein,
aber leider reagiert der Mensch auf die Dynamik der ständig
wachsenden Komplexität mit Verzögerung. Das liegt an seiner
Biologie. Das innovative Entwicklungstempo beschleunigt sich
ständig, doch verselbstständigen sich viele Prozesse, die
daraus resultieren. Der Lösungsansatz einer Aufgabe beinhaltet
fünf neue Aufgaben.
Ungebremstes Wachstum - das sind Krebszellen, kontrolliertes Wachstum
ist aus meiner Sicht noch sehr... sehr lange möglich.
Die Imagination ist aber entscheidend
und deshalb gibt es auch keine Grenzen wirtschaftlichen Wachstums - im
Gegensatz zu den Grenzen des physischen Wachstums. Es gibt nämlich
keine Grenzen der Erkenntnis und der Kreativität, leider auch keine
Grenzen der Dummheit.
Die "Dummheit" (besser gesagt "der Fehler") der
heutigen führenden Wirtschaftswissenschaft besteht darin, die
Wirtschaft über die Produktion und den Tausch von Gütern
erklären zu wollen, weil man (wie der Autor richtig beschreibt)
einen "homo oeconomicus" für alle Gesellschaftsordnungen
der Menschheitsgeschichte finden wollte. Und produziert und getauscht
wird tatsächlich bereits in der Stammesgesellschaft.
Weil nun einmal Güter und Rohstoffe endlich sind, kommt der
"Club of Rome" genau aus der oben beschriebenen
"Dummheit" auf die "Grenzen des Wachstums".
Verstehe ich Herrn Binswanger richtig? Meine Frage an die Fachleute: Schlägt er vor, dass ...
der Staat noch weitgehender als bereits jetzt Zins und Geldmenges reguliert? Kann er überhaupt über die Milliarden von notwendigen Informationen verfügen? Ist dieser sozialistische Ansatz nicht von vorn herein zum Scheitern verurteilt? Muss das Geld nicht selbst Marktmechanismen unterliegen?
Die Kritik an der Neoklassik ist berechtigt,
aber dies wurde schon vor 16 Jahren von Heinsohn & Steiger in "Eigentum, Zins & Geld" beschrieben. Schade, dass der Autor dieses Buch nicht zitiert, obwohl er teilweise zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt. Der Grundfehler der Neoklassik liegt darin, dass sie das Geld nicht erklärt. Denn vor dem Markt kommt der Kredit. Ohne Kredit entsteht kein Geld. Ohne Eigentum (Sicherheiten) gibt es kein Kredit. Für Innovationen (z.B. Patente) kann man Kredit bekommen. Das ist der Antrieb für den technischen Fortschritt. Den Markt braucht man dafür, um Geld für Produkte bzw. Dienstleistungen zu erhalten, damit man seine Kredite bedienen kann. Um auf dem Markt erfolgreich zu sein, braucht man bessere Produkte als die Konkurrenz. Schafft man das nicht, gefährdet man sein im Kredit verpfändetes Eigentum und wenn dies bereits im Wert gefallen ist, auch das Eigentum der Bank. Der Vorteil des Kapitalismus ist der Kredit, weil man so keine Ansparzeit benötigt. Der Preis dafür ist der Zins.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.01.2013 11:26 UhrGeld muss nicht durch reale Werte gedeckt sein,
sondern Geld muss nach Heinsohn & Steiger durch Eigentum gedeckt sein. Eigentum ist ein Recht, also immateriell. Dass es kaum noch solvente Schuldner gibt, ist richtig und liegt an der zunehmenden Eigentumskonzentration. Geld ist Anrecht auf Eigentum eines Dritten und sammelt sich im Laufe der Zeit bei den Reichen an, während es bei den Ãrmeren entsprechend weniger wird. So lange es Wirtschaftswachstum gibt, merkt man das nicht, weil sich dadurch ein Mittelstand bildet, der das Geld wieder investiert. Die Superreichen versuchen aber, das Geld durch Zinsen zu vermehren - also das, was eine Bank machen soll. Wenn es aber nicht genug Mittelstand gibt, weià das ganze Geld nicht mehr wohin. Weil durch fehlende Kreditaufnahme der Wirtschaft auch der Staatshaushalt in Schieflage kommt, springt der Staat als Schuldner ein, um eine Wirtschaftskrise zu verhindern. Dabei beschleunigt er aber die Eigentumskonzentration, weil die Reichen die Zinsen kassieren und die Ãrmeren diese bezahlen müssen.
Leider kommt dann noch der Zinseszins dazu
und dann wird die Sache exponentiell. Nur unsere Produktivität können wir nicht gleichermaßen exponentiell steigern. Deshalb ist ein Großteil (mittlerweile ca. 2/3) des Geldes nicht mehr durch reale Werte gedeckt. Es ist ein Kettenbrief-System, welches sich langsam seinem Ende nähert. Es gibt kaum noch solvente Schuldner, die die neuen Schulden aufnehmen können. Und ohne Schulden läuft in diesem Geldsystem gar nichts.
dass Arbeit bzw Arbeiter durch Energie ersetzt werden, nutzt leider
reichlich wenig. Die Konsequenz, die wir daraus ziehen müssten
(höher Energiepreise für die Produktion), lässt sich
nicht umsetzen. Das Gegenteil ist der Fall. Damit nicht noch mehr
Arbeitsplätze verloren gehen, uss man der Industrie preislich auch
noch entgegenkommen. Das Volk ist erpressbar.
Wir sitzen halt in der Zwickmühle.
Also mehr Staat, Herr Biswanger?
Wenn Herr Binswanger die Problemursache alleine darin sucht, dass
Haushaltseinkommen nicht wieder in den Konsum sondern auch zum Sparen
(Haus und Aktien) genutzt werden bzw. dass Unternehmen durch innovative
staendige Produktentwicklung kuenstliche Nachfrage nach ueberfluessigen
Produkten entwickeln, deren Herstellung dann die Umwelt zerstoeren macht
er es sich zu einfach. Seine Loesung waere dann logischerweise hoehere
Besteuerung der Haushalte (weniger Gelder fuer "Spekulation")
und Einschraenkung der Produktion durch u.a. hoehere Energiekosten.
Dieser Weg wird gerade in Deutschland beschritten, der
"Erfolg" zeigt sich bereits.
Was er aber, wohl unwillkuerlich, deutlich herausgebracht hat ist der
Einfluss des Zinses- die Ursache seiner Wachstumsspirale war, dass
dieser zu niedrig war und erst angehoben wurde, als sich die Wirtschaft
ueberhitzte. Auch in der EU war und ist der niedrige Zins das groesste
Problem, nur wuerde eine Anhebung politischen Interessen zuwiderlaufen.
Kritik an der neoklassischen Theorie
Warum nicht gleich die Ostpolitik von Bundeskanzler Brandt kritisieren, das ist ein ähnlich relevanter Gegner? Lieber Himmel, Neoklassik...
Die Bäume wachsen nicht in den Himmel
Jedes Kind weiss, dass ständiges Wachstum bei beschränkten Ressourcen nicht funktionieren kann, nicht mal bei der Möglichkeit hundertprozentigen Recyclings. Da benötige ich keine´wissenschaftliche Unterstützung. Ausserdem wird die Zins- und Zinseszinsproblematik nicht angesprochen.
Mögen alle deutschen und europäischen Museen in naher Zukunft
"Ausstellungsstücke" dieser Art enthalten.
ceterum censeo Communitas Europaea esse delendam.
Das passt schon besser zur realen Welt,...
als das, was ich sonst so oft von Ökonomen höre.
Leider hat sein Ziehkind "der Joseph" so rein gar nichts von
ihm mitbekommen. Dieser hat sich nach dem Doktore aufgemacht, die Welt
mit sinnlosen Finanzprodukten zu "beglücken". Vielleicht
hilft sein Doktorvater aber dabei, die Welt wieder aus der Sackgasse zu
führen. Leider muss die Welt sehr weit zurück, um wieder an
den richtigen Abzweig zu kommen. Die Pseudo-Ökonomen konnten schon
zu lange mit makroökonomisch real untauglichen Theorien die Welt an
den Abgrund fahren. Jeder, der ein wenig Lebenserfahrung mitbringt und
sich ein wenig mit der herrschenden Art der Geldschöpfung
beschäftigt hat, konnte schon längst erkennnen, dass das Ende
der Sackgasse nicht mehr weit sein kann. Aber: Den Kapitalismus in
seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf (frei nach E.Honecker
:-).
Es ist begrüßenswert, dass sich Ökonomen über die
wankenden Grundlagen ihres Fachs Gedanken machen. Ansonsten bliebe den
reichlich erfolglosen Fachvertretern nur die Umschulung. Denn wer
braucht ein Wirtschaftsfach, dass Wirtschaftskrisen weder vorhersehen
noch taugliche Anweisungen zu deren Behandlung geben kann - und
gleichzeitig von sich behauptet Wirtschaft messerscharf erklären zu können.
Was bei Biswangers Exkurs fehlt ist die Unterscheidung zwischen guten
und schlechtem Wachstum. Es ist der Zins, der uns letztendlich zu
schechtem, geldgeschöpftem Wachstum verdammt und damit gesundes
Wachstum verhindert.
Geld als Tauschmittel für alles und offene, freie Märkte haben vor allem eins gebracht,
Eine gigantische Überproduktion, die sich nicht mehr auch nur
ansatzweise an den Bedürfnissen orientiert, sondern am Gewinn,
daran, was sich absetzen lässt.
Das lässt sich ganz einfach an der Zahl umweltschädlicher oder
für den Menschen ungesunder bis giftiger Produkte ablesen, die
dennoch wider besseren Wissens (!) weiterhin produziert und verkauft werden.
Die allgemeine Qualität der Produkte müsste steigen, damit
über die höhere Lebensdauer auch die Umwelt davon profitiert.
Dafür müssten die Produkte aber auch deutlich teurer werden,
was wiederum unserem Sozialstaat mit seinen vielen Bürgern die von
der Arbeit anderer abhängen nicht gut bekommen würde.
Und zum Wachstum, wir sind zum Wachstum verdammt, das ist die
menschliche Evolutionsstrategie! Und zwar eine unübersehbare.
Auch im Wirtschaftlichem, Stillstand=Stagnation=Tod. Das gilt in der
heutigen Zeit mehr denn je, galt aber auch schon für die
Ägypter, Maya, Römer usw. usf.. Mindestens ab dem Homo erectus.
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