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Konjunkturprognosen Kaum ein Ökonom hat den Absturz vorhergesagt

29.12.2008 ·  Einen Abschwung haben viele kommen sehen; dass es ein Absturz würde, hätte kaum einer gedacht. Vor einem Jahr sah der Sachverständigenrat „kein Indiz für eine Rezession“.

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Einen Abschwung haben viele kommen sehen; dass es ein Absturz würde, hätte kaum einer gedacht. Risiken haben viele gesehen; dass die Finanzkrise beinahe den Kollaps des gesamten Systems bewirken und nun die schärfste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg drohen würde, das hat vor einem Jahr bis auf ein paar Katastrophenpropheten keiner zu denken gewagt. Hinterher sind alle klüger: Für das kommende Jahr haben die Prognostiker die schlechtesten Szenarien durchgerechnet und wollen nichts mehr ausschließen.

Blickt man auf die Prognosen für das Jahr 2008 zurück, die Ende 2007 veröffentlicht wurden, so lesen sich viele Gutachten und Analysen wie aus einer anderen Zeit. Vor einem Jahr verkündeten die großen Forschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose im Titel: "Aufschwung legt Pause ein." Sie glaubten also, dass nach der Pause der Aufschwung weitergehen werde. Das Wachstum setzten sie mit 2,2 Prozent deutlich zu hoch an - tatsächlich ist die deutsche Wirtschaftleistung im Gesamtjahr 2008 um etwa 1,5 Prozent zum Vorjahr gestiegen, was gerade noch der Potentialwachstumsrate entspricht.

Dieses Ergebnis ist aber allein dem kräftigen Jahresanfang geschuldet. Nach dem milden Winterquartal, das einen Zuwachs von 1,4 Prozent zum Vorquartal brachte, ging es mit der Konjunktur nur noch abwärts. Erst machte der Ölpreis große Sorgen, der im Juli auf die Rekordmarke von fast 150 Dollar kletterte, was kaum ein Prognostiker so schnell für möglich gehalten hatte. Zwischenzeitlich wertete der Euro gegenüber dem Dollar bedenklich auf, wodurch der deutsche Export belastet wurde, der wegen der sich abkühlenden Weltwirtschaft ohnehin langsamer wuchs. Im September schlug dann die Finanzkrise voll zu und griff auf die Realwirtschaft über. Zwar enthielten die Gutachten und Prognosen dazu vor einem Jahr bereits warnende Worte, eine solch drastische Verschärfung der Finanzkrise sah aber keiner kommen.

Zu optimistisch

Auch der Sachverständigenrat war vor einem Jahr zu optimistisch in seiner Prognose für 2008. Zwar hatte er mit einer Vorhersage von 1,9 Prozent Wachstum nicht allzu hoch gegriffen, doch die Dynamik des Abschwungs haben die "fünf Weisen" nicht erkannt. In dem Gutachten, veröffentlich im November 2007, heißt es wörtlich, es gäbe trotz der gestiegenen weltwirtschaftlichen Risiken "noch kein Indiz dafür, dass der (deutsche) Aufschwung zum Erliegen kommt oder gar eine Rezession bevorsteht". Wie viele andere auch überschätzte der Sachverständigenrat die Entwicklung der Binnennachfrage, gestützt durch den privaten Verbrauch.

Oberflächlich betrachtet, lagen die großen Forschungsinstitute mit ihren vor einem Jahr veröffentlichten Wachstumsprognosen nicht so verkehrt, wenngleich sie überwiegend die Dynamik im Jahresverlauf falsch einschätzten: Dem tatsächlichen Wert von 1,5 Prozent Wachstum am nächsten kamen das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (beide sagten 1,7 Prozent voraus), dann das Münchner Ifo-Institut (Prognose: 1,8 Prozent), das Kieler Institut für Weltwirtschaft und das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (beide 1,9 Prozent). Das in Berlin ansässige Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung lag mit einer Prognose von 2,1 Prozent schon deutlicher daneben, weil es die Zunahme des Konsums viel zu hoch einschätzte. Begründet hat das DIW seinen Optimismus mit der steigenden Beschäftigung und höheren Löhnen; doch blieb der Konsum schwach.

Als Pessimist voll im Trend

Ebendies hat das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) unter der Leitung von Gustav Horn schon seit Jahren beklagt. Horns Institut traf mit seiner niedrigen Prognose für 2008 als einziges den tatsächlichen Wert von 1,5 Prozent. Allerdings hat sich der Aufschwungskeptiker Horn in der Vergangenheit auch schon öfter verschätzt: Ende 2006, kurz vor der Anhebung der Mehrwertsteuer, warnte er, dass damit der Aufschwung abgewürgt werde und es 2007 nur noch ein Wachstum von 1,3 Prozent geben werde. Tatsächlich wuchs die Wirtschaft 2007 um 2,5 Prozent, fast so stark wie im Rekordjahr 2006. Damals griff Horn mit seiner Prognose weit daneben, nun aber liegt er als Pessimist voll im Trend.

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