09.08.2008 · Schwere Krankheiten der zentralen Figuren eines börsennotierten Unternehmens können den Aktienkurs bewegen. An dem Tag als Peugeot den Schlaganfall des Konzernchefs bekannt gab, sank der Aktienkurs um1,4 Prozent: Das entspricht einem Verlust von 138 Millionen Euro.
Peugeot-Chef Christian Streiff kommt am 22. Mai dieses Jahres ins Krankenhaus. Die Diagnose: Schlaganfall. Erst am Montag darauf meldet Peugeot die Krankheit des Chefs. An diesem Tag sinkt der Aktienkurs des französischen Autokonzerns um 1,4 Prozent. Das entspricht einem Verlust von 138 Millionen Euro auf den Börsenwert des Unternehmens. In dieser Höhe werten die Börsen das Risiko, dass Streiff ernsthaft erkrankt ist. Das ist zumindest die erste Deutung in vielen Medien. Allerdings liegt der Kursabschlag im Rahmen der normalen Kursschwankungen.
Am 3. Juni berichtet Peugeot, Streiff habe das Hospital verlassen und werde seine Arbeit im Juli wieder in vollen Umfang aufnehmen. Der Peugeot-Aktienkurs endet mit einem Tagesplus von 1,9 Prozent.
Welchen Anteil die Bulletins des Auto-Chefs an den Kursbewegungen haben, ist nicht ermittelbar. Doch schwere Krankheiten der zentralen Figuren sind kursrelevant, deswegen müssen sie gemeldet werden. Die Regel reflektiert die kalte Realität der Kapitalmärkte: Der Wert eines CEOs ist Teil der Börsenbewertung. Vorstandschefs haben Einfluss auf die Profitabilität und den Wert eines Unternehmens - übrigens nicht nur positiven. Am Tag als Armand Hammer, der Chef der amerikanischen Ölgesellschaft Occidential Petroleum starb, stieg der Börsenwert der Firma um eine halbe Milliarde Dollar. Häufiger ist aber möglicherweise doch die positive Wirkung des Managers.
Ist Steve Jobs' Gesundheit Privatsache?
Eine dänische Studie hat herausgefunden, dass die Profitabilität von (dänischen) Unternehmen sinkt, wenn der Chef oder einer seiner nahen Angehörigen plötzlich verstirbt. Der Tod anderer Mitglieder der Geschäftsleitung hatte keinen Einfluss auf die Ertragskraft.
Wie Chefs von Investoren bewertet werden, zeigt sich selten so deutlich wie im Fall des Superstars Steve Jobs, des Gründers, Retters und Lenkers des Computerkonzerns Apple. Am Sonntag, dem 1. August 2004, offenbart Jobs in einer E-Mail an seine Mitarbeiter eine lebensbedrohliche Krankheit, von der er geheilt sei. Der Krebs hatte seine Bauchspeicheldrüse befallen. Die Mitteilung geht an die Presse, der Kurs bricht am Tag der Veröffentlichung um 2,4 Prozent ein.
Im Juni dieses Jahres tauchen neue Gerüchte auf: Auf der Worldwide Developers Conference zeigt sich ein ungewöhnlich hagerer Apple-Chef. Die Zeitungen spekulieren und veranlassen einen Analysten der Investmentbank Lehman während der Präsentation der Quartalszahlen nachzufragen. Jobs selbst ist nicht anwesend, sein Finanzchef Peter Oppenheimer deklariert die Gesundheit seines Chefs zur Privatangelegenheit. Der Kurs der Aktie fällt um 10 Prozent.
Die meisten Chefs sind ersetzbar
Analyst Charles Wolf, Mitarbeiter der Investmentbank Needham & Co., schätzt, die Apple-Aktie würde um 20 bis 30 Prozent stürzen, müsste Steve Jobs den Posten überraschend aufgeben. Damit wird der 53-Jährige zum 45-Milliarden-Dollar-Mann. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von einem Fonds, der ein Zweimilliardeninvestment hinauszögert, seit er Zweifel an der Gesundheit des genialen, charismatischen Unternehmers hat.
Jobs ist eine Ausnahmeerscheinung. In seiner Liga der Unersetzlichen spielen wenige. Zur Beruhigung der Investoren. Die meisten Chefs sind ersetzbar, vor allem in Publikumsgesellschaften. Als Hans Overdiek, Chef des Holzverarbeiters Pfleiderer, bei einem Unfall schwer verletzt wurde, brach der Kurs um sechs Prozent ein - nur um sich bald wieder zu erholen.
Ein Börsianer kommentierte die Entwicklung so: "Das mag zynisch klingen, aber kein Vorstandsvorsitzender ist 50 bis 60 Millionen Euro Marktkapitalisierung wert."
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.728,19 | −0,15% |
| FAZ-INDEX | 1.500,83 | −0,21% |
| TecDAX | 773,85 | −0,19% |
| MDAX | 10.253,60 | −0,35% |
| SDAX | 5.023,80 | +0,24% |
| REX | 421,66 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.488,29 | −0,13% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,26 | −0,27% |
| Dow Jones | 12.878,30 | +0,03% |
| Nasdaq 100 | 2.575,24 | +0,22% |
| S&P500 | 1.350,50 | −0,09% |
| Nikkei225 | 9.052,07 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3116 | −0,41% |
| Rohöl Brent Crude | 118,17 $ | +0,32% |
| Gold | 1.711,50 $ | −0,90% |
| Bund Future | 138,54 € | +0,16% |