05.12.2007 · Von welcher Höhe an kostet ein Mindestlohn Arbeitsplätze? Einer der wenigen Wissenschaftler, die sich mit dieser Frage befassen ist Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. FAZ.NET hat mit ihm gesprochen.
Von welcher Höhe an kostet ein Mindestlohn Arbeitsplätze? Am ostdeutschen Bau ist die rote Linie überschritten, sagt Joachim Möller, der neue Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Für den Postsektor arbeitet er an einer Methode, mit der man dieses Niveau berechnen kann.
Herr Möller, erste Massenentlassungen sind schon angekündigt worden. Wie viele Arbeitsplätze wird der vereinbarte Mindestlohn für die Briefzusteller von 9,80 Euro im Westen und 8 Euro im Osten denn vernichten?
Zurzeit kann Ihnen kein Wissenschaftler seriös sagen, ob und in welchem Umfang der Mindestlohn für Briefzusteller zu Beschäftigungsverlusten führen wird. Sie müssen bei einer solchen Rechnung auch die Arbeitsplätze bei der Post berücksichtigen und dürfen nicht nur auf die Wettbewerber sehen.
Sie haben die Folgen des Mindestlohnes am Bau untersucht. Welche Beschäftigungseffekte ließen sich dort feststellen?
Wenn der Mindestlohn auf moderatem Niveau festgesetzt wird, können sich sogar Beschäftigungsgewinne ergeben. Wenn die Schraube überdreht wird, werden Arbeitsplätze gefährdet. In Westdeutschland lag der Mindestlohn in der Baubranche im Jahr 1997 bei etwa 62 Prozent des Medianlohns (halbiert eine Stichprobe, d.Red.), im Osten viel höher, nämlich bei 83 Prozent. Im Osten war damit die rote Linie überschritten.
Bezogen auf die durchschnittlichen Löhne der Briefzusteller, liegt der Mindestlohn für die Post-Konkurrenten schon in Ostdeutschland bei einem Anteil von 100 Prozent und selbst für die Deutsche Post AG wäre die Marke von 80 Prozent überschritten. Ist das nicht eine deutliche Aussage?
Die Ergebnisse, die wir für die Baubranche erhalten haben, lassen sich definitiv nicht auf die aktuelle Situation im Briefsektor übertragen. Hier haben wir eine ganz und gar andere Ausgangslage.
Kann man mit wissenschaftlichen Methoden den überhaupt Punkt ermitteln, an dem ein Mindestlohn zu hoch und damit beschäftigungsfeindlich wird?
Ja, das geht prinzipiell. Meine Mitarbeiterin und ich haben dazu eine Idee entwickelt, die wir auch rasch umsetzen wollen. Das erfordert aber aufwändige Berechnungen, die nicht auf einen Bierdeckel passen.
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