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Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff Der Krisenversteher

Er kann die Krise erklären und hat mehrmals korrekt eingeschätzt, wie sie weitergeht: Harvard-Forscher Kenneth Rogoff studierte die Geschichte der Staatspleiten und entwickelte eine faszinierende Theorie. Jetzt ist er der Star der Stunde.

© Rainer Wohlfahrt Vergrößern Großmeister nicht nur im Schach: Kenneth Rogoff

Als die Schuldenkrise in Griechenland begann, waren die meisten Leute ziemlich überrascht. Einer nicht. Er rechnet sogar damit, dass das noch weitergeht. "Die Krise kann auch noch Spanien treffen. Und wenn das passiert, ist auch Großbritannien nicht sicher." Das sagt Kenneth Rogoff von der amerikanischen Eliteuniversität Harvard. Und auf Rogoff sollte man hören.

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Der Professor ist nicht nur irgendein Fachmann, der die Krise vorhergesehen hat. Davon gibt es inzwischen viele - schlicht, weil das inzwischen jeder Ökonom von sich behauptet, wenn er nur in den 70er Jahren einmal gefordert hat, dass die Banken stärker reguliert werden müssen. Einer allerdings hat die Krise wirklich verstanden, er kann sie erklären und hat mehrmals korrekt eingeschätzt, wie sie weitergeht: Kenneth Rogoff eben, der hagere Gelehrte von der amerikanischen Ostküste.

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2004 schon warnte er davor, dass die amerikanischen Schulden noch zum Problem werden können - erst mal ohne Details zu nennen. Doch im August 2008 sagte er: Bald kippt eine große amerikanische Bank. Zwei Monate später war Lehman Brothers pleite. Während anschließend die ganze Welt in der Depression versank, wusste Rogoff: Es geht auch wieder aufwärts. Und als sich dann alle Welt über den beginnenden Aufschwung freute, warnte Rogoff vor einer Staatsschulden-Krise. Jetzt hat die Welt Griechenland an der Backe.

Rogoffs Einfluss ist stetig gewachsen

Das spricht sich herum. Im Lauf der vergangenen drei Jahre ist Rogoffs Einfluss stetig gewachsen. Inzwischen machen Zeitungen rund um die Welt aus seinen Forschungsberichten ganze Themenschwerpunkte. Staatssekretäre geben damit an, wie lange sie ihn schon kennen. Und wenn Bundespräsident Horst Köhler in seiner Rede einen Ökonomen zitiert, dann ist das Rogoff. Selbst in Leinfelden-Echterdingen beim Deutschen Sparkassentag hören sich jetzt die Sparkassendirektoren an, was der Professor aus Amerika zu sagen hat. Ihnen erklärte der Wissenschaftler am vergangenen Mittwoch, warum er für Spanien und Großbritannien noch so viel Gefahr sieht: weil die Welt in der Vergangenheit mit einem Staatsbankrott selten hinkam. In den vergangenen Jahren ist sie von Staatspleiten weitgehend verschont geblieben, aber diese Phasen endeten immer nach kurzer Zeit - vor allem dann, wenn gerade eine Finanzkrise vorüber war.

Rogoff argumentiert mit der Geschichte. Dabei lautet die Volksweisheit eigentlich: Die Geschichte wiederholt sich nicht. Doch Rogoff zeigt, dass das Volk unrecht hat. Die Geschichte wiederholt sich. Immer wieder machen Staaten Schulden, und immer wieder stürzen sie danach in Turbulenzen. "Dass ein verschuldetes Land der Krise entgehen kann, kommt sehr selten vor." Doch die Menschen glaubten das nicht. Zum Beispiel im Amerika vor der Finanzkrise. "Damals hieß es: Uns schützt die Globalisierung und die Geldpolitik. Wir haben schließlich unseren Alan Greenspan." Ähnlich sei es in den 90er Jahren vor der Asienkrise gewesen. Auch diese Staaten hätten vorher oft genug gesehen, was mit verschuldeten Staaten passiert. "Aber es hieß: Wir sind sicher, wir sparen so viel, wir haben die asiatische Arbeitsethik und die asiatischen Werte."

„Dieses Mal ist alles anders“ - die teuersten Wörter der Geschichte

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