Home
http://www.faz.net/-gqq-xv2u
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Digitale Exzellenz

Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff Der Krisenversteher

Er kann die Krise erklären und hat mehrmals korrekt eingeschätzt, wie sie weitergeht: Harvard-Forscher Kenneth Rogoff studierte die Geschichte der Staatspleiten und entwickelte eine faszinierende Theorie. Jetzt ist er der Star der Stunde.

© Rainer Wohlfahrt Vergrößern Großmeister nicht nur im Schach: Kenneth Rogoff

Als die Schuldenkrise in Griechenland begann, waren die meisten Leute ziemlich überrascht. Einer nicht. Er rechnet sogar damit, dass das noch weitergeht. "Die Krise kann auch noch Spanien treffen. Und wenn das passiert, ist auch Großbritannien nicht sicher." Das sagt Kenneth Rogoff von der amerikanischen Eliteuniversität Harvard. Und auf Rogoff sollte man hören.

Patrick Bernau Folgen:        

Der Professor ist nicht nur irgendein Fachmann, der die Krise vorhergesehen hat. Davon gibt es inzwischen viele - schlicht, weil das inzwischen jeder Ökonom von sich behauptet, wenn er nur in den 70er Jahren einmal gefordert hat, dass die Banken stärker reguliert werden müssen. Einer allerdings hat die Krise wirklich verstanden, er kann sie erklären und hat mehrmals korrekt eingeschätzt, wie sie weitergeht: Kenneth Rogoff eben, der hagere Gelehrte von der amerikanischen Ostküste.

Mehr zum Thema

2004 schon warnte er davor, dass die amerikanischen Schulden noch zum Problem werden können - erst mal ohne Details zu nennen. Doch im August 2008 sagte er: Bald kippt eine große amerikanische Bank. Zwei Monate später war Lehman Brothers pleite. Während anschließend die ganze Welt in der Depression versank, wusste Rogoff: Es geht auch wieder aufwärts. Und als sich dann alle Welt über den beginnenden Aufschwung freute, warnte Rogoff vor einer Staatsschulden-Krise. Jetzt hat die Welt Griechenland an der Backe.

Rogoffs Einfluss ist stetig gewachsen

Das spricht sich herum. Im Lauf der vergangenen drei Jahre ist Rogoffs Einfluss stetig gewachsen. Inzwischen machen Zeitungen rund um die Welt aus seinen Forschungsberichten ganze Themenschwerpunkte. Staatssekretäre geben damit an, wie lange sie ihn schon kennen. Und wenn Bundespräsident Horst Köhler in seiner Rede einen Ökonomen zitiert, dann ist das Rogoff. Selbst in Leinfelden-Echterdingen beim Deutschen Sparkassentag hören sich jetzt die Sparkassendirektoren an, was der Professor aus Amerika zu sagen hat. Ihnen erklärte der Wissenschaftler am vergangenen Mittwoch, warum er für Spanien und Großbritannien noch so viel Gefahr sieht: weil die Welt in der Vergangenheit mit einem Staatsbankrott selten hinkam. In den vergangenen Jahren ist sie von Staatspleiten weitgehend verschont geblieben, aber diese Phasen endeten immer nach kurzer Zeit - vor allem dann, wenn gerade eine Finanzkrise vorüber war.

Rogoff argumentiert mit der Geschichte. Dabei lautet die Volksweisheit eigentlich: Die Geschichte wiederholt sich nicht. Doch Rogoff zeigt, dass das Volk unrecht hat. Die Geschichte wiederholt sich. Immer wieder machen Staaten Schulden, und immer wieder stürzen sie danach in Turbulenzen. "Dass ein verschuldetes Land der Krise entgehen kann, kommt sehr selten vor." Doch die Menschen glaubten das nicht. Zum Beispiel im Amerika vor der Finanzkrise. "Damals hieß es: Uns schützt die Globalisierung und die Geldpolitik. Wir haben schließlich unseren Alan Greenspan." Ähnlich sei es in den 90er Jahren vor der Asienkrise gewesen. Auch diese Staaten hätten vorher oft genug gesehen, was mit verschuldeten Staaten passiert. "Aber es hieß: Wir sind sicher, wir sparen so viel, wir haben die asiatische Arbeitsethik und die asiatischen Werte."

„Dieses Mal ist alles anders“ - die teuersten Wörter der Geschichte

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Umfrage zur Schuldenkrise Deutsche misstrauen den Griechen

Wird Griechenland die angekündigten Reformen wirklich umsetzen? Die Bundestagsabgeordneten glauben das und stimmten heute der Verlängerung der Hilfen für Athen zu. Drei Viertel der Deutschen bezweifeln das. Finanzminister Varoufakis gibt ihnen dazu neuen Anlass. Mehr

27.02.2015, 13:29 Uhr | Wirtschaft
Präsident des ifo Instituts Jetzt hilft nur noch die Drachme - Grexit auf Zeit?

Schon vor fünf Jahren kursierten die ersten Grexit- Ideen, umgestetzt wurden sie nicht. Seitdem sind die Schulden gestiegen und Griechenland ist dauerhaft abhängig von Krediten. Das ist keine Dauerlösung, sagt Hans Werner Sinn, Präsident des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung - kurz ifo Institut . Er fordert seit langem den Austritt Griechenlands aus dem Euro. Mehr

03.03.2015, 10:58 Uhr | Wirtschaft
Schuldenkrise Die Griechen haben ihr Geld außer Landes geschafft

Im Januar sind 27 Milliarden Euro ins Ausland abgeflossen – und die Wirtschaft schrumpft noch stärker als befürchtet. Das Risiko für Deutschland wächst. Ifo-Präsident Hans Werner Sinn fordert ein Ende der Notkredite von Notenbanken. Mehr Von Johannes Pennekamp und Tobias Piller

27.02.2015, 16:52 Uhr | Wirtschaft
Steinmeier Ukraine-Krise noch nicht vorbei

Die Krise in der Ukraine dauert - eine Lösung liegt in weiter Ferne. Das sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach einem Treffen mit seinem ukrainischen Kollegen Pawlo Klimkin in Berlin. Mehr

10.10.2014, 15:40 Uhr | Politik
Schuldenkrise Osteuropa grollt den Griechen

Arme EU-Mitglieder wie die Slowakei, Slowenien und Tschechien wollen nicht mehr für Athen geradestehen. Denn sie selbst haben noch weniger Geld. Und sind durch große Spar- und Reformanstrengungen gegangen. Mehr Von Christian Geinitz, Bratislava

28.02.2015, 14:24 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 11.05.2010, 07:50 Uhr

Im geldpolitischen Labor

Von Gerald Braunberger

Ein Paradebeispiel für die Dilemmas moderner Geldpolitik kann man derzeit in Schweden besichtigen. Das Land ist reich, aber war mehrfach anfällig für Spekulationsblasen. Mehr 1 5


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Hauptverdiener Mann

Bei den meisten Paaren in Deutschland sind die Männer nach wie vor die Hauptverdiener. Das ändert sich nur langsam. Mehr 1