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Geldpolitik Zwei Bären gegen Ben Bernanke

20.12.2010 ·  Was genau bedeutet eigentlich „quantitative Lockerung“? Das fragen sich zwei Bären in dem Zeichentrickfilm „Quantitative Easing Explained“, der seit einigen Wochen auf Youtube der Renner ist.

Von Philip Plickert
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Was genau bedeutet eigentlich „quantitative Lockerung“? Das fragen sich zwei Bären in dem Zeichentrickfilm „Quantitative Easing Explained“, der seit einigen Wochen auf Youtube der Renner ist. Der hellbraune Bär versucht erst eine technische Antwort: Die Fed – Amerikas Notenbank – kaufe große Mengen Wertpapiere; sie verlängere ihre Bilanz. Auf die dritte ungläubige Nachfrage des dunklen Bären platzt es heraus: „Die Fed druckt Tonnen von Geld.“ Und warum sie das nicht offen sage? „Weil Gelddrucken die letzte Ausflucht gescheiterter Wirtschaftspolitik in Imperien und Bananenrepubliken ist“, sagt der helle Bär. Die „quantitative Lockerung“ helfe allein der Bank Goldman Sachs, die ihre Papiere teurer verkaufen könne.

Schon mehr als 3,5 Millionen Zuschauer hat das 7-Minuten-Video gefunden, das der arbeitslose Banker Omid Malekan vor einem Monat ins Netz gestellt hat. Das ist erstaunlich, denn es handelt sich um einen völlig steifen Zeichentrickfilm mit zwei Bärchen, die sich über das eigentlich recht dröge Thema Geldpolitik unterhalten. Doch die Fed-Politik erregt Amerika derzeit wie wohl noch nie zuvor. Die Entscheidung des Fed-Chefs Ben Bernanke, nochmals 600 Milliarden Dollar für eine zweite Runde der quantitativen Lockerung bereitzustellen, hat Kritik im Inland wie im Ausland provoziert.

Im Bärenfilm werden „the Ben Bernank“ und seine Begründungen der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Bären bezweifeln, dass es in Amerika eine Deflation gebe. „Das Einzige, was deflationiert, ist die Glaubwürdigkeit der Fed.“ Die Fed habe seit Jahren ökonomisch falsch gelegen. Beispielsweise habe sie die Internet- und die Häuserpreisblase mit aufgepumpt. Und dann habe Bernanke auch noch behauptet, die Subprime-Krise sei eingedämmt, kurz bevor die Blase explodierte. Das einzige, was Bernanke für den Job des Fed-Chefs qualifiziere, sei wohl sein schöner Bart, meint der freche Bär.

Derzeit sind so viele Amerikaner unzufrieden mit der Fed wie noch nie. In einer Bloomberg-Umfrage äußerten 39 Prozent, die Fed müsse mehr Rechenschaft ablegen. Und 16 Prozent waren dafür, die Fed ganz abzuschaffen – eine Forderung, die der texanische Abgeordnete Ron Paul erhoben hat.

Ausgerechnet Paul wurde nun im Abgeordnetenhaus zum Vorsitzenden eines Komitees ernannt, das der Fed auf die Finger schauen soll. Wie sehr sich Bernanke inzwischen in der Defensive fühlt, zeigt seine Bereitschaft für ein einstündiges Fernsehinterview. Darin bezeichnete er es als „Mythos, dass die Fed Geld druckt“. Die Geldmenge ändere sich durch die quantitative Lockerung in keiner signifikanten Weise. Die Bären werden ihm nicht glauben. ppl.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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