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F.A.Z.-Ökonomenranking Auf diese Wirtschaftsforscher hört das Land

Lars Feld ist der Sieger im Ranking der einflussreichsten Ökonomen Deutschlands.

© Wonge Bergmann Vergrößern Lars Feld, der Sieger im F.A.Z.-Ökonomenranking.

Mindestlohn, Steuern, Euro-Krise: Unter den wichtigsten politischen Fragen dieser Tage stammen viele aus der Wirtschaft. Damit wird auch der Rat von Ökonomen wichtiger. In einer neuen Rangliste misst die F.A.Z., wer in Politik, Medien und Forschung den größten Einfluss hat. Sieger ist das Sachverständigenrats-Mitglied Lars Feld: Er erreicht Einfluss in allen drei Feldern.

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Das Ranking verbindet als Erstes die Wirkung von Ökonomen in Gesellschaft und Forschung. Damit erkennt es an, dass Wirtschaftsforscher gerade in diesen Jahren nicht nur dann gute Arbeit leisten, wenn sie Grundlagenforschung betreiben, die von Wissenschaftlern oft zitiert wird, sondern auch, wenn sie ihre theoretischen Erkenntnisse in der Politikberatung einsetzen und der Öffentlichkeit vermitteln.

Die Methode

Die Maße für den Einfluss in Politik und Medien machen darum gemeinsam die Hälfte des Gewichts aus. Der politische Einfluss eines Ökonomen wurde bei Bundestagsabgeordneten und hohen Ministerialbeamten erfragt. Die Bedeutung in der Öffentlichkeit wurde gemessen, indem die Zitate in überregionalen Medien, im Fernsehen und im Radio ausgezählt wurden - und zwar nur in den vergangenen zwölf Monaten, denn Medientrends ändern sich schnell. Die Forschung macht die andere Hälfte der Wertung aus. Dabei geht es nicht so sehr darum, in welchen Zeitschriften die Forschungsergebnisse veröffentlicht wurden. Sondern es geht um den Einfluss der einzelnen Arbeiten, der sich darin widerspiegelt, wie oft sie zitiert werden. In das Ranking geht aber nicht die pure Zitatzahl eines Forschers ein, sondern der sogenannte „h-Index“, der umso höher steigt, je öfter ein Wissenschaftler eine vielzitierte Arbeit vorlegt - ein einzelner Glückstreffer reicht also nicht. (Die Methode im Detail.)

An der Entwicklung und Verwirklichung der unterschiedlichen Wertungen waren die Universität Düsseldorf, die Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften in Hamburg, das Medienforschungsinstitut Mediatenor, der Verein für wissenschaftliche Politikberatung Econwatch und der Fachverlag Elsevier beteiligt. Die Vorgehensweise ist im unteren Artikel genauer beschrieben.

“Ich finde es gut, dass verschiedene Aspekte der Leistung von Ökonomen gewürdigt werden“, sagt der Düsseldorfer Ökonom Justus Haucap, der die diesjährige Jahrestagung der Ökonomenvereinigung „Verein für Socialpolitik“ organisiert.

Forschung, Medien und Politik ticken unterschiedlich

Die einzigartige Kombination dieser drei Teilbereiche zeigt auch, wie unterschiedlich Forschung, Medien und Politik ticken. Auf den ersten Plätzen der unterschiedlichen Teil-Ranglisten gibt es wenige Überschneidungen. In der Forschung sind viele Ökonomen stark, die sich um die Verhaltensökonomik verdient gemacht haben, die in den vergangenen Jahren in der akademischen Welt besonders in Mode war, zum Beispiel Urs Fischbacher, Simon Gächter, Armin Falk, Steffen Huck, Matthias Sutter und Martin Weber.

In den Medien kommt Hans-Werner Sinn am häufigsten zu Wort, der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, der in den vergangenen Jahren mit kritischen Einwürfen zur Euro-Krise bekannt geworden ist. Zudem schätzen die Medien die sehr praxisbezogenen Antworten der Ökonomen aus Banken und Versicherungen. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, wird kaum seltener zitiert als Eurokritiker Hans-Werner Sinn. Auch der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, findet seinen Weg in die Öffentlichkeit.

Politiker und Ministerialbeamte wiederum hören nur selten auf Forscher. Nur ein Drittel der Teilnehmer an der Umfrage nannte überhaupt einen Namen. Meist waren das Ökonomen aus den Instituten, die sich oft um politische Fragen kümmern: Auch hier liegt Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut vorne, es folgen unter anderen Clemens Fuest aus dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, Folkhard Isermeyer aus dem Thünen-Institut, das sich um Landwirtschaft kümmert, und Michael Hüther vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln.

Niemand schafft die Spitze in allen Disziplinen

Doch niemand erreicht in allen Disziplinen die Spitze. Ranking-Sieger Lars Feld hat den Zielkonflikt erlebt: „Ich habe viele Gelegenheiten, besser und noch mehr zu publizieren, nicht wahrnehmen können, weil mir die Zeit aufgrund meiner Aktivitäten gefehlt hat.“ Im Gesamt-Einfluss-Ranking kommen darum die Forscher nach oben, die in allen Teilen ein solides Ergebnis erreichen. Hinter dem Sachverständigenrats-Mitglied Feld sind das sein Ratskollege Christoph Schmidt, der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, und Marcel Fratzscher, der die Leitung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung übernommen hat und schon allein aus diesem Anlass in mehreren Medien vorgestellt wurde. Universitäts-Professoren, die große Lehrverpflichtungen haben, tauchen erst von Rang sieben an auf.

Damit wird deutlich: Kein Ranking kann alle Einzelheiten abdecken. Der unter Forschern angesehene Bonner Ökonom Martin Hellwig taucht in der Forschungsliste nicht weit oben auf, weil er viel von seiner Arbeit in Büchern veröffentlicht; er wird im Gesamtranking von seiner Resonanz in Medien und Politik nach oben getragen. Der Schweizer Forscher Bruno Frey ist zwar angesehen, hat aber nicht viel Kontakt zu deutschen Politikern. Zudem gehört Frey nicht mehr in die Definition des Rankings, denn er ist an die Universität Warwick gewechselt. In die Gesamttabelle wurden aber nur Forscher übernommen, die an einer Institution in Deutschland, Österreich oder der Schweiz arbeiten.

Hätten wir internationale Forscher mit ins Ranking aufgenommen, wären noch zwei andere bekannte Kandidaten an der Spitze aufgetaucht: Die Nobelpreisträger Paul Krugman und Joseph Stiglitz haben weltweit so viel Einfluss, dass er auch bis nach Deutschland reicht.

Quelle: F.A.Z.

 
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