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Aktualisiert: 05.09.2014, 18:00 Uhr

Ökonomenranking 2014 Auf diese Wirtschaftsforscher hört das Land

Der einflussreichste Ökonom Deutschlands heißt in diesem Jahr Hans-Werner Sinn. Doch ein Verfolger ist ihm schon auf den Fersen.

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© Röth, Frank Hans-Werner Sinn

Deutschlands einflussreichster Ökonom 2014 ist Hans-Werner Sinn, der Präsident des Ifo-Instituts. Kein anderer Wirtschaftsforscher hat in Deutschland so viel Gewicht in Medien und Politik und ist gleichzeitig auch in der Forschung präsent. Das zeigt unsere diesjährige Einfluss-Rangliste der Wirtschaftsforscher. Sinn hat sich viel Gehör verschafft, indem er unentwegt gegen die Vergemeinschaftung von Staatsschulden in der Eurokrise und gegen übermäßiges Gelddrucken der Europäischen Zentralbank kämpft. Und obwohl die Eurokrise aus den großen Schlagzeilen eigentlich schon verschwunden ist, ist Sinn mit seinem unentwegten Einsatz in den Medien noch häufiger zitiert worden als im Vorjahr.

Patrick Bernau Folgen:

Gerade Sinn zeigt, wie der Rat von Ökonomen die Stimmung in der Öffentlichkeit und in der Politik immer wieder mit lenkt. Eurokrise, Mindestlohn, Deflationsängste – was Wirtschaftsforscher sagen, beeinflusst die Entscheidungen in der Praxis. Das geschieht allerdings nur dann, wenn sich die Experten nicht nur auf Grundlagenforschung beschränken, sondern ihre Erkenntnisse auch in der Politikberatung einsetzen und in der Öffentlichkeit vermitteln. Genau das messen wir für unsere Rangliste.

„Es ist ausgesprochen zu begrüßen, dass die F.A.Z. nicht nur Publikationen in international bedeutsamen Fachzeitschriften abzählt“, sagt Gert Wagner, Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. „Solche simplen Maße sind für überzeugende Argumente zweitrangig. Das differenzierte F.A.Z.-Ranking ist zu begrüßen, weil es die Welt nicht unzulässig vereinfacht.“

In unserer Rangliste machen die Maße für den Einfluss der Wirtschaftsforscher in Politik und Medien gemeinsam die Hälfte des Gewichts aus. Der politische Einfluss eines Ökonomen wurde bei Abgeordneten und hohen Ministerialbeamten in Bund und Ländern erfragt. Die Bedeutung in der Öffentlichkeit wurde gemessen, indem die Zitate in überregionalen Medien, im Fernsehen und im Radio ausgezählt wurden – und zwar nur in den vergangenen zwölf Monaten, denn Medientrends ändern sich schnell. Die Forschung macht die andere Hälfte der Wertung aus. Denn Ökonomen wirken auch indirekt, über ihre Forschung beeinflussen sie die Denkweise anderer Ökonomen und ihrer Studenten.

Erstmals auch Rankings in Österreich und der Schweiz

In der Rangliste geht es nicht so sehr darum, in welchen Zeitschriften die Forschungsergebnisse veröffentlicht wurden. Sondern es geht um den Einfluss der einzelnen Arbeiten, der sich darin widerspiegelt, wie oft sie zitiert werden. „Ich finde das Ranking gut, weil es versucht, den Einfluss von Ökonomen in mehreren Dimensionen zu messen“, sagt der Düsseldorfer Volkswirt Justus Haucap. „Auch deswegen hat es große Beachtung innerhalb der Zunft der Ökonomen gefunden.“ In die Details der Messung sind nach der ersten Rangliste aus dem vergangenen Jahr Vorschläge aus der Wissenschaft eingegangen. „Eine ganze Reihe davon sind in der Neuauflage umgesetzt worden“, sagt Haucap.

An der Entwicklung und Verwirklichung der unterschiedlichen Wertungen war nicht nur die Universität Düsseldorf beteiligt, sondern auch die Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften in Hamburg, das Medienforschungsinstitut Mediatenor, der Verein für wissenschaftliche Politikberatung Econwatch und der Fachverlag Elsevier.

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