http://www.faz.net/-gqe-7u6fh

Ökonomenrangliste : Die Deutschen hören auf Daniel Kahneman

Daniel Kahneman ist der einflussreichste ausländische Ökonom in unserem Ökonomenranking Bild: Müller, Andreas

Der Verhaltensökonom ist der einflussreichste ausländische Ökonom in unserer Rangliste.

          Menschen handeln nicht immer überlegt und rational. Sie haben auch ein anderes Denksystem, das schneller entscheidet, aber dabei instinktiv und emotional handelt. Wie sich diese beiden Systeme unterscheiden, das hat der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman erforscht. Seit er sein Lebenswerk vor zwei Jahren auch in einem populären Buch unter dem Titel „Schnelles Denken, langsames Denken“ veröffentlicht hat, wird er auch in mehr Medien und sogar von einigen Politikern wahrgenommen – das macht Kahneman zum einflussreichsten ausländischen Ökonomen der vergangenen zwölf Monate in Deutschland. Zwar ignorieren ihn nach wie vor die meisten Politiker weitgehend, doch durch seine Auftritte in den Medien und vor allem durch seine enorme Forschungsleistung wirkt er inzwischen auch hierzulande kräftig.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Darauf kommt es an in unserer Ökonomenrangliste: Es geht darum, wer in Medien, Politik und Forschung wirkt. In der Rangliste machen die Maße für den Einfluss der Wirtschaftsforscher in Politik und Medien gemeinsam die Hälfte des Gewichts aus. Der politische Einfluss eines Ökonomen wurde bei Abgeordneten und hohen Ministerialbeamten in Bund und Ländern erfragt. Die Bedeutung in der Öffentlichkeit wurde gemessen, indem die Zitate in überregionalen Medien, im Fernsehen und im Radio ausgezählt wurden – und zwar nur in den vergangenen zwölf Monaten, denn Medientrends ändern sich schnell. Die Forschung macht die andere Hälfte der Wertung aus. Denn Ökonomen wirken auch indirekt, über ihre Forschung beeinflussen sie die Denkweise anderer Ökonomen und ihrer Studenten.

          Die Rangliste errechnen wir zusammen mit der Universität Düsseldorf, der Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften in Hamburg, dem Medienforschungsinstitut Mediatenor, dem Verein für wissenschaftliche Politikberatung Econwatch und dem Fachverlag Elsevier. In der Schweiz veröffentlicht die „Neue Zürcher Zeitung“ eine eigene Rangliste, in Österreich „Die Presse“.

          In unser Hauptranking gehen allerdings nur Ökonomen ein, die im deutschsprachigen Raum arbeiten. Doch auch andere Wirtschaftsforscher haben Einfluss. Das haben wir extra ausgewertet, die Punktzahlen aus dieser Wertung sind mit den Punktzahlen aus der Hauptwertung nicht vergleichbar.

          Piketty stark in den Medien - Krugman in der Politik

          Trotzdem käme auch mancher ausländische Ökonom dort weit nach oben. Der französische Wirtschaftsforscher Thomas Piketty hat zum Beispiel mit seiner These, dass sich im Kapitalismus das Vermögen auf Dauer in der Hand weniger reicher Familien konzentriert, in den Medien viel Resonanz gefunden – nur fünf Wirtschaftsforscher aus Deutschland wurden noch häufiger zitiert als er. Unter Politikern hat er es allerdings auch nicht weit nach vorne geschafft und bleibt deshalb unter den ausländischen Ökonomen auf Rang 4.

          Nach wie vor ist Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman der ausländische Ökonom, dem Abgeordnete und hohe Ministerialbeamte am meisten Einfluss einräumen. Dahinter folgt ebenfalls ein alter Bekannter: Robert Shiller stark, der die These von der Effizienz der Märkte hinterfragt und mehrere Finanzkrisen vorhergesehen hat. Eugene Fama, der die These effizienter Märkte aufgestellt hat, steht dank seines Ansehens unter Ökonomen in der Rangliste schon kurz dahinter. Beide profitieren davon, dass sie vergangenes Jahr gemeinsam den Nobelpreis bekommen haben, so dass ihre Thesen auch in den Medien häufig diskutiert wurden.

          In den Medien diskutiert wurden auch die Ansichten des ehemaligen Chefökonomen des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff, der immer wieder vor hohen Schulden warnt. Zwar war eine seiner Studien im vergangenen Jahr wegen eines Excel-Fehlers hochumstritten, doch das war schon vor dem Zählzeitraum für die aktuelle Rangliste. In der kam er nach oben, weil er auch heute noch mit seinen Thesen in der Debatte präsent ist.

          Ökonomen, die aus dem deutschsprachigen Raum stammen und gerade im Ausland arbeiten, wirken dagegen nur selten nach Deutschland zurück. Nur der Wirtschaftsgeograph Christian Schulz von der Universität Luxemburg und der Verhaltensökonom Matthias Sutter vom Europäischen Universitäts-Institut in Florenz werden in deutschen Medien noch so oft zitiert, dass sie sich für einen Platz in der Rangliste qualifizieren konnten – wenn auch nicht unter den ersten zehn ausländischen Ökonomen.

          Die einflussreichsten Ökonomen aus dem Ausland
          Medien Politik Forschung
          Rang Name Institution Gesamt- punkte Zitate Punkte Nen- nungen Punkte Zitate Punkte
          1 Kahneman, Daniel Princeton University 552 5 16 2 36 14956 250
          2 Krugman, Paul Princeton University 518 48 152 14 250 3461 58
          3 Shiller, Robert Yale University 323 35 111 9 161 1546 26
          4 Piketty, Thomas Paris School of Economics 314 79 250 2 36 847 14
          5 Fama, Eugene University of Chicago 287 15 47 0 0 7179 120
          6 Rogoff, Kenneth Harvard University 249 35 111 3 54 2531 42
          7 Acemoglu, Daron MIT 236 5 16 0 0 6587 110
          8 Gros, Daniel CEPS 192 9 28 9 161 90 2
          9 Blanchard, Olivier Internationaler Währungsfonds 177 25 79 2 36 1860 31
          10 Sachs, Jeffrey Columbia University 159 9 28 0 0 3916 65
          11 Krueger, Alan Princeton University 149 5 16 0 0 3991 67
          12 Stiglitz, Joseph Columbia University 133 26 82 0 0 1519 25
          13 Brynjolfsson, Erik MIT 130 6 19 0 0 3324 56
          14 Reinhart, Carmen John F. Kennedy School 129 17 54 0 0 2256 38
          15 Borio, Claudio BIZ 125 5 16 6 107 68 1
          16 Pettis, Michael Guanghua Sch. of Management 121 10 32 5 89 5 0
          17 Summers, Lawrence Harvard University 108 27 85 0 0 673 11
          18 Buchanan, James M. George Mason University (+) 103 0 0 5 89 397 7
          19 Eichengreen, Barry UC Berkeley 94 18 57 0 0 1120 19
          20 Feldstein, Martin Harvard University 82 21 66 0 0 454 8
          21 Akerlof, George UC Berkeley 81 7 22 0 0 1756 29
          22 Sen, Amartya Harvard University 71 6 19 0 0 1542 26
          23 Schulz, Christian Universität Luxemburg 70 22 70 0 0 23 0
          24 Taylor, John Stanford University 65 7 22 0 0 1284 21
          25 Mody, Ashoka Princeton University 54 9 28 0 0 773 13
          26 Sutter, Matthias European University Institute 47 5 16 0 0 918 15
          27 Freeman, Richard Harvard University 44 6 19 0 0 742 12
          28 Solow, Robert MIT 43 5 16 1 18 286 5
          29 Basu, Kaushik Weltbank 41 5 16 0 0 751 13
          30 Galbraith, James University of Texas 40 6 19 1 18 97 2

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Janet Yellen ist die Chefin der amerikanischen Notenbank Federal Reserve

          Historische Wende : Fed dreht den Geldhahn langsam zu

          Die Federal Reserve gibt den Einstieg in den Austieg bekannt. Die Stimulierung der Märkte soll nach und nach zurückgefahren werden. Es geht um Anleihen im Wert von knapp 4,5 Billionen Dollar.
          Polizeikräfte stehen vor dem durchsuchten Wirtschaftsministerium, während ein Demonstrant pro-separatistische Schilder zeigt.

          Festnahmen in Katalonien : Stimmzettel beschlagnahmt

          Die spanische Guardia Civil beschlagnahmt mehrere Millionen Wahlzettel für das geplante Referendum zur katalanischen Unabhängigkeit. In Barcelona demonstrierten mehrere Tausend Menschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.