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Paul Krugman : Der Popstar unter den Ökonomen

Princeton-Professor und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman Bild: AFP

Auf Paul Krugman hört ganz Amerika: Sein Blog ist Kult. Seine Forschung revolutionierte die Wirtschaftstheorie und belegt, wieso vom Welthandel alle profitieren.

          Paul Krugman ist der Popstar unter den Ökonomen. Mehr als eine Million Menschen folgen ihm auf Twitter. Sogar im Vergleich mit Profis anderer Branchen ist das enorm - Boris Becker kommt etwa nur auf ein Viertel dieser Menge. Was Krugman in seinem Blog unter dem Dach der amerikanischen Zeitung New York Times schreibt, findet Leser rund um den Globus. Das Wall Street Journal, das dem bekennenden Demokraten politisch nicht gerade nahesteht, zeichnete ihn dieses Jahr als den einflussreichsten Ökonomen überhaupt aus. Tatsächlich gibt es keine wirtschaftspolitische Debatte, vor allem innerhalb der Vereinigten Staaten, aus der er sich heraushält.

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wirklich bahnbrechend sind allerdings nicht seine unzähligen Kommentare, sondern sein akademisches Werk: Paul Krugman erklärte den Außenhandel neu. Er konstruierte ein theoretisches Modell, das darstellt, warum es auch und gerade für einander ähnliche Länder vorteilhaft ist, miteinander Handel zu treiben. Um zu verstehen, warum das einer Revolution gleichkam, ist es wichtig, den Ausgangspunkt zu kennen. Bis zu Krugmans Arbeiten drehte sich die Erklärung, warum Länder miteinander Handel treiben, wesentlich um den Begriff des „komparativen Kostenvorteils“. Dahinter steckt der Gedanke, dass Handel mit anderen Ländern vorteilhaft für alle Beteiligten ist, wenn sich jedes Land auf das spezialisiert, was es vergleichsweise am besten kann.

          Die Leitfrage der traditionellen Handelstheorie lautete denn auch: Welches Land exportiert welches Gut? Der britische Ökonom David Ricardo (1772-1823), der sie zuerst in eine Theorie packte, basierte seine Analyse auf unterschiedlichen Produktionstechnologien der miteinander handelnden Länder. In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts legte der schwedische Ökonom Bertil Ohlin nach und demonstrierte, dass Handel auch dann vorteilhaft ist, wenn die Länder auf demselben technologischen Stand sind, sich aber in ihrer Ausstattung mit den wichtigen Produktionsfaktoren (Arbeit und Kapital) unterscheiden. Für die beiden aufeinander aufbauenden Analysen gilt: Spezialisierung und Handel lohnen sich umso mehr, je verschiedener die Handelspartner sind.

          Wenn die alte Theorie nichts taugt

          Krugman fand nun zu Beginn seiner akademischen Laufbahn Ende der siebziger Jahre eine Welt vor, für die dieser Ansatz nicht taugte. Der Welthandel spielte sich vor allem zwischen Industrieländern ab. Zugleich handelten die Ländern häufig die gleichen Güter miteinander, Deutschland bekam etwa Autos aus Frankreich und lieferte Autos dorthin.

          Beide Phänomene passten nicht zur hergebrachten Theorie, nach der Handel vor allem zwischen stark unterschiedlichen Ländern hätte stattfinden müssen. Ein neues Erklärungsmodell musste her, Krugman baute es zusammen.

          Warum er gerade diese Frage zu seiner machte, ist im Grunde einer Serie historischer Zufälle zuzuschreiben. Internationale Wirtschaftszusammenhänge gerieten damals auch unter Studenten stärker in den Blickpunkt, nachdem sich der Charakter der Weltwirtschaft durch den Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems grundlegend geändert hatte und es viel Neues zu erforschen gab.

          Als Student in Portugals Zentralbank

          Ans MIT, wo Krugman studierte, kam 1975 mit Rudiger Dornbusch eine Kapazität. In einem Aufsatz schreibt Krugman, dass ihn beeindruckt habe, wie sehr Regierungen und Banken bei Dornbusch Rat suchten. „Ich weiß nicht, ob die Möglichkeit eines solchen Bedeutungszuwachses neu war, auf jeden Fall war sie es für mich.“ Ein Jahr später entsandte das MIT eine Gruppe Studenten, darunter Krugman, für ein Projekt zur portugiesischen Zentralbank. Das Land hatte eine Revolution und einen versuchten Putsch hinter sich und befand sich in einem eher desolaten Zustand. Für Krugman eine offenbar wichtige Erfahrung: „Was ich dort lernte war, wie mächtig einfache ökonomische Ideen sind und zugleich wie unnütz Theorien, die keinen praktischen Bezug haben.“

          Im Rückblick liest sich dieser Satz wie eine Richtlinie für Krugmans Arbeiten. Schließlich hörte er im selben Jahr eine Vorlesung des späteren Nobelpreisträgers Robert Solow über Theorien unvollständigen Wettbewerbs, die eigentlich ein Nischendasein in der Wirtschaftstheorie fristeten, aber alsbald von den Ökonomen Joseph Stiglitz und Avinash Dixit salonfähig gemacht wurden: Sie sind das methodische Rüstzeug und zugleich der formale Ausgangspunkt für Krugmans Coup.

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