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Veröffentlicht: 23.11.2013, 12:55 Uhr

Karl Marx Die Entzauberung des Kapitalismus

Karl Marx ist der Vater des Sozialismus. Erforscht hat er aber vor allem den Kapitalismus. Und erklärt, wieso er langfristig untergehen wird.

von Heinz D. Kurz
© epd/F.A.S. Karl Marx (1818-1883)

Karl Marx (1818-1883) kennen vermutlich mehr Menschen als Adam Smith oder John Maynard Keynes - dem Namen nach jedenfalls. Aber wer hat schon seine Werke gelesen? Viele glauben gleichwohl über seine Wirkung Bescheid zu wissen: Marx war der geistige Wegbereiter des Sozialismus, des Bolschewismus und der Zentralverwaltungswirtschaft. Tatsächlich hat Marx über die ihm vorschwebende Alternative zum Kapitalismus kaum etwas zu Papier gebracht - über den Kapitalismus dafür umso mehr.

Marx war ein eminent politischer Mensch. Wie die Marx-Engels-Gesamtausgabe zeigt, war er zuallererst ein Wissenschaftler. Er entwickelt seine eigene Analyse in den drei Bänden des „Kapitals“ (1867, 1885, 1894) in Auseinandersetzung mit der verfügbaren ökonomischen Literatur und verfasst eine der ersten Geschichten des ökonomischen Denkens, die Theorien über den Mehrwert. Wie bei Adam Smith, und beeinflusst von Charles Darwin, geht es um die Enthüllung des „Bewegungsgesetzes“ der kapitalistischen Wirtschaft. Diese unterscheidet sich von früheren Produktionsweisen durch eine außergewöhnliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Dynamik. Letztere entspringt dem System selbst und revolutioniert unaufhörlich die geltenden Verhältnisse. Der Kapitalismus sei kein „fester Kristall“, sondern „ein umwandlungsfähiger und beständig im Prozess der Umwandlung begriffener Organismus“.

Der „Lokomotor“ der Entwicklung ist die Konkurrenz. Sie bedeutet Rivalität und zwingt die Akteure - „bei Strafe ihres Untergangs“ - neue, die Kosten senkende Produktionsverfahren und neue Produkte einzuführen. Nur wem dies erfolgreich gelingt, überlebt im Konkurrenzkampf. Die Koordination der arbeitsteilig produzierenden Unternehmungen erfolgt über interdependente Märkte und Preise. Wegen des anarchischen Charakters des Systems kommt es periodisch zu Krisen; die Entwicklung verläuft zyklisch. Aber: „Permanente Krisen gibt es nicht.“

Das „Mehrprodukt“ ist der Profit

Wann funktioniert die Koordination, wann nicht? Was macht die systemische Dynamik aus? Zur Beantwortung entwickelt Marx im posthum von Friedrich Engels 1885 veröffentlichten zweiten Band des Kapitals seine „Schemata der einfachen und erweiterten Reproduktion“. Hierbei handelt es sich um Modelle mit mehreren miteinander verflochtenen Wirtschaftssektoren. Die Schemata sind eine Weiterentwicklung des physiokratischen Tableaus Économique François Quesnays (1694-1774) und ebnen der Input-Output-Analyse des in den Vereinigten Staaten lehrenden Wassily Leontief (1905-1999) den Weg.

Im einfachsten Fall fasst Marx die Gesamtwirtschaft zu nur zwei großen „Abteilungen“ zusammen. In der ersten werden Konsum- und in der zweiten Produktionsmittel erzeugt. Zum Unterhalt seiner Arbeitskräfte benötigt eine jede Abteilung Konsumgüter und darüber hinaus Produktionsmittel. Marx beschreibt die gleichgewichtigen Lieferbeziehungen zwischen den Sektoren stofflich, preislich und auch monetär über die den Güterströmen entgegenlaufenden Geldströme. In Abhängigkeit von der Höhe der Reallöhne ist für gegebene technische Bedingungen der Produktion das „Mehrprodukt“ mehr oder weniger groß. Es geht in der Form von Profit an die Kapitaleigner.

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