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Veröffentlicht: 17.01.2014, 17:39 Uhr

John Stuart Mill Ein Kämpfer für die Freiheit

John Stuart Mill meint, der Kapitalismus kann glücklich machen. Damit das funktioniert, forderte er Bildung, Gleichberechtigung und Erbschaftssteuern.

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© Reproduktion ddp John Stuart Mill (1806 - 1873)

Es gibt Leute, denen wird das Weltverbessererdasein geradezu in die Wiege gelegt. John Stuart Mill gehört dazu. Der englische Philosoph, Ökonom und Politiker kommt 1806 als ältestes von neun Kindern in London zur Welt. Der beste Freund seines Vaters James Mill, selbst ein Vordenker des Liberalismus, ist der Ökonom David Ricardo, dessen Erkenntnisse bis heute die theoretische Grundlage des Freihandels bilden. Der radikale Reformer Jeremy Bentham, bekannt für seine Schriften zur Philosophie des Utilitarismus, geht bei den Mills ein und aus. Alle kämpfen sie für die individuelle Freiheit, freie Märkte, eine nach rationalen Prinzipien ausgerichtete Gesellschaftsstruktur und die mehr oder weniger ungezügelte Verfolgung persönlicher Interessen und Gelüste. Ihre Gegner sind gesellschaftliche Konventionen, überholte Moralvorstellungen und die Kirche.

An dem jungen John Stuart probiert James Mill seine Theorien aus. Der Sohn soll der ideale Bewohner der neuen Gesellschaft werden: hoch gebildet, aufgeklärt, von der Vernunft geleitet. Als Dreijähriger lernt Mill Griechisch, mit sieben liest er Platon und mit 13 Ricardos Prinzipien der politischen Ökonomie. Als er Anfang 20 ist, erleidet er den ersten von mehreren depressiven Zusammenbrüchen und erkennt: Der Vater und seine Freunde haben in ihren rationalen Theorien einen entscheidenden Punkt vergessen - das Glück des Einzelnen.

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Fortan beschäftigt sich Mill damit, welche sozialen und ökonomischen Bedingungen eine Gesellschaft erfüllen muss, um es möglichst vielen ihrer Mitglieder zu ermöglichen, ihre Persönlichkeit frei von äußeren Zwängen zu entfalten. Berühmt geworden ist sein Freiheitsbegriff. Danach gibt es nur eine einzige Rechtfertigung für Staat und Gesellschaft, die Freiheit des Einzelnen einzuschränken: wenn damit Schaden von anderen abgewendet wird. Maßgeblich beeinflusst von seiner Freundin und späteren Ehefrau Harriet Taylor, lag Mill auch die Selbstbestimmung der Frau am Herzen: Die Freiheitsrechte sollten für alle gelten, unabhängig vom Geschlecht.

Mill wollte das System retten

Auch Mills ökonomische Theorie ist von seinem Glauben an das Ideal der Selbstverwirklichung geprägt. Obgleich er wie sein Vater ein Anhänger der klassischen ökonomischen Theorie Ricardos war, störte er sich daran, wie ungleich Reichtum und Lebenschancen im kapitalistischen System seiner Zeit verteilt waren. Anders als einige seiner Zeitgenossen sah er diese Zustände nicht als naturgegeben. Die vorherrschenden Institutionen und Theorien, war Mill überzeugt, hatten die Menschen derart in ihrem Egoismus und Gewinnstreben bestärkt, dass sie vergessen hatten, sich höhere moralische Ziele zu suchen: „Sowohl die unkultivierte Herde, die heute die arbeitende Klasse stellt, als auch der Großteil ihrer Arbeitgeber“ mussten Mills Einschätzung nach erst einmal ihren Charakter umkrempeln, bevor die Gesellschaftsordnung, die ihm vorschwebte, eine Chance hatte.

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