http://www.faz.net/-gqq-7qp3a

Zum Tod von John Nash : Genie und Wahnsinn

John Nash (1928-2015) Bild: AFP

Der Wirtschaftsnobelpreisträger und Mathematiker John Nash faszinierte die Massen - nicht nur mit seiner Spieltheorie. Nun ist er bei einem Autounfall gestorben. Ein Nachruf.

          Im Film „A Beautiful Mind“, der weltweit über 300 Millionen Dollar eingespielt hat, wird das Nash-Gleichgewicht so erklärt: John Nash, brillanter junger Mathematiker und Promotionsstudent an der amerikanischen Eliteuniversität Princeton, hängt mit seinen Kommilitonen abends in einer Bar. Eine Gruppe hübscher junger Frauen spaziert durch die Tür herein, die den Studenten verführerische Blicke zuwerfen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Klar, am schönsten ist eine Blondine. John Nash stellt sich die Frage nach der richtigen Strategie: Wenn sich jeder der Kommilitonen um die Blondine bemüht, endet der Wettkampf in einer Schlägerei, und am Ende verlieren alle, weil die restlichen Frauen - niemand will zweite Wahl sein - beleidigt die Bar verlassen. Und die Blondine kriegt auch keiner ab. Besser also, die Attraktivste von vornherein links liegenzulassen und sich mit ihren Freundinnen zufriedenzugeben. So gewinnen alle.

          Für diese Erkenntnis und die auf ihr aufbauende Forschung hat der Mathematiker John Nash viel später den Nobelpreis erhalten, und tatsächlich lernen Legionen an Volkswirtschaftsstudenten im Grundstudium ein ökonomisches Theorem, das es bis in ein Hollywood-Drehbuch geschafft hat. Wenn deutsche Studenten der VWL die „Grundlagen der Mikroökonomik“ aufschlagen, wird ihnen das Nash-Gleichgewicht mit einem Fußballspiel erklärt, bei dem zwei Anbieter von Sitzkissen überlegen, welchen Preis sie für den Verleih verlangen. Sie müssen ihren Preis gleichzeitig bekanntgeben und können ihn dann nicht mehr verändern. Die Nachfrager haben keine Präferenzen, die Kosten der Anbieter sind identisch.

          Am meisten verdienen würde, verlangten beide den gleich hohen Monopolpreis und teilten sich den Umsatz zu gleichen Teilen. Da aber der eine nicht weiß, ob der andere möglicherweise einen niedrigeren Preis setzt und damit die komplette Menge erhalten würde, werden beide den niedrigen Preis wählen - keiner der beiden kann sich verbessern, handelte er anders. Außer, die Kissen-Verleiher treffen nicht nur an einem einzigen, sondern jeden Samstag aufeinander und sprechen sich von nun an ab, beide den höheren Preis zu verlangen.

          Die Doktorarbeit hatte nur 27 Seiten

          Dass ein Raunen durch die Reihen im Hörsaal geht, wenn das Nash-Gleichgewicht an die Reihe kommt, dass mindestens jeder Zweite in der Sitzbank das Leben des amerikanischen Ökonomen bis ins Privateste kennt, seine Liebschaften, seine Leiden, seine Siege und sein Scheitern, das liegt nicht an der genialen Entdeckung des spieltheoretischen Gleichgewichts, das zum Beispiel geholfen hat, den Wettbewerb zwischen Fluglinien zu verstehen und in der Euro-Krise gar auf Deutschland und Griechenland angewendet wurde bei der Frage, ob Deutschland Eurobonds zustimmen soll und Griechenland sparen wird: „Für Griechenland wäre es am besten, wenn es nicht spart, Deutschland aber Eurobonds unterstützt, und umgedreht wäre es für Deutschland am besten, wenn Griechenland spart, Deutschland aber Eurobonds vermeiden kann“, analysierte die Bank of America und zeigte das Nash-Gleichgewicht auf: Griechenland spart nicht, und Deutschland verhindert Eurobonds.

          Weitere Themen

          Physik-Nobelpreis geht an Gravitationswellen-Forscher Video-Seite öffnen

          Stockholm : Physik-Nobelpreis geht an Gravitationswellen-Forscher

          Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften hat in Stockholm mitgeteilt, dass sich in diesem Jahr drei amerikanische Forscher über den Physik-Nobelpreis freuen dürfen. Ausgewählt wurden sie für den Nachweis von Gravitationswellen im All, deren Existenz Albert Einstein bereits vor rund einhundert Jahren vermutet hatte.

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : Ohne Qualen geht es nicht

          Theresa May flehte diese Woche in Berlin, Paris und Brüssel um Hilfe bei den Brexit-Verhandlungen. Die Europäer blieben hart. Aber sie gaben sich Mühe, nett zu sein.

          SPD : Der wahre Sieger der Bundestagswahl

          So ein bisschen freuen sich die Sozialdemokraten über das katastrophale Ergebnis der Bundestagswahl. Endlich sind sie die Union los. In der Opposition soll alles besser werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.