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John Maynard Keynes : Der Bezwinger der Weltwirtschaftkrisen

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John Maynard Keynes Bild: © Bettmann/CORBIS

John Maynard Keynes vertraute seinem eigenen Kopf mehr als der herrschenden Meinung. Das machte ihn zum mächtigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Einer unserer „Weltverbesserer“.

          Er ist vielleicht der größte Ökonom des 20. Jahrhunderts: John Maynard Keynes. Die Weltwirtschaftskrise war die Stunde seiner außergewöhnlichen Ideen. In einem Cambridger Diskussionskreis mit jungen Ökonomen entwickelte er die Gedanken, die er 1936 unter dem Titel „The General Theory of Employment, Interest and Money“ veröffentlichte. Dieses Buch wurde das wohl wichtigste ökonomische Werk des 20. Jahrhunderts - und das mächtigste. Es veränderte die Wirtschaftspolitik in aller Welt.

          Schon vor der Weltwirtschaftskrise war Keynes bekannt für starke Ansichten, die er gegen große Widerstände vertrat. Als Sohn eines Professors an der Universität Cambridge erhielt er die bestmögliche Erziehung in Eton und an der Universität Cambridge. Nach dem Studium der Philosophie, Mathematik und Ökonomie arbeitete er im India Office der britischen Regierung, dann im britischen Finanzministerium und kehrte später zum akademischen Leben zurück.

          1919 war Keynes schon einflussreich genug, um Mitglied der britischen Delegation bei den Versailler Friedensverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg zu sein. Doch er trat von dieser Position zurück, weil er mit der restlichen Delegation uneins war. Er war sicher: Die Deutschland auferlegten Reparationszahlungen waren eine wirtschaftliche und politische Katastrophe. Seine Gedanken hierzu publizierte er in dem brilliant geschriebenen Buch „The Economic Consequences of the Peace“. Es wurde ein Bestseller und machte Keynes insbesondere in Deutschland populär. Heute ist allgemein anerkannt, dass er mit seinen Bedenken richtig lag. Der Friedensschluss von Versailles war eine der wichtigsten Gründe für Hitlers Aufstieg und für den Zweiten Weltkrieg.

          Er plädierte für einen Liberalismus mit ordnendem Staat

          Auch danach blieb Keynes einer, der seinem eigenen Kopf mehr vertraute als der herrschenden Meinung. Winston Churchill führte 1926 als britischer Finanzminister den Vorkriegs-Goldstandard für das Pfund wieder ein. Keynes war darüber sehr verärgert und schrieb sein Pamphlet „The Economic Consequences of Mister Churchill“. Darin prognostizierte er für Großbritannien eine Periode der Deflation mit großer Not für die Arbeiterklasse. Die Ereignisse der Folgejahre sollten ihm recht geben. So musste fünf Jahre später auch der Goldstandard des Pfundes wieder aufgegeben werden.

          In diesen Jahren gehörte Keynes der britischen Liberalen Partei an. In seinem Vortrag „Am I a Liberal?“ plädiert er für einen Liberalismus, der sich von den alten Ideen des Laissez-faire, also von einer Wirtschaft an der langen Leine, verabschiedet und dem Staat eine ordnende Funktion zuweist.

          Seine größte Zeit kam aber kurz darauf, in Folge der Weltwirtschaftskrise, die 1929 mit dem Schwarzen Donnerstag an der New Yorker Börse begann und sich in der ganzen Welt ausbreitete. Damals gab es eine hitzige Debatte über die Ökonomie. Denn die herrschende Theorie schien nicht mehr geeignet, die Welt der Wirtschaft zu erklären und sinnvolle Politikempfehlungen zu geben. Keynes’ „General Theory“, die 1936 erschien, markierte eine Wende, denn er schlug eine andere Art zu denken vor.

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