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Adam Smith Der Segen des Egoismus

Adam Smith hat als Erster den Wert des Ego-Kapitalismus erkannt: Der Eigenliebe des Bäckers ist es zu danken, dass wir satt werden. Aus unserer Serie „Die Weltverbesserer“.

© ullstein bild Vergrößern Adam Smith (1723-1790)

Adam Smith gehört zu den Riesen der Volkswirtschaftslehre, auf deren Schultern die heutigen Ökonomen als dankbare Zwerge stehen. Dabei beschäftigte er sich erst spät mit ökonomischen Fragestellungen. Nach einer wissenschaftlichen Karriere als Professor für Logik und Moralphilosophie stellte er sein volkswirtschaftliches Opus Magnum „Der Wohlstand der Nationen - eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen“ erst im Alter von 53 Jahren fertig.

Der Erfolg war schon damals groß, und er erwies sich als äußerst nachhaltig. In den fünf Büchern des „Wohlstands der Nationen“ legt Smith die Basis für die Volkswirtschaftslehre als eigenständige Wissenschaft. Er beschreibt die Prinzipien der Arbeitsteilung, der Bestimmung von Löhnen und Preisen, Gewinnen und der Bodenrente. Er erklärt die Funktionen des Geldes und des Finanzsystems. Kritisch setzt er sich mit den damals üblichen Handelsschranken auseinander. Das fünfte Buch widmet sich den öffentlichen Einnahmen und Ausgaben sowie dem Problem der Staatsverschuldung.

Die Angst vor der Globalisierung war damals so verbreitet wie heute

Auch 237 Jahre nach seinem Erscheinen ist der „Wohlstand der Nationen“ ein gut zu lesendes und in einigen Punkten nach wie vor hochaktuelles Buch. So setzt Smith sich intensiv mit der Angst vor der Globalisierung der Märkte auseinander, die damals so verbreitet war wie heute. Smith kommt dabei zu einem - zumindest für das 18. Jahrhundert - alles andere als selbstverständlichen Schluss: Der ungehinderte Austausch von Waren über die Landesgrenzen hinweg ist keine Gefahr für den Wohlstand der Nationen, sondern vielmehr eine entscheidende Quelle des Wohlstands.

Adam Smith leitet dies aus der Arbeitsteilung ab, deren Ergebnisse ihn beeindruckten. „Ein Arbeiter, der noch niemals Stecknadeln gemacht hat und auch nicht dazu angelernt ist (erst die Arbeitsteilung hat daraus ein selbständiges Gewerbe gemacht), so dass er auch mit den dazu eingesetzten Maschinen nicht vertraut ist (auch zu deren Erfindung hat die Arbeitsteilung vermutlich Anlass gegeben), könnte, selbst wenn er fleißig ist, täglich höchstens eine, sicherlich aber keine zwanzig Nadeln herstellen.“

Durch die Aufteilung der Herstellung auf 18 unterschiedliche Arbeitsvorgänge komme es zu einem unglaublichen Produktivitätsgewinn: „Ich selbst habe eine kleine Manufaktur dieser Art gesehen, in der nur zehn Leute beschäftigt waren, so dass einige von ihnen zwei oder drei solcher Arbeiten übernehmen mussten. Obwohl sie nun sehr arm und nur recht und schlecht mit dem benötigten Werkzeug ausgerüstet waren (...), waren die 10 Arbeiter imstande, täglich etwa 48.000 Nadeln herzustellen.“

Wenn die Arbeitsteilung die entscheidende Grundlage für den Wohlstand der Nationen bildet, ist es für Smith naheliegend, das Potential hierfür durch offene Märkte so weit wie möglich zu nutzen. Die Angst vor der Globalisierung, die im vergangenen Jahrzehnt auch in Deutschland die Diskussion beherrschte, ist also ein schlechter Ratgeber. Denn bei allen Schattenseiten der Globalisierung ist Adam Smith zuzustimmen, dass dabei der Wohlstand fast aller Nationen gestiegen ist.

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Veröffentlicht: 24.08.2013, 12:30 Uhr

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