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Der Volkswirt : Überstürzte Frauenquote mindert Firmenwert

Bild: Peter von Tresckow

Eine Studie über die Folgen der 40-Prozent-Frauenquote in Norwegen kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Der politisch erzwungene Austausch des Topmanagements hat den Unternehmen erheblich geschadet.

          In diesem Herbst will die EU-Justizkommissarin Vivian Reding Ernst machen. Dann präsentiert sie eine Richtlinie, nach der bis Anfang 2020 alle börsennotierten Unternehmen mindestens 40 Prozent Frauen in ihren Aufsichtsräten haben sollen. Für Deutschland bedeutete dies eine Verdoppelung der Quote in gut sieben Jahren. Die Unternehmen zu zwingen, die Frauenquote zu erhöhen, sei nicht nur gesellschaftlich geboten, sondern nutze ökonomisch, meint die EU-Kommissarin. Sie verweist auf McKinsey-Studien, wonach sich die Aktienkurse von Unternehmen mit gemischten Entscheidungsteams deutlich besser als die anderer Firmen entwickelt hätten. Die Frauenorganisation Catalyst kam sogar zu dem Ergebnis, dass Unternehmen mit mehr Frauen in den Entscheidungsgremien die Konkurrenz mit einer um spektakuläre 42 Prozent höheren Umsatzrendite und gar 53 Prozent mehr Eigenkapitalrendite überträfen. Wenn es so einfach wäre.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Dass eine zu abrupt erzwungene Frauenquote die Wirtschaft auch in Bedrängnis bringen kann, zeigt die Studie „The Changing of the Boards“ zweier amerikanischer Ökonomen über Norwegen, das Land, das Reding als Vorbild lobt. Dort schrieb das Parlament 2003 eine Frauenquote von 40 Prozent für die Verwaltungsräte fest - zunächst ohne Sanktionen. Der Anteil weiblicher Verwaltungsräte betrug damals nur 9 Prozent. Weil viele Unternehmen nicht freiwillig folgten, wurde die Quote 2006 strafbewehrt. Bis Anfang 2008 stieg der Frauenanteil dann wie vorgeschrieben auf mehr als 40 Prozent.

          Mit anderer Rechtsform die Quote umgangen

          Gleichzeitig litten aber die Aktienkurse jener Unternehmen, die von dem Gesetz am stärksten betroffen waren. „Wir finden einen großen negativen Effekt des erzwungenen Austauschs in den Boards auf den Unternehmenswert“, schreiben Kenneth Ahern und Amy Dittmar, Finanzprofessoren an der Universität Michigan, in ihrer Studie über 248 börsennotierte norwegische Unternehmen. Erschienen ist die Arbeit dieses Jahr im renommierten „Quarterly Journal of Economics“. Schon am Tag, als das Gesetz verkündet wurde, brachen die Aktienkurse derjenigen Unternehmen, die bislang keine Frauen im Verwaltungsrat hatten, um 3,5 Prozent gegenüber dem Gesamtmarkt ein.

          Auch längerfristig belastete das Gesetz die Firmen mit erzwungenen Wechseln: Ihr Wert - ausgedrückt in der technischen Variablen „Tobins Q“ - entwickelte sich signifikant schlechter. Musste die Frauenquote in der Führungsspitze um 10 Prozent erhöht werden, sank Tobins Q um 12,4 Prozent. „Die Ergebnisse legen nahe, dass die vom Gesetz auferlegte Beschränkung einen großen negativen Effekt auf die Unternehmenswerte hatte, der proportional zu der massiven Umorganisation in den Verwaltungsräten durch die Frauenquote war“, heißt es in der Studie. Ein Wertverlust auf breiter Front ist auch volkswirtschaftlich von Belang, denn in ihm drückt sich ein geringeres Wertschöpfungspotential aus.

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