Home
http://www.faz.net/-gqq-73rso
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Der Volkswirt Gesucht: Neue weibliche Top-Ökonomen

 ·  Vor zwanzig Jahren gab es nur 2 Prozent weibliche VWL-Professoren. Heute sind es 12 Prozent. In der jungen Generation von Ökonomen drängen immer mehr Frauen nach vorne.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (6)
© Tresckow Vergrößern

Der Weg für Frauen in die Ökonomie war steinig: Als Elinor Ostrom in den fünfziger Jahren in Kalifornien Wirtschaftswissenschaft studieren wollte, hieß es an der Universität: Das ist doch nichts für Frauen. Über Umwege gelangte Ostrom doch zur Ökonomie - und erhielt 2009 für ihre Forschung über Almendegüter als erste und bislang einzige Frau den Nobelpreis.

Die Wirtschaftswissenschaft ist bislang ein klar männlich dominiertes Gebiet. Nur wenige Ökonominnen schaffen es in die oberste Liga. In den Vereinigten Staaten war immerhin die Berkeley-Professorin Christina Romer mehrere Jahre wirtschaftliche Chefberaterin des Präsidenten. In der Notenbank Federal Reserve hat die Vize-Vorsitzende Janet Yellen, ebenfalls Professorin in Berkeley, erheblichen Einfluss. Und die Entwicklungs- und Handelsexpertin Anne Krueger war nicht nur Weltbank-Chefökonomin und IWF-Vize, sondern schon in den neunziger Jahren (zweite) weibliche Vorsitzende der Ökonomen-Vereinigung American Economic Association.

In Deutschland haben es Frauen in der Wirtschaftswissenschaft noch nicht ganz bis in die erste Reihe geschafft. Die Tübinger Ökonomin Claudia Buch beackert im Sachverständigenrat wie ihre Vorgängerin, die Schweizerin Beatrice Weder di Mauro, ein wichtiges Feld: die Banken- und Finanzmarktregulierung. Doch in der Öffentlichkeit tritt sie kaum auf. Derzeit ist die 45-Jährige als Chefin des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im Gespräch - das wäre ein Novum, denn noch nie hatte eines der Leibniz-Wirtschaftsforschungsinstitute eine weibliche Spitze. Vor Weder di Mauro und Buch war auch der Sachverständigenrat mehr als vier Jahrzehnte eine reine Männerdomäne.

Karriere statt Kinder

Blättert man die Fachzeitschriften durch, so finden sich zwischen vielen Beiträgen männlicher Forscher zunehmend Beiträge von Frauen. Auch aus Deutschland kommen einige der Nachwuchsstars der Disziplin: Etwa Ulrike Malmendier, die erst Jura studierte und mit einer Arbeit über römisches Recht promoviert wurde, aber heute als Verhaltensökonomin an der Universität Berkeley Karriere macht - und zudem drei Kinder hat. Oder Nicola Fuchs-Schündeln, die mit ihrem Mann aus Harvard zurückkehrte und nun in Frankfurt lehrt. Sie ist sogar dreifache Mutter und hat es mit ihren Aufsätzen, etwa über das Sparverhalten der Deutschen nach der Wiedervereinigung, in die wichtigsten Journale geschafft. Viele andere Frauen verzichten für die Karriere auf Kinder.

Langsam wächst eine neue Generation von Ökonominnen heran, doch sind sie nach wie vor eine kleine Minderheit. Vor zwanzig Jahren gab es in Deutschland sieben weibliche VWL-Professoren von insgesamt 313. Der Frauenanteil betrug also 2 Prozent. Heute sind es 60 Frauen von 507 Professuren, also rund 12 Prozent. Im Durchschnitt aller Studienfächer liegt der Frauenanteil in der Professorenschaft bei 19 Prozent, hat das Statistische Bundesamt errechnet.

Auch in den Vereinigten Staaten sind nur 13 Prozent der Economics-Professoren weiblich. Unter den Assistenz-Professoren sind es aber schon mehr als ein Viertel. Der Anteil an den Promotionen steigt auch in Deutschland deutlich: Vor zwanzig Jahren waren es nur 15 Prozent Frauen, heute sind es mehr als ein Drittel - so hoch wie der Anteil der weiblichen VWL-Studenten.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
  Weitersagen Kommentieren (9) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Medizinstudium Iran will weniger Frauen studieren lassen

Iran will weniger Frauen für das Medizinstudium zulassen. Fast 70 Prozent der Medizinstudenten dort sind weiblich, wodurch ein Ärztemangel in Regionen entstehen könnte, in denen Frauen nicht arbeiten. Mehr

08.04.2014, 20:53 Uhr | Politik
Vorstand und Aufsichtsrat Wo Frauen es ganz nach oben schaffen

Auf der allerhöchsten Führungsebene angekommen sind Frauen längst nicht: In Großunternehmen gibt es nur wenige Vorstands- und Aufsichtsratschefinnen. Die meisten finden sich in Tschechien, in vielen europäischen Ländern dagegen keine einzige. Mehr

09.04.2014, 14:43 Uhr | Wirtschaft
Mädchen und MINT-Berufe Weiblich, technisch, jung

Was bringen die vielen Programme, um Mädchen für MINT-Berufe zu begeistern? Forscher sind bei vielen Angeboten skeptisch und halten sie für Eintagsfliegen, die nachhaltig nur wenige Schülerinnen überzeugen. Mehr

11.04.2014, 06:00 Uhr | Beruf-Chance

22.10.2012, 07:14 Uhr

Weitersagen
 

Verbieten, verbieten, verbieten!

Von Patrick Bernau

Helmpflicht auf E-Bikes, Null Promille am Steuer, kein Fleisch auf dem Teller! Wer als Politiker bekannt werden will, muss neue Regeln erfinden oder neue Verbote fordern. Gut ist das nicht. Mehr 25 68


Die Börse
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --