Home
http://www.faz.net/-gqe-73rso
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Der Volkswirt Gesucht: Neue weibliche Top-Ökonomen

Vor zwanzig Jahren gab es nur 2 Prozent weibliche VWL-Professoren. Heute sind es 12 Prozent. In der jungen Generation von Ökonomen drängen immer mehr Frauen nach vorne.

© Tresckow

Der Weg für Frauen in die Ökonomie war steinig: Als Elinor Ostrom in den fünfziger Jahren in Kalifornien Wirtschaftswissenschaft studieren wollte, hieß es an der Universität: Das ist doch nichts für Frauen. Über Umwege gelangte Ostrom doch zur Ökonomie - und erhielt 2009 für ihre Forschung über Almendegüter als erste und bislang einzige Frau den Nobelpreis.

Philip Plickert Folgen:

Die Wirtschaftswissenschaft ist bislang ein klar männlich dominiertes Gebiet. Nur wenige Ökonominnen schaffen es in die oberste Liga. In den Vereinigten Staaten war immerhin die Berkeley-Professorin Christina Romer mehrere Jahre wirtschaftliche Chefberaterin des Präsidenten. In der Notenbank Federal Reserve hat die Vize-Vorsitzende Janet Yellen, ebenfalls Professorin in Berkeley, erheblichen Einfluss. Und die Entwicklungs- und Handelsexpertin Anne Krueger war nicht nur Weltbank-Chefökonomin und IWF-Vize, sondern schon in den neunziger Jahren (zweite) weibliche Vorsitzende der Ökonomen-Vereinigung American Economic Association.

In Deutschland haben es Frauen in der Wirtschaftswissenschaft noch nicht ganz bis in die erste Reihe geschafft. Die Tübinger Ökonomin Claudia Buch beackert im Sachverständigenrat wie ihre Vorgängerin, die Schweizerin Beatrice Weder di Mauro, ein wichtiges Feld: die Banken- und Finanzmarktregulierung. Doch in der Öffentlichkeit tritt sie kaum auf. Derzeit ist die 45-Jährige als Chefin des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im Gespräch - das wäre ein Novum, denn noch nie hatte eines der Leibniz-Wirtschaftsforschungsinstitute eine weibliche Spitze. Vor Weder di Mauro und Buch war auch der Sachverständigenrat mehr als vier Jahrzehnte eine reine Männerdomäne.

Karriere statt Kinder

Blättert man die Fachzeitschriften durch, so finden sich zwischen vielen Beiträgen männlicher Forscher zunehmend Beiträge von Frauen. Auch aus Deutschland kommen einige der Nachwuchsstars der Disziplin: Etwa Ulrike Malmendier, die erst Jura studierte und mit einer Arbeit über römisches Recht promoviert wurde, aber heute als Verhaltensökonomin an der Universität Berkeley Karriere macht - und zudem drei Kinder hat. Oder Nicola Fuchs-Schündeln, die mit ihrem Mann aus Harvard zurückkehrte und nun in Frankfurt lehrt. Sie ist sogar dreifache Mutter und hat es mit ihren Aufsätzen, etwa über das Sparverhalten der Deutschen nach der Wiedervereinigung, in die wichtigsten Journale geschafft. Viele andere Frauen verzichten für die Karriere auf Kinder.

Langsam wächst eine neue Generation von Ökonominnen heran, doch sind sie nach wie vor eine kleine Minderheit. Vor zwanzig Jahren gab es in Deutschland sieben weibliche VWL-Professoren von insgesamt 313. Der Frauenanteil betrug also 2 Prozent. Heute sind es 60 Frauen von 507 Professuren, also rund 12 Prozent. Im Durchschnitt aller Studienfächer liegt der Frauenanteil in der Professorenschaft bei 19 Prozent, hat das Statistische Bundesamt errechnet.

Auch in den Vereinigten Staaten sind nur 13 Prozent der Economics-Professoren weiblich. Unter den Assistenz-Professoren sind es aber schon mehr als ein Viertel. Der Anteil an den Promotionen steigt auch in Deutschland deutlich: Vor zwanzig Jahren waren es nur 15 Prozent Frauen, heute sind es mehr als ein Drittel - so hoch wie der Anteil der weiblichen VWL-Studenten.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nobelpreisträger Tim Hunt Alle Räder stehen still, wenn ein Antisexist es will

Nicht nur Nobelpreisträger Tim Hunt ist mit einem Witz über gemeinsames Forschen von Frauen und Männer in die Falle getappt. Immer öfter ernten Professoren Kritikstürme, weil sie angeblich Schlimmstes gesagt haben. Ihre Hochschulen könnten sich hinter sie stellen. Warum tun sie es nicht? Mehr Von Friederike Haupt

02.07.2015, 06:22 Uhr | Gesellschaft
Rund und schön Afrikanerinnen stehen zu ihren Kurven

Vielerorts in Afrika entsprechen weibliche Rundungen dem traditionellen Schönheitsideal - in Gabuns Hauptstadt Libreville allerdings ist der Druck auf Frauen groß, schlanken westlichen Topmodels zu ähneln. Mehr

13.01.2015, 09:49 Uhr | Gesellschaft
Weibliche Führungskräfte Putzen nach Feierabend

Deutlich mehr Frauen als noch im Jahr 2001 schaffen es in die Führungsetagen. Das zeigt eine neue Studie. Doch wie sieht es nach Feierabend aus? Wer schmeißt den Haushalt der Führungsfrauen? Und was hat das mit ihrer Karriere zu tun? Mehr Von Nadine Bös

07.07.2015, 12:08 Uhr | Beruf-Chance
Marilyn Mazur und Lizz Wright Weibliche Note auf dem Bonner Jazzfest

Das Programm des sechsten Bonner Jazzfests wird vor allem von starken Frauen dominiert. Mit dabei ist unter anderem die erfolgreiche dänische Perkussionistin Marilyn Mazur sowie die amerikanische Soul-Sängerin Lizz Wright. Sie stehen für zwei Kontinente und zwei Generation von Frauen, die sich in der internationalen Jazz-Szene etabliert haben. Mehr

17.05.2015, 14:04 Uhr | Feuilleton
Numerus clausus Schlechtes Abi, gute Chancen

Wer die Abiklausuren vermasselt hat, hat nicht automatisch schlechte Karten. Denn nicht überall sind gleich viele Fächer mit einem Numerus clausus belegt, zeigt eine neue Auswertung. Wo es auch mit schlechtem Abi die besten Chancen gibt. Mehr

30.06.2015, 16:20 Uhr | Beruf-Chance
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.10.2012, 07:14 Uhr

Unnötige Muskelspiele

Von Helmut Bünder, Bonn

Das Ergebnis des Post-Tarifstreits ist umso verheerender, als es in Deutschland wenige Konzerne gibt, die gewerkschaftlich so gut organisiert. Ein Beispiel für andere? Mehr 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --