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Manager-Jargon : Disruption, Baby, Disruption!

Übersetzungen und Bedeutungen: 1.) Zerbrechung (f) 2.) Zerreißung (f) 3.) Zerrissenheit (f), Spaltung (f) 4.) Bruch (m) 5.) Riss (m) 6.) Unterbrechung (f) 7.) Zerrütung (f) 8.) Sprengung (f) Bild: F.A.S.

Eine gute Idee zerlegt ganze Branchen. Das Wort dafür heißt Disruption. Daran können sich Manager besoffen reden.

          Lange nichts mehr gehört von der Globalisierung. Die Binse, dass die globale Welt immer globaler wird, hat inzwischen jeder von sich gegeben, mehrfach. Nun ist Ruhe.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der globale Austausch von Waren hat sich vervielfacht, das ist ein Fakt, da braucht es keine Floskeln mehr. Auf der Globalisierung herumzureiten, das leisten sich nur noch die Einfallslosen unter den Sonntagsrednern. Der Rest vergnügt sich mit einem neuen Hit: „Disruption“ heißt der Schlager, frisch angeliefert aus dem Silicon Valley.

          „Disruption“, so viel steht fest, ist das Wort des Jahres 2015 unter Deutschlands Geschäftsleuten. „Disruption“ ist immer und überall, alles und jedes wird „disrupted“, sogar der Tante-Emma-Laden um die Ecke, der sich eine App bastelt, kommt sich mächtig progressiv vor. Disruptiv halt.

          Im Duden finden sich als Synonyme für „disruptiv“ die schönen Adjektive „zerrüttend“, „zerreißend“, „durchschlagend“, im militärischen Kontext auch „brisant“ oder „hochexplosiv“. In diesem Sinne gebrauchen es auch die Manager: Disruption bedeutet für sie Revolution. Eine neue Idee ändert auf einen Schlag alles. Alte Firmen gehen unter, neue tauchen auf und nehmen sich alles. Im Zweifel kommen diese Eroberer aus Kalifornien und heißen Apple, Google, Facebook. Oder, in der nächsten Generation, Airbnb, Netflix, Uber. Und weil im Silicon Valley alle so irre disruptiv unterwegs sind, pilgern sie alle dahin, die Helden der deutschen Wirtschaft.

          Zwei Dinge, so haben wir dieses Jahr von den beseelt zurückkehrenden Konzernlenkern gelernt, braucht der Mensch: Start-up-Spirit („Scheitern heißt gewinnen“) und ein cooles Büro, gerne Labor genannt, im Silicon Valley - oder zumindest in Berlin. Nur so geht’s voran mit dem „fancy shit“ (O-Ton Siemens-Chef Joe Kaeser), der die Wirtschaft am Laufen hält.

          Alle wollen Apple sein

          Krawatten braucht es dazu nicht, eine Präsenzpflicht im Büro auch nicht, dafür werden dynamisch klingende Posten erfunden: ein „Chief Disruption Officer“ muss her oder wenigstens ein „Chief Digital Officer“, was auf dasselbe hinausläuft: vager Auftrag, üppige Ausstattung (zur Not lassen sich damit auch im Tagesgeschäft überforderte Manager entsorgen). Und das alles nur, weil jeder knochentrockene Traditionskonzern in der Provinz sich neuerdings an Apple misst. Steve Jobs, der Apple-Gründer, ist so etwas wie der Gott der Disruption. Der Mann hat die Welt wahrlich aus den Angeln gehoben, hat alte Geschäftsmodelle zerstört, neue erschaffen; in der Musik mit dem iPod, bei den Handys mit dem iPhone - und wer weiß, demnächst die Autos mit dem iCar. Wehe also, wir sind nicht auf der Hut!

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          „Wer nicht disrupted, wird selbst disrupted.“ Wie oft war dieser Spruch dieses Jahr aus dem gehobenen Management zu hören! Was jenen blüht, die von der Disruption überrollt werden, das wird vorzugsweise am Beispiel von Kodak erzählt, dem untergegangenen Filmhersteller: im Jahr 1888 gegründet, 150.000 Mitarbeiter zu besten Zeiten, im Jahr 2012 insolvent. Dabei haben die Leute nicht aufgehört, Fotos zu knipsen. Im Gegenteil, es wird fotografiert wie verrückt, allein im Jahr 2015 so viel wie in der gesamten Geschichte der Menschheit zuvor, das zumindest behaupten die Gurus im Silicon Valley - nur Kodak ist nicht mehr dabei. Die Firma hat die digitale Revolution verschlafen.

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