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„Better Life Index“ Männer sind reicher, Frauen zufriedener

 ·  Glücksformel für jedermann: Die OECD fragt Menschen danach, was sie glücklich macht. Jetzt hat die Organisation ein Zwischenfazit gezogen – und erstmals zwischen den Geschlechtern unterschieden.

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© swiss-image.ch Vergrößern Zufrieden? Bentley-Fahrer im Engadin

Ihr Vorhaben ist ambitioniert: Seitdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Indikator für den Wohlstand einer Nation in die Kritik geraten ist, basteln Ökonomen rund um den Globus an einer Alternative. Gesucht wird eine handliche Kennzahl, die auf einen Blick zeigen soll, wie glücklich die Menschen in einem Land sind. Die einen messen in ihrer Glücksformel dem Zustand der Umwelt einen besonders hohen Wert zu, andere dem Bildungsniveau, dem Gesundheitszustand oder dem subjektiven Glücksempfinden der Menschen.

Gemeinsam haben die unterschiedlichen Ansätzen vor allem eins: Was das Glück der Menschen ausmacht, meinen die Wissenschaftler besser zu wissen als die Betroffenen, um die es geht. Eine Ausnahme ist der „Better Life Index“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Anstatt die Faktoren, die die Lebenszufriedenheit ausmachen, in ein starres Korsett zu pressen, hat die OECD vor einem Jahr einen Index entwickelt, bei dem jeder im Internet selbst seine Prioritäten setzen kann – ein Angebot, das auf großes Interesse stößt. „850.000 Personen aus über 180 Ländern haben bislang teilgenommen“, sagte der stellvertretende Leiter des OECD-Statistikdirektorats, Paul Schreyer, der am Montag ein Zwischdenfazit zog.

Eine wichtige Erkenntnis: Nicht die materiellen Dinge wie das Einkommen oder die Größe der Wohnung spielt für die Menschen die wichtigste Rolle, sie rechnen eher den weichen Faktoren – ihrer persönlichen Lebenszufriedenheit, ihrem Gesundheitszustand und ihrem Bildunsgniveau – den größten Einfluss auf ihre Lebensqualität zu. Dem Zustand der Umwelt, einem ausgewogenen Verhältnis und von Arbeit und Freizeit und ihrer beruflichen Situation messen die 30.000 Internetnutzer, die der OECD erlaubten, ihre Vorlieben statistisch zu erfassen, ebenfalls große Bedeutung zu.

Deutsche Zufriedenheit reicht fürs Mittelfeld

Die Wohnsituation, das Einkommen und der Zustand des politischen Systems landen im Ranking der elf zur Wahl stehenden Faktoren dagegen abgeschlagen auf den letzten Plätzen. Doch in welchem der Industrieländer lebt es sich demnach am besten? Würden die elf Faktoren gleichberechtigt in den Zufriedenheitsindex eingehen, landen Australien, Norwegen und Amerika an der Spitze, mit kleinem Abstand folgen Schweden Dänemark und die Schweiz. Deutschland schafft es gemeinsam mit Österreich ins vordere Mittelfeld.

„In Deutschland fällt auf, dass die materielle Situation überdurchschnittlich ist, die subjektive Lebenszufriedenheit aber unter dem Schnitt liegt“, sagte Schreyer. Am unteren Ende der Skala rangieren die Türkei, Mexiko und Chile sowie mit Brasilien und Russland zwei Länder, die nicht Mitglied der OECD sind, jedoch in die Erhebung einbezogen wurden.

Erstmals hat die Organisation jetzt untersucht, wie sich die Lebenszufriedenheit von Männern und Frauen unterscheiden. Dabei zeigte sich: Werden die elf Faktoren gleich stark gewichtet, sind die Frauen in der Mehrzahl der Länder etwas zufriedener als die Männer. Die Unterschiede resultieren daraus, „dass Frauen im Schnitt gesünder sind, ausgeprägtere soziale Bindungen haben und ihre Lebenszufriedenheit subjektiv höher bewerten als Männer“, sagte Schreyer.

Geringe Unterschiede in Deutschland

Die Männer dagegen sind deutlich zufriedener, zieht man ausschließlich die materiellen Faktoren heran. Der OECD-Statistiker begründete das damit, dass Männer höhere Erwerbsquoten haben und deshalb im Schnitt mehr verdienen als Frauen.

In Deutschland fallen die Zufriedenheitsunterschiede zwischen den Geschlechtern vergleichsweise gering aus, sagte Schreyer, wenn man alle Kriterien gleichmäßig berücksichtigt, liegen die Männer knapp vorne. Kritiker werfen der OECD vor, dass ihr individuell gestaltbarer Wohlstandsindikator zwar eine schöne Spielerei sei, aber nur einen sehr geringen Mehrwert verglichen mit einer Kenngröße habe, die in die Kritik geraten war, weil sie ausschließlich den Gesamtwert der Waren und Dienstleistungen eines Landes summiert – dem BIP.

So hatten Forscher und Journalisten errechnet, dass der Index bei gleicher Gewichtung der Faktoren eng mit dem BIP zusammenhängt. OECD-Experte Schreyer relativierte diesen Einwand. Zwar sei der Zusammenhang grundsätzlich vorhanden, „wenn man jedoch Länder mit ähnlich hohem BIP genauer vergleichen will, liefert unser Index sehr viel detailliertere Informationen.“

Schreyer zeigte sich zufrieden damit, dass inzwischen eine Reihe von Regierungen, darunter auch die deutsche, eine Debatte um mögliche alternative Wohlstandsindikatoren begonnen haben. Die Arbeit der OECD habe daran ihren Anteil. Schreyer: „Unser Index ist soetwas wie Katalysator für diese Diskussionen.“

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