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Bakterien auf Banknoten Schmutziges Geld

29.08.2010 ·  Ein schmuddeliger Zehn-Euro-Schein, mit dem man abends die Rechnung in der Kneipe bezahlt - er macht krank. Denn auf Banknoten häufen sich Bakterien. Am schmutzigsten ist das Geld in Ländern, in denen die Menschen besonders unfrei sind - wie in China und Burkina Faso.

Von Werner Mussler
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Wahrscheinlich verdirbt Geld den Charakter. Auf jeden Fall aber ist Geld schmutzig. Ganz wörtlich. Malen Sie sich lieber nicht aus, wer schon den biergetränkten Fünf-Euro-Schein in den Fingern hatte, den Sie an der Kneipentheke über den Tresen geschoben bekommen. Und stellen Sie sich auch nicht vor, wie appetitlich das Käse-Sandwich ist, das Ihnen die Verkäuferin in der Bäckerei anrichtet. Die hat wahrscheinlich zuletzt in die Kasse gegriffen, jetzt fingert sie Brötchen, Emmentalerscheiben und Grünzeug zusammen. Und wie können Sie wissen, was alles an diesen Scheinen und Münzen hängen bleibt?

Solche Hygienefragen scheinen mit Ökonomie nur insofern zu tun zu haben, als es eben um Geld geht. Sie müssten im Prinzip mit dem Hinweis erschöpft sein, dass man sich möglichst die Hände waschen sollte, nachdem man Bargeld in der Hand hatte. Und mit der Aufforderung an die Verkäufer, nicht Geld und Lebensmittel in dieselbe Hand zu nehmen: Wer mit Essen zu tun hat, sollte am besten gar nicht an der Kasse stehen. Und wenn doch, sollte er erst Wasser und Seife benutzen, bevor er sich wieder Brötchen und Käse, Bratwurst und Fritten widmet.

Schmutziges Geld hat eine ökonomische Bedeutung

Es sind ausgerechnet Ernährungs- und Lebensmittelforscher, die jetzt darauf hinweisen, dass der Umgang mit schmutzigem Geld doch noch eine weitere ökonomische Dimension hat. Ein Team von Wissenschaftlern um den australischen Bakteriologen Frank Vriesekoop hat in einer weltumspannenden Laboruntersuchung nicht nur erforscht, wo Banknoten besonders schmutzig sind. Das Team hat auch zu klären versucht, welche Faktoren die Sauberkeit der Geldscheine positiv beeinflussen und inwieweit die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen dabei eine Rolle spielen.

Das Ergebnis: Der naheliegende Schluss, dass Banknoten umso sauberer sind, also die „Geld-Hygiene“ umso ausgeprägter ist, je besser es einem Land wirtschaftlich geht, ist verkürzt. Eine Rolle spielt auch, wie groß die wirtschaftliche Freiheit in einem Land ist. Kurz gesagt: Je größer die Unfreiheit, desto schmutziger das Geld.

Um zu diesem Schluss zu kommen, haben zehn Labore in zehn Ländern in allen Teilen der Welt jeweils etwa hundert Banknoten der beiden gebräuchlichsten Stückelungen bakteriologisch untersucht. Diese hatten sie an gängigen Verkaufsstellen für Lebensmittel aus dem Verkehr gezogen, etwa in Sandwich-Bars und Cafés, bei Straßenverkäufern und im Supermarkt, beim Metzger und in Schnellrestaurants.

Hygiene-Spitzenreiter sind Irland und Australien

Die Ergebnisse konnte man im Großen und Ganzen erwarten: Die geringste Bakterienzahl je Quadratzentimeter fand sich auf Banknoten in Australien und Irland, die größte in China und Burkina Faso. Die wenig überraschende Erklärung dafür lautet: Dort, wo die Banknoten am schmutzigsten sind, ist die hygienische Infrastruktur am schlechtesten - und der Grund dafür ist der geringe Wohlstand im betreffenden Land.

Der reine Wohlstandsvergleich spiegelt die Hygieneunterschiede aber nach Aussage der Bakteriologen weniger gut wider als ein Vergleich der wirtschaftlichen Freiheit in den betreffenden Ländern. Letztere wird seit längerem vom kanadischen Fraser Institute anhand des Economic Freedom Index ermittelt. In den Index gehen 38 Komponenten ein, die den Staatseinfluss auf die Wirtschaft, die Rechtsstaatlichkeit und die Sicherung der Eigentumsrechte, die Währungsstabilität, die Außenhandelsfreiheit und die Regulierungsdichte erfassen. Das Institut ermittelt daraus eine globale Rangliste der wirtschaftlichen Freiheit - und zieht in schöner Regelmäßigkeit den Schluss, dass wirtschaftliche Freiheit den Wohlstand fördert: Denn dort, wo die Freiheit hoch ist, prosperiert auch die Wirtschaft.

Je unfreier, desto unhygienischer

Zwischen der „Hygiene-Rangliste“ und der „Freiheits-Rangliste“ existiert nach Angaben der Forscher ein direkter Zusammenhang: Die beiden Hygiene-Spitzenreiter Irland und Australien sind auch in der Freiheits-Rangliste ganz an der Spitze. Im reinen Wohlstandsvergleich, gemessen am kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf, liegen sie natürlich auch relativ weit vorne, aber nicht ganz so weit wie im Economic Freedom Index.

Deutlicher ist der Unterschied bei den Hygiene-Schlusslichtern. Das in der Studie unhygienischste Land China liegt im BIP-Pro-Kopf-Vergleich weit vor Burkina Faso und auch vor Nigeria, dem Drittletzten des Hygienevergleichs. Im Ranking der wirtschaftlichen Freiheit rangieren die Chinesen deutlich weiter hinten, in ähnlichen Regionen wie die beiden afrikanischen Staaten. Der generelle Schluss der Studie lautet also: Je unfreier, desto unhygienischer. Und nicht: Je ärmer, desto schmutziger.

Die Kultur könnte eine Rolle spielen

So klar ist das aber vielleicht doch nicht. Ist das chinesische Geld tatsächlich so unappetitlich, weil es in China trotz des wirtschaftlichen Dauerbooms mit der Freiheit nicht so weit her ist? Oder gibt es andere Gründe, die beispielsweise mit einer allenfalls „kulturell“ erklärbaren Einstellung der Chinesen zur Hygiene zu tun haben? Anders gefragt: Kann man es mit Unfreiheit erklären, dass in China Leckereien aufgetischt werden, vor denen sich manch einer hierzulande ekelt?

Ganz klare aus der wirtschaftlichen Freiheit abgeleitete Kausalzusammenhänge lassen sich aus der Studie wohl doch nicht ableiten. Kaum jemand wird bestreiten, dass in weniger entwickelten Ländern die Hygienestandards in der Regel geringer sind, mit Folgen auch für das Geld. Dafür wird man keine Bakterien auf Banknoten zählen müssen. Andererseits: Freunde der Freiheit sind positive Menschen. Warum sollten sie sich nicht darüber freuen, dass freiere Länder saubereres Geld haben? Sich regelmäßig die Hände waschen können sie ja trotzdem.

Frank Vriesekoop et al., Dirty Money: An Investigation into the Hygiene Status of Some of the World's Currencies as Obtained from Food Outlets, erscheint demnächst in: Foodborne Pathogens and Disease, 2010.

Quelle: F.A.S.
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Jahrgang 1966, Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

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