26.09.2006 · Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) denken über einen Zusammenschluß nach. Eine entsprechende Arbeitsgruppe der Spitzenvertreter ist schon beschlossen.
Die großen deutschen Wirtschaftsverbände, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), wollen ihre Zusammenarbeit vertiefen. Eine Fusion der beiden Verbände wird nicht ausgeschlossen. In einem Brief an Präsidium, Vorstand und die Geschäftsführungen der Mitgliedsverbände schreibt BDI-Präsident Jürgen Thumann, die beiden Organisationen hätten sich auf eine engere Kooperation verständigt. „Eine etwaige Zusammenführung von BDI und DIHK in einen neuen gemeinsamen Verband mit direkter Mitgliedschaft von IHKs und Verbänden ist es wert, als Alternative zu den bestehenden Organisationsstrukturen detailliert geprüft zu werden.“
Der DIHK ist die Dachorganisation der deutschen Handelskammern im In- und Ausland, der BDI vertritt die Interessen von mehr als 100.000 zumeist größeren Unternehmen. Die beiden Spitzenverbände erhoffen sich von einem Zusammengehen einen größeren Einfluß auf die wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung und der Europäischen Union in Brüssel.
Arbeitgeber „prinzipiell nicht ausgrenzen“
Thumann kündigte an, eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Das Gremium, dem er selbst sowie DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun, die beiden Vizepräsidenten Hans Heinrich Driftmann (DIHK) und Arend Oetker (BDI) sowie die Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg (BDI) und Martin Wansleben (DIHK) angehören, solle „binnen kurzer Zeit die diskutierten Fragen behandeln und ein Ergebnis vorlegen“. „Die Gespräche stehen ganz am Anfang, inhaltliche Vereinbarungen oder weitere Details gibt es bislang nicht“, sagte DIHK-Geschäftsführer Wansleben am Dienstag in Berlin. Auf einem ersten Treffen seien zunächst die jeweiligen Sichtweisen und Ideen ausgetauscht worden, um eine Basis für die weiteren Gespräche zu schaffen.
Die großen Verbände liebäugeln seit längerem mit Kooperationen. So ist eine stärkere Zusammenarbeit oder gar Zusammenlegung des BDI mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in der Vergangenheit häufig diskutiert worden, bis heute allerdings ohne konkrete Ergebnisse. Thumann teilte in diesem Zusammenhang mit, es bestehe Einvernehmen, daß Gespräche zwischen BDI und DIHK die Arbeitgeberverbände „prinzipiell nicht ausgrenzen dürfen“. Der DIHK wies außerdem ausdrücklich darauf hin, daß eine etwaige gemeinsame Zukunft von BDI und DIHK auch eine enge Kooperation zwischen IHK-Organisation und Handwerkskammern nicht ausschließen dürfe.
Kooperation von DIHK und ZDH in Aussicht
Ende Juni dieses Jahres hatten DIHK und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Aussicht gestellt, ihre Zusammenarbeit zu vertiefen und auszubauen, um die Stimme des Mittelstands zu stärken. Zuvor hatten schon die Handelsverbände HDE und BAG ihre Kooperation stark intensiviert. DIHK und ZDH hatten damals deutlich gemacht, daß vor allem an eine intensivere Zusammenarbeit im Ausbildungspakt gedacht sei.
Außerdem sollten die Europapolitik und die außenwirtschaftlichen Aktivitäten beider Kammerverbände stärker miteinander verzahnt werden. Angestrebt werden auch Synergien bei internen Dienstleistungen sowie eine stärkere Zusammenarbeit im Ehrenamt. Konkrete Vereinbarungen unter der Leitung von DIHK-Präsident Braun und ZDH-Präsident Otto Kentzler waren für den Herbst angekündigt worden.
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