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Wirtschaftsstandort Deutschland Kollateralschaden der Energiewende

 ·  In der deutschen Wirtschaft herrscht einer Studie zufolge hohe Unsicherheit über die Folgen der Energiewende. Würden energieintensive Unternehmen wegziehen, würden demnach Lieferketten zerstört werden - mit weitreichenden Folgen für zahlreiche deutsche Firmen.

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Die deutsche Wirtschaft befürchtet eine Schwächung des Standorts Deutschland durch die Energiewende. Grund sind die engen Verflechtungen mit energieintensiven Unternehmen. Ihr Wegzug träfe andere Unternehmen, weil entweder Produkte von ihnen bezogen oder sogar zusammen Neuentwicklungen vorangetrieben werden. So haben faktisch alle Unternehmen der Metallbranche energieintensive Lieferanten.

In der Chemiebranche sind es 90 Prozent der Unternehmen, im Maschinenbau fast 90 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag dieser drei Branchen, die nächste Woche veröffentlicht werden soll. Rund 70 Prozent des verarbeitenden Gewerbes profitieren nach der Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) Consult von der Innovationskraft energieintensiver Unternehmen. Dies würde nachgelagerten Unternehmen helfen, Effizienzgewinne zu realisieren.

Nur ein Prozent rechnet mit einer Stärkung des Standorts

Nach der Studie mit dem Titel „Wertschöpfungsketten und Netzwerke in der deutschen Industrie“ herrscht derzeit hohe Unsicherheit in der deutschen Wirtschaft über die Folgen der Energiewende. Für etwa ein Fünftel der befragten Unternehmen überwiegen die Risiken. Mit vier Fünftel zeigte sich die große Mehrheit unsicher, ob die Chancen oder die Risiken überwiegen. Nur ein Prozent rechnet mit einer deutlichen Stärkung des Standorts. An der Befragung im Rahmen des IW-Zukunftspanels beteiligten sich rund 3300 Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe und den unternehmensnahen Dienstleistungen. Aus den drei näher betrachteten Branchen Chemie, Maschinenbau und Metall beantworteten mehr als 1200 Unternehmen die Fragen. Aus dem übrigen verarbeitenden Gewerbe kamen Antworten von etwa 700 Unternehmen.

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Für den Maschinen- und Anlagenbau sei die Energiewende ein Investitionsprogramm, sagte Verbands-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse. Damit dies funktioniere, müssten die geschlossenen Wertschöpfungsketten und die Innovationsnetzwerke zwischen Chemie, Maschinenbau, Stahl und anderen erhalten bleiben. „Vor diesem Hintergrund führt es nicht weiter, die Welt in energieintensive und weniger energieintensive, in gute und in unerwünschte Industrien sortieren zu wollen. Wir sitzen in einem Boot“, betonte er.

„Strompreise dürfen nicht aus dem Ruder laufen“

Energieintensive Teilbranchen dürften nicht abwandern. „Entscheidend ist, dass die Strompreise nicht aus dem Ruder laufen.“ Man stehe gemeinsam für die industrielle Leistungsfähigkeit und damit für die Sicherung des Wohlstands in Deutschland. Verunsicherung führe zwangsläufig zur Zurückhaltung bei Investitionen in den Standort, warnte er.

Sein Kollege Utz Tillmann vom Verband der Chemischen Industrie mahnte, „kluge und weitsichtige Industriepolitik darf nicht auf einzelne Branchen abzielen, sondern muss die Industrie als Ganzes stärken“. Die Verknüpfung vieler Unternehmen mit unterschiedlichen Kompetenzen sei eine charakteristische Eigenschaft der deutschen Industrie. Ein erheblicher Teil des Netzwerkes besteht aus inländischen Partnern.

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl sieht in robusten Lieferketten die Basis für die Exporterfolge der deutschen Wirtschaft. „Sie sind Voraussetzung dafür, dass wir auch künftig von globalen Megatrends wie zum Beispiel Energieeffizienz, Umwelt- und Klimaschutz, neue Mobilität oder Urbanisierung profitieren können“, sagte Hans JürgenKerkhoff, der gleichzeitig Präsident und Hauptgeschäftsführer der Vereinigung ist.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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