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Veröffentlicht: 22.02.2017, 14:26 Uhr

Zukunft der Menschheit Was die Roboter-Revolution für uns bedeutet

Roboter übernehmen immer mehr Arbeitsplätze von Menschen, China hat bereits die Revolution ausgerufen. Deutschland hat dabei einen wichtigen Vorteil. Und auch die Geldpolitik unterstützt. Ein Gastbeitrag.

von Dalia Marin
© dpa Der Roboterhersteller Kuka ist mittlerweile landbekannt.

Es ist nicht nur der aufsehenerregende Fall der Firma Kuka, der Ängste auslöst, dass der Ankauf an Firmenanteilen in Deutschland durch die Chinesen Wettbewerbsnachteile nach sich ziehen wird. China hat im Jahr 2014 die Roboter-Revolution ausgerufen. China ist in seiner Rolle als Arbeitsfabrik der Welt bedroht. Die Löhne steigen rasch, und China droht die Wertschöpfungsketten an das billigere Indien und Vietnam zu verlieren. Zudem droht China durch die Roboter-Revolution auch die Abwanderung der Industrie zurück in die reichen Industrieländer.

Denn wenn in der Produktion immer mehr Roboter eingesetzt werden, dann spielen die Arbeitskosten eine geringere Rolle. Dann kann die Industrieproduktion auch günstig in einem Hochlohnland hergestellt werden.

Roboter für den Autobau

China reagierte - wie in einer sozialistischen Wirtschaft üblich - auf den drohenden Verlust der Vormachtstellung in der Industrie mit einem Fünfjahresplan zur Roboter-Revolution. Wenn man nicht der Standort für billige Arbeit bleiben kann, dann soll China der Weltmarktführer für Roboter werden. Der kommunistische Staat investiert umfangreich in die Roboterisierung und subventioniert Unternehmen, die Roboter herstellen oder einsetzen.

Nach Plan sollen vor allem Roboter hergestellt werden, die in der Autoindustrie genutzt werden können. Derzeit sind die von China hergestellten Roboter nicht von sehr guter Qualität. Es existieren etwa 100 Roboterunternehmen in China. Wahrscheinlich werden etwa 50 Firmen überleben. Aber geschätzt in fünf bis zehn Jahren könnten Chinas Roboter mit den deutschen und japanischen Robotern mithalten.

Vorteil Marktgröße

China hat dabei gegenüber Ländern wie Deutschland einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Es ist ein großes Land mit einem riesigen Markt. China ist schon heute der größte Markt für Roboter. Dieser Größenvorteil begünstigt die Forschung und die Investitionen in die Roboter.

Denn in einem großen Markt rechnen sich die Fixkosten der Forschung mehr als in einem kleinen Markt. Deshalb hat auch die deutsche Regierung dem Verkauf der Firmenanteile von Kuka an die Chinesen zugestimmt. Kuka hofft, dadurch von der Größe des chinesischen Marktes zu profitieren. Die Marktgröße begünstigt Chinas zukünftige Weltmarktführerschaft bei Robotern. Werden wir in Zukunft Industriegüter „made in Germany“ mit chinesischen Robotern produzieren?

China hat noch einen weiteren Vorteil: Seine Roboteroffensive hat zu keiner Kontroverse über die Folgen der Automatisierung für den Arbeitsmarkt geführt. Die Verlierer durch die Automatisierung sind stumm geblieben. In den Vereinigten Staaten hat der Verlust von Arbeitsplätzen durch Globalisierung und Roboterisierung zum Wahlerfolg von Donald Trump beigetragen. Er hat die Wahl gewonnen, weil er versprach, die durch China verlorengegangenen Arbeitsplätze wieder nach Amerika zu bringen. Auch in Deutschland ist die Furcht vor den Robotern groß, sie hat wahrscheinlich mit zum Aufstieg der AfD beigetragen.

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China hat jedoch einen entscheidenden Nachteil bei Innovationen gegenüber Deutschland. Es hat kein funktionierendes Rechtssystem und verfügt auch nicht über andere Institutionen, die sicherstellen, dass sich Anstrengungen in der Forschung lohnen. Deshalb sind demokratische Länder mit einem funktionierenden Rechtssystem wie Deutschland natürliche Standorte für Innovationen. Chinas Roboterinitiative ist daher auch von größeren Problemen begleitet. Es kam zu Überinvestitionen und Verschwendung ohne sichtbaren Fortschritt in der Roboterisierung. Das fehlende Rechtssystem erschwert Chinas Weltführerschaft bei Robotern.

Derzeit belegen Deutschland und die Europäische Union bei der Automation einen Spitzenplatz: Unter den Top-10-Nationen mit den meisten Industrierobotern pro 10.000 Arbeitnehmern gehört jedes zweite Land der EU an. Neben Deutschland sind Schweden, Dänemark und Italien Marktführer.

Der größte Aufsteiger bei der Installation von Industrierobotern sind interessanterweise die Staaten in Zentral- und Osteuropa. Ihr Verkaufsplus lag 2015 bei 25 Prozent. Dabei liegen Tschechien und Polen vorn. Nach Angaben der International Federation of Robotics ist die Zahl der neu installierten Industrieroboter in Tschechien um 40 Prozent und in Polen um 26 Prozent im Jahr 2015 gestiegen.

Geldpolitik beschleunigt Digitalisierung

Das erstaunt nicht. Denn die Länder in Osteuropa sind mit einer ähnlichen Herausforderung konfrontiert wie China. Ihnen droht wegen steigender Löhne und der Roboter-Revolution der komparative Vorteil in der Industrie zu schwinden. Diese Länder reagieren auf diese Bedrohung mit einem verstärkten Einsatz von Robotern.

Soll die Wirtschaftspolitik angesichts der chinesischen Roboterinitiative die Digitalisierung in Deutschland beschleunigen, um China auf Abstand zu halten? Dazu gibt es keinen Anlass. In Deutschland kommt die Digitalisierung eher zu rasch als zu langsam voran.

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank beschleunigt die Einführung von Robotern. Von einer optimalen Geschwindigkeit in der Digitalisierung spricht man, wenn die durch die Digitalisierung neu geschaffenen Berufsfelder sich die Waage halten mit den durch die Technik wegrationalisierten Berufen. Die Geschwindigkeit bei der Einführung von Robotern wird derzeit durch die extrem niedrigen Zinsen unterstützt, die den Einsatz von Robotern relativ zu Arbeitskräften kostengünstiger machen.

Dalia Marin ist Professorin für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

© AFP, afp Roboter: Helfer in allen Lebenslagen

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