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Zinsmanipulation Die Libor-Bande

Nach und nach kommt heraus, mit welch krimineller Energie Banken über Jahre den Zins manipulierten. Jetzt wehren sich die Opfer.

© Bloomberg Vergrößern Die UBS in London: Die Bank musste 1,2 Milliarden Euro zahlen

Einer der größten Bankenskandale in der Wirtschaftsgeschichte steht kurz vor der Aufklärung. Betroffen ist fast jeder. Die großen Banken der Welt haben in einem beispiellosen Kartell über Jahre hinweg den Zins manipuliert, die wichtigste Stellgröße der Wirtschaft. Sie haben ihn mit üblen Tricks nach unten und oben getrieben - genauso, wie es ihnen gerade passte. Und keiner konnte sich ihrer Machenschaften entziehen. Während man bei Zertifikaten oder komplizierten Finanzprodukten immer noch selbst entscheiden kann, ob man sie kauft, entkommt der Macht des Zinses keiner.

Auch Leute, die von der großen weiten Finanzwelt wenig halten und nur ein Konto oder einen Hauskredit bei der Sparkasse haben, konnten leicht zum Opfer werden. Unmittelbar manipuliert wurden zwar lediglich die Bankenzinssätze Libor und Euribor. Das hatte aber Folgen für Sparkonten und Sparpläne, deren Zins an den Bankenzins gekoppelt ist, wie sie zum Beispiel Volksbanken und Sparkassen auch für Privatkunden anbieten. Und bei der Festlegung vieler anderer Zinsen dient der Bankenzins zumindest als Richtschnur. Gesetzlich vorgeschrieben ist die Orientierung am Bankenzins sogar für die Dispo-Zinsen beim Girokonto bei der Sparkasse.

„Betroffen von der Manipulation war damit fast jeder“, sagt Bankenprofessor Hans-Peter Burghof. „Auch die Unternehmer. Das Kalkül für Investitionen wird verzerrt, wenn der Zins manipuliert wird.“Schließlich vergleicht der Unternehmer bei einer Investition immer: Welche Rendite bringt die Investition? Und welchen Zins bekomme ich, wenn ich das Geld am Kapitalmarkt anlege? Ist der Zins verfälscht, hinkt die ganze Rechnung.

„Organisierte Kriminalität“

Sogar in der Wissenschaft haben Professoren mit den gemauschelten Libor-Sätzen gerechnet. „Der Libor ist als Referenzzins in vielen Studien verwendet worden“, sagt Jan-Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies in Frankfurt. Was soll man jetzt mit diesen Studien machen? Alle in die Tonne kloppen? So weit würde Krahnen nicht gehen: Gleichwohl ist das Entsetzen über die Manipulation in der Wissenschaft stark.

Die große Frage lautet: Wie war das überhaupt möglich? Und was hat die Banker motiviert?

Infografik / Libor / Manipulation des Libor © F.A.Z. Vergrößern Wie die Manipulation des Libor möglich war

Für drei große Banken haben die Aufsichtsbehörden dazu jetzt unglaubliche Berichte präsentiert: Mit der britischen Bank Barclays fing es an, dann kam die Schweizer UBS an die Reihe, vergangene Woche die Royal Bank of Scotland - und als Nächstes warten alle gespannt auf die Deutsche Bank.

Was dabei über das Verhalten der Banken herauskam, lässt Bankenprofessor Burghof von „organisierter Kriminalität“ sprechen. Um zu verstehen, wie man einen solchen Zins manipulieren kann, muss man das Verfahren betrachten, wie er entsteht. Der Libor wird weder von einer zentralen Stelle festgesetzt wie der Leitzins der Europäischen Zentralbank, noch kommt er am Markt durch Angebot und Nachfrage zustande. Er entsteht durch eine Art Umfrage bei großen Banken. Sie melden jeden Tag um elf Uhr an den britischen Bankenverband BBA, zu welchem Zinssatz sie sich Geld von anderen Banken leihen könnten. Aus diesen Meldungen wird ein Durchschnitt gebildet - der „Libor“, auf den sich dann Zinsen von Darlehen, Sparguthaben und Finanzprodukten überall auf der Welt beziehen.

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