20.02.2007 · Der Zustand des Gleisnetzes der Deutschen Bahn hat sich laut einem Zeitungsbericht stark verschlechtert. Der Bundesrechnungshofs weise der Bahn sogar sicherheitsrelevante Mängel nach, heißt es. Die Bahn vermutet dahinter eine Kampagne gegen die Privatisierung des Unternehmens.
Der Zustand des Gleisnetzes der Deutschen Bahn hat sich laut einem Zeitungsbericht stark verschlechtert. Ein neuer Bericht des Bundesrechnungshofs weise der Bahn rund 2300 Mängel nach, berichtete am Dienstag die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf einen ihr vorliegenden Auszug der Mängelliste. Einige Beanstandungen seien sicherheitsrelevant. Konkret wird der Bahn dem Bericht zufolge vorgeworfen, durch verschleppte Instandhaltung zwischen 2001 bis 2005 notwendige Reparaturen von rund 1,5 Milliarden Euro unterlassen zu haben. Die Deutsche Bahn wies die Vorwürfe als „falsch“ zurück.
Laut „HAZ“ listet der Rechnungshof schwere Mängel etwa bei der Pflege an Gleisrändern auf, für die sehr viele Arbeitskräfte gebraucht werden. So wüchsen Bäume zu dicht an den Gleisen. Verrostete Ankerschrauben an Signalanlagen gefährdeten dem Bericht zufolge deren Standsicherheit. Der Unterbau von Gleiskörpern weise schwere Mängel auf, an Brücken verrotteten Geländer. Einzige Reaktion der Bahn auf viele dieser Mängel sei oft die Reduzierung der Geschwindigkeit. So werde auf Strecken, die auf 160 Stundenkilometer ausgelegt sind, nur noch 120 gefahren.
„Versuch, die Privatisierung zu verhindern“
Ein Bahnsprecher erklärte am Dienstag in Frankfurt am Main, die Vorwürfe „entbehren jeder Grundlage“. Die Aufwendungen für die Inspektion, Wartung und Fehlerbeseitigung am Streckennetz seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Zwischen 2004 und 2006 habe die Bahn jährlich durchschnittlich deutlich über 1,3 Milliarden Euro für den Unterhalt der Gleise aufgewendet. Im diesem Jahr würden diese Aufwendungen weiter steigen. Darüber hinaus investiert die Bahn nach eigenen Angaben jährlich über drei Milliarden Euro in das bestehende Netz. Die Bahn wertete den Bericht als „einen bewussten Versuch interessierter Kreise, mit Fehlinformationen den Privatisierungsprozess der Bahn zu stören oder zu verhindern“.
Die FDP-Bundestagsfraktion bezeichnete die von der Bahn genannten Zahlen als „irreführend“. Zwischen 2001 und 2005 flossen nach Angaben der Liberalen rund 1,5 Milliarden Euro weniger in die Instandhaltung des Schienennetzes als erforderlich. Eine Arbeitsgruppe unter anderem von Bahn und Bundesverkehrsministerium habe 2001 einen Instandhaltungsbedarf von rund 1,6 Milliarden Euro ermittelt, dies seien rund 300 Millionen Euro pro Jahr mehr als die Summe, die die Bahn genannt habe.
Sparmaßnahmen vor dem Börsengang?
Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ sieht sich in seiner jahrelangen Kritik an der mangelnden Wartung des Netzes bestätigt. Die Bahn investiere nicht genug in das Schienennetz und lasse es „seit Jahren verrotten“, sagte Sprecher Hartmut Buyken der Nachrichtenagentur AFP. Mit verantwortlich dafür seien die Einsparungen im Unternehmen zur Vorbereitung des Börsengangs. „Pro Bahn“ forderte, die Bahn auch nach dem Börsengang zu einem Mindestmaß bei der Instandhaltung der Gleise zu verpflichten.
Der Bundesrechnungshof bestätigte lediglich, dass es ein „vorläufiges Papier“ zu dem Thema gebe. Ein Entwurf sei am 10. Januar an das Bundesverkehrsministerium geschickt worden, das noch bis Mitte März dazu Stellung nehmen könne, sagte ein Behördensprecher am Dienstag. Inhaltlich wollte er keinerlei Angaben machen.
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Susanne Ruitenberg (SusanneRuitenberg)
- 21.02.2007, 09:34 Uhr
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