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Zeitungsbericht : Amerika will auch noch Europas Bankdaten

  • Aktualisiert am

Hauptquartier der SEC in Washington Bild: AP

Amerikas Finanzaufseher wollen wohl selbst Emails und Handelsbücher in den Zentralen europäischer Banken einsehen, wenn sie das für richtig halten. Die Europäer haben einmal mehr Angst um ihre Daten.

          Der Unmut über die Datensammelei amerikanischer Geheimdienste ist hierzulande ohnehin schon groß. Das gilt nicht nur für Privatleute, die nun lernen, dass ihre Privatsphäre so privat nicht ist. Sondern es gilt auch für Unternehmen: Das Wort „Wirtschaftsspionage“, das in den vergangenen Jahren eher im Zusammenhang mit China verwendet worden ist, fällt nun auch in Bezug auf die Vereinigten Staaten.

          Gerade jetzt wollen amerikanische Finanz-Aufsichtsbehörden das Recht bekommen, sensible Daten europäischer Banken direkt einzufordern. Sie wollen beispielsweise Handelsbücher oder E-Mails einsehen können, und das nicht etwa in Niederlassungen in New York, sondern direkt in den jeweiligen Hauptquartieren, berichtet die Zeitung „Financial Times“.

          Anstatt sich auf die jeweils heimische nationale Finanzaufsicht zu verlassen, wollten die amerikanischen Aufseher - die Securities Exchange Commission (SEC) und die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) - selbst uneingeschränkten Zugriff haben. Etwa auf die Deutsche Bank in Frankfurt, Barclays in London oder die Société Générale in Paris, berichtet die Zeitung weiter.

          Zwischen der EU und den Vereinigten Staaten gibt es mittlerweile offenbar einen handfesten Streit darüber. Der EU-Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier und die EU-Parlamentarierin Sharon Bowles haben die Bedenken der Europäer in der vergangenen Woche in Washington vorgetragen. Die amerikanischen Aufseher hätten die Möglichkeit, Details von tausenden Geschäften zwischen Banken und großen Unternehmen zu bekommen, was den Datenschutz verletze und außerdem wirtschaftlich vorteilbringend verwendet werden könne, heißt es.

          Vielleicht wäre der Streit aber eher unbedeutend, wenn gerade eben nicht das Ausspionieren der Europäer durch die Amerikaner ein so großes Thema wäre. Denn im Kern geht es um die Regulierung des weltweiten „Over-The-Counter-Derivatemarktes“, auf dem viele komplizierte Finanzprodukte direkt zwischen Banken (“Over-The-Counter“) gehandelt werden und nicht standardisiert über regulierte Handelsplattformen. Das Volumen dieses Marktes beläuft sich der Financial Times zufolge auf 633 Billionen Dollar. Und dass dieser Markt reguliert werden soll, darüber sind die Amerikaner und Europäer im Grundsatz einig.

          Quelle: FAZ.NET/ala.

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