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Zahlenspiele für die Verfassungsrichter Rauchverbot belastet die Wirte - oder auch nicht

30.07.2008 ·  Für das am Mittwoch erwartete Urteil des BVG zum umstrittenen Rauchverbot in Gaststätten spielen dessen wirtschaftliche Folgen eine entscheidende Rolle. Doch die Verlässlichkeit der Daten ist umstritten. Das Rauchverbot belastet die Wirte - oder auch nicht.

Von Melanie Amann
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Zahlenlastig ist die mündliche Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht zum Thema Rauchverbot in Gaststätten verlaufen. Für das Urteil, das am Mittwoch verkündet wird, spielen die wirtschaftlichen Folgen des Verbots eine entscheidende Rolle. Doch die Verlässlichkeit der Daten ist umstritten. Einige basieren auf Einschätzungen der Wirte, andere bilden nur die ersten Monate des Rauchverbots ab.

Die amtlichen Statistiken deuten jedenfalls weder auf ein Kneipensterben noch auf drastische Umsatzverluste hin. Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ) hat die Daten des Statistischen Bundesamtes und der Statistischen Landesämter ausgewertet, die auf regelmäßigen Umsatzerhebungen bei ausgewählten gastronomischen Betrieben basieren. Verlässliche Zahlen gebe es nur für 2007, sagt Ute Mons, die für das DKFZ die Daten ausgewertet hat. Destatis habe für die Verhandlung in Karlsruhe noch keine Daten für 2008 liefern können.

Allgemeiner Abwärtstrend statt schädigendem Rauchverbot

„Die Daten für 2007 zeigen: In Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen ist ein starker Umsatzeinbruch infolge der Rauchverbote nicht zu erkennen“, sagt Mons. Das gelte für „speisegeprägte“ Gaststätten - Restaurants oder Imbissstuben - wie für „getränkegeprägte“ Bars. Zwar liege der Umsatz der Kneipiers zum Beispiel in Hessen unter dem Bundesdurchschnitt, heißt es in der Auswertung. Doch insgesamt entspreche die Umsatzentwicklung in den drei Ländern der Lage der gesamten Branche. Im Vergleich der monatlichen Umsätze von 2006 und 2007 zeigen sich zwar deutliche Einbrüche für die Gastwirte der drei Länder. In Baden-Württemberg erlitten die Kneipiers zwischen September und Dezember 2007 zum Teil Umsatzverluste von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Es lässt sich aber nicht beweisen, dass daran das Rauchverbot schuld ist“, sagt Mons. Es gebe andere Gründe: 2006 habe die Fußball-WM den Durst der Kneipenbesucher gesteigert. Zudem befinde sich die Gastronomie im allgemeinen Abwärtstrend.

Ganz andere Daten liefert der Branchenverband Dehoga, der in Karlsruhe von „massiven Umsatzverlusten“ der Wirte sprach. Die Konjunkturumfrage zum Jahresende 2007/2008 zeige, dass „jeder zweite Gaststättenbetrieb“ das Rauchverbot negativ spüre: Im Durchschnitt lägen die Umsatzverluste bei 21 Prozent. Kneipen und Schankwirtschaften seien noch stärker betroffen.

In Irland stiegen die Umsätze trotz Rauchverbot

„Die Umfragemethode des Dehoga ist problematisch“, sagt Ute Mons. „Der Verband befragt seine Mitglieder nach ihrer Einschätzung. Wirklich verlässlich sind nur amtliche Daten.“ Dehoga-Sprecherin Stefanie Heckel bestätigte, dass es „kein Gesamtmarktbild für die Folgen des Rauchverbotes“ gebe. Man habe nur Mitglieder befragt, und die Umsatzentwicklung der Einraumkneipen auch nicht gesondert erhoben. Die 30 Prozent Umsatzverluste, die Dehoga für Kneipen dieser Größe verbreitet, basieren laut Heckel auf den Angaben aller Wirte aus Ländern mit Rauchverbot. Man habe den Durchschnitt gebildet und für Einraumkneipen „hochgerechnet“, da diese wohl am stärksten betroffen seien. „Insofern ist unsere Umfrage nicht repräsentativ im klassischen Sinne“, sagt Heckel. Aber die Rücklaufquote sei mit etwa 3000 Antworten von 10.000 Befragten „ordentlich“. Die Ergebnisse deckten sich mit anderen Umfragen.

Für belastbarere Zahlen richten die Gegner des Rauchens ihren Blick oft ins Ausland. Die Krebsforscher haben die Daten von Staaten mit älteren Rauchverboten ausgewertet. Ein Beispiel ist Kalifornien, wo Bars seit 1995 und Restaurants seit 1998 rauchfrei sind. Trotzdem sei der Umsatz der Gaststätten zwischen 1997 und 2002 um 2,4 Milliarden Dollar gestiegen, und die Zahl der Mitarbeiter stetig gewachsen. In Irland, dem Land der Einraum-Pubs, seien die Umsätze der Wirte seit März 2004 sogar gestiegen. Die DKFZ wagt daher die Prognose: „Je länger das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft ist, umso positiver entwickeln sich die Umsätze der Gastronomie.“

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Jahrgang 1978, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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