Home
http://www.faz.net/-gqg-77pvi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Wut auf Frauenförderung #Macho

Die Debatte um eine gesetzliche Frauenquote hält die deutschen Konzerne in Atem. Eine ganze Generation von Männern zwischen 30 und 40 sieht sich um die Karriere gebracht. Nun revoltieren die Mitarbeiter des Autoherstellers Daimler.

© plainpicture/Fancy Images Vergrößern Männer jammern, die Frau zieht vorbei

Der Anlass kam ganz harmlos daher: Eine weibliche Nachwuchskraft von Daimler schreibt im internen Blog einen Erlebnisbericht unter dem Titel „Chef oder Chefin? Ist doch egal“. Darin erzählt sie von der schönen Diversity-Welt, und wie es vorangeht mit den Frauen auf dem Weg nach oben. Das hätte sie lieber lassen sollen.

Bettina Weiguny Folgen:  

Das Echo auf den Blog war vernichtend - und rekordverdächtig zugleich: Mehr als 100 Wortmeldungen gingen binnen kürzester Zeit ein, eine hämischer, böser oder zynischer als die andere: ein einziger Aufschrei der Männer! Der Tenor lautete durchweg: Hilfe, wir Männer werden unterdrückt. Schluss mit dem Gender-Gehabe!

Ein neuer Wutbürger steht auf: der vernachlässigte Mann, der sich in seinen Karriereplänen gestutzt sieht - wegen der Frauenförderung. Ob Chef oder Chefin spielt für ihn sehr wohl eine Rolle. Da lästert der eine, Frauen seien von der Natur nicht vorgesehen für Führungsaufgaben. Macht könnte sie schnell „verderben“.

Im Zweifel für die Frau

Der Nächste meint zu wissen, dass Frauen Karriere gar nicht wollen und nun dazu gezwungen würden. Das mache sie nur zickig. Wieder ein anderer singt ein Lob auf die Weiblichkeit: „Eine Frau sollte lieb und nett sein, so wollen wir Frauen sehen.“ Dahinter setzt der Daimler-Mann einen dicken Smiley.

Und wer denkt an die tapferen Hausfrauen, lautet die herzige Frage: Werden die nicht auch diskriminiert, wenn ihr Gatte im Beruf nicht mehr vorankommt wegen der vielen Karrierefrauen, die er an sich vorbeiziehen sieht? So also klingt es, wenn Mann plötzlich ins Hintertreffen gerät. Eine ganze Generation von jungen Männern zwischen 30 und 40 sieht sich momentan um die Karriere gebracht - beileibe nicht nur bei Daimler.

Die Frauen stehen klar im Blick der Personalentwickler, Männer rücken nach außen im Organigramm. „Gender sells“, bestätigt ein Headhunter. Entgegen der offiziellen Losung („Es zählt allein die Qualifikation“) lautet das oberste Gebot der Personalpolitik: Im Zweifel für die Frau. Der Bonus für den Abteilungsleiter richtet sich vielerorts auch danach, wie viele Frauen er befördert.

„Alles geschenkt“

Kein Konzern wagt sich mehr ohne Frau im Vorstand und schlüssige Diversity-Strategie an die Öffentlichkeit, ob Auto- oder Chemiekonzern, Versicherer oder Maschinenbauer. Alle wollen den Frauenanteil an der Spitze innerhalb von wenigen Jahren steigern, zum Teil verdoppeln. Das predigen sie nicht nur, sie tun es, und sei es nur, um eine drohende gesetzliche Quote zu verhindern.

Viele Konzerne legen extra Mentorenprogramme, Coachings und Fortbildungen auf - nur für weibliche High Potentials. Das wurmt die männlichen Altersgenossen. „Für Frauen geht es heute automatisch aufwärts“, zürnt ein Pharmamanager aus dem Mittelbau. „Die müssen weder für ein paar Jahre ins Ausland noch je einen Betrieb geleitet haben. Alles geschenkt.“

Meist äußert sich dieser Zorn anonym (zumal in Internetforen), nicht so im Daimler-Blog: Der Frust, der sich bei den Ingenieuren dort angestaut hat, ist offenbar so gewaltig, dass sie ihre Schmähungen mit vollem Namen unterzeichnet haben - und somit nachvollziehbar für jeden im Konzern, samt Position und Abteilung.

Mehr zum Thema

Die weitere Laufbahn dürften die Wutmails eher hemmen, schließlich lebt der Autohersteller seine Frauen-Doktrin: 20 Prozent Frauen in der Führungsebene bis im Jahr 2020.  Männliche Wehleidigkeit bringt da selten voran. Da haben einige noch nicht verstanden, was Daimler-Chef Dieter Zetsche in seiner Botschaft an die Führungskräfte schrieb: Der Wettbewerb sitze „nicht im Büro nebenan, sondern in Wolfsburg und Ingolstadt, in München und Göteborg.“

Seine Ingenieure sehen das anders: Ihr Gegner ist die Frau zwei Türen weiter. Natürlich wissen die Konzerne, dass es gärt zwischen den Geschlechtern, nur sprechen sie das nicht gerne offen aus.  Dafür versuchen sie gegenzusteuern: Diversity-Workshops und Gender-Trainingsprogramme sollen die Männer ins Boot holen.

Unermüdlich impft die Genderilla ihnen ein: „Diversity geht alle an - und kann erlernt werden.“ Schließlich, so die verbreitete These, bringt ein höherer Frauenanteil in Führungspositionen nur Vorteile für alle: den Konzern als solchen, Frauen wie Männer. Die Welt der Wirtschaft wird bunter, gerechter und angenehmer. Ein paar Männer haben da ihre Zweifel, nicht nur in Stuttgart.

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wirtschaftsforum Davos bleibt Männersache

Haben Frauen in den vergangenen Jahren in der Wirtschaft mächtige Führungsposten erreicht? Ein Blick auf die Geschlechterverteilung in Davos ist ernüchternd. Mehr Von Carsten Knop, Davos

20.01.2015, 20:24 Uhr | Wirtschaft
Pakistan Frauen wagen sich in Männerberufe

Die Frauen in Pakistan trauen sich, aus ihren Schranken auszubrechen. Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai hat das gezeigt, indem sie den Taliban die Stirn bot. Im pakistanischen Teil des Himalayas wagen die Frauen sich jetzt auch an Berufe, die eigentlich nur für Männer sind - zum Beispiel als Zimmerleute oder Bergführer. Mehr

23.10.2014, 13:26 Uhr | Gesellschaft
Frauen im Vorteil Wie man zu einer Soziologie-Professur kommt

Wer in der Sozialwissenschaft in den Professorenrang aufsteigen will, muss noch immer vor allem vielfältige Veröffentlichungen vorweisen. Aber es schadet auch nicht, eine Frau zu sein - im Gegenteil. Mehr

29.01.2015, 15:00 Uhr | Beruf-Chance
Eingefrorene Eizellen Den Kinderwunsch auf Eis legen

Frauen in den USA werden immer später Mütter - und dabei könnte das Einfrieren von Eizellen eine zunehmend große Rolle spielen. US-Konzerne wie Facebook und Apple unterstützen ihre Mitarbeiterinnen finanziell dabei, den Kinderwunsch sozusagen auf Eis zu legen. Ob die biologische Uhr damit wirkungsvoll angehalten wird, ist umstritten: Eine Baby-Garantie gibt es nicht. Mehr

30.12.2014, 11:57 Uhr | Gesellschaft
Birgit Steinborn Die stille Macht

Birgit Steinborn überlegt, bevor sie spricht- und passt mit ihrer diplomatischen Art so gar nicht in die Tradition der Arbeitnehmervertreter im Siemens-Aufsichtsrat. Mehr Von Rüdiger Köhn

26.01.2015, 18:00 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.03.2013, 14:08 Uhr

Erst mal kommen lassen

Von Patrick Bernau

Griechenland macht sich in halb Europa unbeliebt. Und Angela Merkel wartet ab. Das ist die richtige Strategie: Griechenland darf sich auch mal mit anderen Ländern zerstreiten. Mehr 6 15


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Grafik des Tages Geldmaschine Real Madrid

Der umsatzstärkste Fußballclub ist ein spanischer. Viel Geld verdienen auch britische Vereine. Aus Deutschland schafft es in dieser Rangfolge nur einer unter die ersten zehn. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden