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Wirtschaftswandel : Chinas Stahlindustrie entlässt wohl Hunderttausende

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Chinas Stahlüberkapazitäten belaufen sich angeblich auf 300 Millionen Tonnen. Bild: Reuters

In der chinesischen Stahlbranche steht offenbar eine Entlassungswelle bevor. Es wäre ein Zeichen, dass die Führung den geplanten Strukturwandel wirklich zulässt.

          Der Umbau der chinesischen Stahlindustrie gefährdet offenbar Hunderttausende Arbeitsplätze. Um die großen Produktionskapazitäten um 100 bis 150 Millionen Tonnen zu verringern, könnten bis zu 400.000 Stellen wegfallen, berichtete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua an diesem Dienstag.

          „Großangelegte Entlassungen im Stahlsektor könnten den sozialen Frieden gefährden“, wird der Chef des Planungs- und Forschungsinstituts der metallurgischen Industrie, Li Xinchuang, zitiert. Um das für die Betroffenen abzufedern, soll wohl ein Fonds aufgelegt werden: Experten des Finanzhauses Shenwan Hongyuan schätzen, dass dieser mit umgerechnet etwa 6,6 Milliarden Euro gefüllt werden könnte.

          Fallende Aktienkurse eher wenig bedeutend

          Chinas Stahlsektor ist der größte der Welt. Analysten schätzen die Überkapazität auf etwa 300 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Das entspricht etwa dem dreifachen Jahresausstoß der Nummer zwei Japan.

          Wie Chinas Führung der Umbau von einer wesentlich auf Industrie und Export setzenden Wirtschaft zu einer Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft gelingt, ist derzeit eine spannende und viel diskutierte Frage. Daran entscheidet sich auch, ob China die erwartungsgemäß niedrigeren Wachstumsraten als noch vor wenigen Jahren ungefähr halten wird oder nicht. Dies ist auch für den Rest der Welt bedeutsam, weil die Volksrepublik mittlerweile die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist und sich auf dem Weg befindet, auch die Vereinigten Staaten zu überholen. Der nun offenbar bevorstehende Stellenabbau in der Stahlindustrie könnte ein Indiz sein, dass Peking es tatsächlich Ernst meint damit, mehr Wandel zuzulassen.

          Eher wenig bedeutsam - außer für diejenigen, die entsprechende Titel halten - sind hingegen die weiter fallenden Aktienkurse an den chinesischen Inlandsbörsen. Dort handeln vornehmlich chinesische Privatanleger; etwa fünf Prozent der chinesischen Haushalte besitzen Aktien. Auch weniger brisant als gelegentlich dargestellt ist China-Experten zufolge die Wechselkursbewegung des Yuan. Er verliert derzeit gegenüber dem Dollar leicht an Wert.

          Das liegt daran, dass die amerikanische Notenbank ihre Geldpolitik strafft, während die chinesische sie eher lockert und außerdem daran, dass China den Wechselkurs seit vergangenem Sommer freier schwanken lässt und ihn zunehmend an einem Währungskorb orientiert und nicht mehr nur an der Weltleitwährung. Die gemeldeten Kapitalabflüsse in Milliardenhöhe sind eine Folge davon - keine ungewöhnliche.

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