20.11.2006 · Der alte und neue Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie heißt Jürgen Thumann. Er wurde mit überraschend hoher Zustimmung im Amt bestätigt. Die Auswahl des BDI-Spitzenpersonals ist allerdings nur eine Übergangslösung.
Die Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) hat am Montag ihren Präsidenten Jürgen Thumann für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt. Thumann erhielt in geheimer Wahl 156 von 162 Stimmen, es gab sechs Enthaltungen.
Der 65 Jahre alte Thumann ist seit 1. Januar 2005 Präsident des wichtigsten deutschen Industrieverbandes. Die hohe Zustimmung kam überraschend, da Thumann nicht erst seit der gescheiterten Berufung des CDU-Abgeordneten Norbert Röttgen zum Verbandsgeschäftsführer als umstritten gilt. Zuletzt war Thumann wegen seines Fusionskurses mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) kritisiert worden.
„Die Schlagkraft erhöhen“
Vor seiner Wahl hatte er die Absicht bekräftigt, die im Verband umstrittene Zusammenarbeit mit der BDA zu intensivieren. „Unser Ziel ist, die Schlagkraft der Interessenvertretung unserer Mitglieder durch ein verstärktes Zusammenwirken zu erhöhen.“ Thumann sagte zu, daß die Struktur und die Aufgaben beider Verbände bestehen blieben. „Der BDI vertritt weiter die Branchenverbände der Industrie und der industrienahen Dienstleistungen in der Breite der wirtschaftspolitischen Fachgebiete“, wurde Thumann zitiert. Er rief die Bundesregierung dazu auf, ihre Reformen zu intensivieren. „Eine in sich stimmige ordnungspolitische Orientierung ist nicht erkennbar.“ Den Vertrauensvorschuß der Regierung sah er nahezu aufgebraucht.
Einen Nachfolger für den bisherigen Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg wird es vorerst allerdings nicht geben. Statt dessen werden die Geschäfte des BDI „bis zur Berufung eines neuen Hauptgeschäftsführers“ von den beiden anderen Mitgliedern der Hauptgeschäftsführung, Klaus Bräunig und Carsten Kreklau, geleitet. Bräunig kommt dabei als Sprecher die Führungsrolle zu.
Alle Optionen offen
Mit dem formalen Verzicht auf einen Nachfolger Wartenbergs, der weiter im Präsidium sitzen wird, hält sich der BDI alle Optionen für die nähere Verbandszukunft offen. Für die nächste Zeit ist die Führungsarbeit gesichert. Aber die Entscheidung für einen neuen Hauptgeschäftsführer ist ebensowenig verbaut wie für eine gemeinsame Leitung mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Wie schnell die Kooperation mit den Arbeitgebern kommen und wie weit sie gehen soll, bleibt jedoch auch nach der Mitgliederversammlung des Industrieverbandes unentschieden. Die Maschinenbauer können sich nicht vorstellen, mit der BDA künftig arbeitsmarktpolitisch im Gleichschritt zu marschieren - zumal BDA-Hauptgeschäftsführer Reinhard Göhner als CDU-Parlamentarier eine zu große parteipolitische Nähe vorgehalten wird.
Weder Bräunig noch Kreklau erfüllen offenkundig jene Maßstäbe, die BDI-Präsident Jürgen Thumann noch im Sommer an die Wartenberg-Nachfolge anlegte. Damals wollte er den CDU-Abgeordneten Norbert Röttgen, einen engen Vertrauten von Kanzlerin Angela Merkel und Kenner des politischen Geschäfts, für den Posten gewinnen. Der Plan scheiterte ebenso wie der darauffolgende Versuch, den Wartenberg-Vertrag für ein Jahr zu verlängern. Statt den Wechsel Wartenbergs in den Ruhestand zu verzögern, tritt der BDI nun mit der Übergangsspitze Bräunig/Kreklau an. So gewinnt Thumann Zeit - und demonstriert zugleich, daß er nicht unbedingt auf personelle Verstärkung von außen angewiesen ist.
Tritt Bräunig bald aus dem Schatten?
Der 52 Jahre alte Jurist Bräunig, der schon in den vergangenen Jahren Wartenberg in Amtsgeschäften offiziell vertrat, arbeitet seit 1990 beim Verband. Damals fing er an als Referent im Büro des Hauptgeschäftsführers Wartenberg. Dessen persönlicher Mitarbeiter war er schon, als jener Ende der achtziger Jahre als Parlamentarischer Staatssekretär im Bonner Wirtschaftsministerium arbeitete. Die ersten Jahre seiner Berufstätigkeit verbrachte Bräunig im Bundeskartellamt in Berlin. Dorthin kehrte der gebürtige Wiesbadener, mit einer Juristin verheiratet und Vater von drei Söhnen, 1999 nach dem Umzug des Verbandes zurück - mittlerweile Mitglied der Hauptgeschäftsführung.
Der 59 Jahre alte promovierte Volkswirt Kreklau, verheiratet und Vater zweier Kinder, gehört der Verbands-Hauptgeschäftsführung schon seit 1990 an.
Der neue Sprecher Bräunig hatte bisher wenig Gelegenheit, sich nach außen zu bewähren. Von seinem Mentor Wartenberg unterscheidet er sich zwar in Statur und Auftreten, nicht aber in der intellektuellen Schärfe und verbalen Klarheit. Bräunig ist trotz der aktuellen Anmutung, eine Übergangslösung zu sein, zuzutrauen, daß er aus dem Schatten seines Vorgängers bald heraustritt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.329,41 | −2,56% |
| Dow Jones | 12.393,50 | −0,21% |
| EUR/USD | 1,2327 | −0,28% |
| Rohöl Brent Crude | 99,78 $ | −1,81% |
| Gold | 1.558,00 $ | 0,00% |
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