04.08.2009 · Kleine und mittlere Unternehmen sollen in einer SPD-geführten Regierung Vorrang genießen, Kanzerlamtssache werden. So präsentiert es jedenfalls Harald Christ, der frisch erkorene Mittelstandsbeauftragte im „Team Steinmeier“.
Von Andreas MihmAls sich Harald Christ, der frisch erkorene Mittelstandsbeauftragte im „Team Steinmeier“, am Dienstag erstmals der Presse vorstellt, stellt er zunächst einmal klar, was er nicht ist: ein Berufspolitiker und eine Heuschrecke. Eine Heuschrecke, der SPD-Terminus für Finanzinvestoren, will er als einstiger Chef einer Investmentgesellschaft und heute vermögender Gesellschafter einer Beteiligungsgesellschaft („eher ein Family-Office“) nie gewesen sein. Ein Berufspolitiker immerhin könnte noch aus dem 37 Jahre alten „Selfmademan“ werden. Hat er doch dem SPD-Spitzenkandidaten versprochen, nach einem Wahlsieg zur Verfügung zu stehen. „Dann zu kneifen, das entspricht nicht meinem Naturell.“
Und dass Frank-Walter Steinmeier nächster Bundeskanzler wird und die SPD, heute in Umfragen auf 25 Prozent taxiert, vielleicht sogar die stärkste Partei, daran hat Christ nach eigenen Angaben keinen Zweifel. Mit Steinmeier könnte er, der Mann für den Mittelstand, dann ins Kanzleramt ziehen. Denn kleine und mittlere Unternehmen sollen in einer SPD-geführten Regierung Vorrang genießen, Kanzerlamtssache werden. So, wie Angela Merkel den Bürokratieabbau bei sich in der fünften Etage angesiedelt hat.
„Da draußen sieht es zurzeit schwierig aus“
90 Prozent der Arbeitsplätze würden von kleinen und mittleren Betrieben angeboten, weiß Christ. „Da draußen sieht es zurzeit schwierig aus.“ Deshalb müsse man ihnen besonders helfen. Zum Beispiel mit Hilfe der KfW-Bank und eines Ombudsmanns. Der soll als „staatlicher Kreditmediator zwischen den Programmen der Bundesregierung (,Deutschlandfonds‘ und ,Finanzmarktstabilisierungsfonds‘) sowie Unternehmen und Banken vermitteln“, wie es etwa sperrig in Steinmeiers „Deutschlandplan“ heißt.
Christ will Betrieben in finanzieller Bedrängnis direkt helfen, wenn es der private Bankensektor nicht tut. Aber nicht allen. „Unternehmen, die nicht rettbar sind, die muss man marktbereinigen.“ Die übrigen könnten auf Geld rechnen. „Wenn alles nichts nutzt, dann muss der Staat über die KfW, die Bundesbank oder Kooperationspartner dafür sorgen, dass die Gelder da ankommen, wo sie dringend benötigt werden.“
„Die nächsten Jahre werden hart“
Christ weiß, dass nicht allen in der Partei alles, was er sagt (und gesagt hat), gefällt. Aber ein paar Positionen zieht der Mann, der seine Verdi-Mitgliedschaft irgendwie verloren hat und für die SPD die Brücke zum Mittelstand schlagen soll, doch noch glatt. Der Mindestlohn sei gut und richtig, weil er die Kaufkraft steigere, sagt Christ. Das sei wichtig, weil der Export zusammengebrochen sei.
Vor zwei Jahren war er noch für Steuersenkungen, um die Binnenkaufkraft zu stärken und die Abhängigkeit vom Export zu verringern. Heute lehnt er Steuersenkungen ab. Dafür gebe es auf absehbare Zeit kein Geld. „Die nächsten Jahre werden hart“, sagt Christ. Immerhin sieht er schon eine Bewegung zum Besseren: „die Tendenz einer Aufwärtsbewegung auf niedrigem Niveau“. Das macht ihn zuversichtlich, dass die Arbeitslosenzahl nicht über 5 Millionen steigen wird. Im Übrigen hat Christ „eine einfach Lösung: Wachstum und Beschäftigung, dann erledigen sich viele Probleme von alleine“.
Mindestlohn
Veronika Gschwendner (vero.g)
- 05.08.2009, 01:42 Uhr
Mittelstand als Wählerpotential
Benedict Weichert (B-Weichert)
- 05.08.2009, 17:10 Uhr
Die letzte Steuerreform ist dem Mittelstand noch in bester Erinnerung
M. Hubrich (michael.hubrich)
- 05.08.2009, 18:15 Uhr
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