15.07.2005 · Die Kanzlerkandidatin sucht den Kontakt zur Wirtschaft. Künftig soll es regelmäßige Treffen geben. Auch die Unternehmensvertreter orientieren sich um, der Andrang im Bundeskanzleramt hat deutlich nachgelassen.
Die Kanzlerkandidatin der Union, Angela Merkel, intensiviert ihre Kontakte zu Führungskräften der deutschen Wirtschaft. Für diesen Montag ist ein Treffen mit den Vorständen von großen Aktiengesellschaften geplant. Das hat Merkels Sprecherin bestätigt.
Die Zusammenkunft ist nach ihren Angaben für den Abend geplant. Organisiert wird der Gesprächskreis vom Wirtschaftsrat der CDU, geleitet wird er von dessen Präsident Kurt Lauk. Dort wies man auf Nachfrage darauf hin, daß als Basis der Gespräche Vertraulichkeit vereinbart worden sei. Schon Mitte dieser Woche hatte sich Merkel in einer als „privaten Gesprächskreis“ eingestuften Runde mit Industrievertretern getroffen.
Während Unionsspitze und Wirtschaftführer offensichtlich einander suchen, hat vor der möglichen Bundestagswahl im September der Andrang von Unternehmensvertretern im Bundeskanzleramt stark nachgelassen, wie von dort zu hören ist. Aus Wirtschaftskreisen wiederum verlautete, daß die Leitungsebene unter der rot-grünen Koalition sich schon bei diversen Unternehmen nach Beschäftigungschancen erkundigt habe.
Künftig regelmäßige Treffen?
Eine Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei im Deutschen Aktienindex vertretenen Unternehmen hat gezeigt, daß hochkarätige Vertreter am Montagstreffen teilnehmen werden. So hat ein Münchener Dax-Unternehmen die Einladung bestätigt. Es seien wohl nicht alle Vorstände eingeladen, und es könnten auch nicht alle. Aber Merkel wolle die Treffen künftig regelmäßig abhalten, um in Kontakt mit den Unternehmen zu bleiben und auch direkt zu hören, welche Sorgen und Anregungen die Branchen hätten, hieß es.
Von Allianz, Porsche und der WestLB sollen mit Michael Diekmann, Wendelin Wiedeking und Thomas Fischer die Vorstandsvorsitzenden kommen, für die Deutsche Bank soll der IT-Vorstand Hermann-Josef Lamberti teilnehmen, aber auch Altana, Daimler-Chrysler und Bilfinger Berger sollen hochrangig vertreten sein.
Die Wirtschaft sucht zwar in der Erwartung eines Regierungswechsels die Nähe zur Union. Man zeigt sich zufrieden, daß auch von der Gegenseite Interesse am Kontakt besteht. Von einem Unternehmen war indessen Bedauern zu vernehmen, daß Merkel nicht schon intensiver Verbindung zur Wirtschaft aufgenommen habe, bevor das Wahlprogramm der Union fertiggestellt worden sei.
Hoffnung und Skepsis bei Wirtschaftsvertretern
So ist die Haltung von Wirtschaftsvertretern zum Unionsprogramm geprägt von Hoffnung, gepaart mit Skepsis. Typisch ist die Bewertung durch den Bundesverband der Deutschen Industrie. Einerseits urteilte er: Falls die durchgreifenden Reformen am Arbeitsmarkt und in den sozialen Sicherungssystemen sowie im Steuerrecht verwirklicht würden, könnten Bürger und Unternehmer wieder Vertrauen in die deutsche Wirtschaftspolitik und in den Standort Deutschland fassen. Andererseits kritisierte er, daß mit einer Mehrwertsteuererhöhung als erstem Schritt nicht nur der enorme Reformdruck in den sozialen Sicherungssystemen vordergründig abgemildert werde, sondern auch die notwendige Haushaltskonsolidierung auf der falschen Seite - nämlich der Einnahmenseite - betrieben werde.
Horst Teltschik, derzeit Deutschland-Präsident des amerikanischen Flugzeugherstellers Boeing und früher Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl, setzt ganz auf einen Regierungswechsel. Die Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten seien nach wie vor angespannt. Von einer CDU-Regierung könne man wieder bessere Beziehungen erwarten, und daran müsse der Politik wie der Wirtschaft gelegen sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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