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Wirtschaftspolitik Frankreich leidet unter schwachem Export

15.03.2010 ·  Die Kritik der französischen Finanzministerin am deutschen Wirtschaftsmodell zeigt nicht nur Strukturunterschiede auf. Sie offenbart auch: Frankreich leidet unter Exportschwäche und Reformzögerlichkeit.

Von Christian Schubert, Paris
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Die Kritik der französischen Finanzministerin Christine Lagarde am deutschen Wirtschaftsmodell ist inhaltlich nicht neu, werden die hohen Exportüberschüsse Deutschlands in Frankreich doch schon länger mit Argwohn verfolgt. Doch dass die Rüge, wenn auch vorsichtig formuliert, aus dem Munde der obersten staatlichen Finanzexpertin stammt, ist ein Novum. Sie findet ihre Basis in der in Frankreich stark verwurzelten nachfrageorientierten Ökonomie-Analyse. Demnach soll sich eine Volkswirtschaft wesentlich von innen heraus durch den Konsum der Haushalte tragen. Jede Maßnahme, welche die Kaufkraft und damit den privaten Verbrauch einschränkt, gilt daher als zweifelhaft. Nicht zuletzt hatte sich Präsident Nicolas Sarkozy vor diesem Hintergrund im Wahlkampf 2007 als „Präsident der Kaufkraftstärkung“ zu positionieren versucht.

Das Spiegelbild dieser Prioritätensetzung ist jedoch die strukturelle Exportschwäche der französischen Wirtschaft. Von hohen Sozialabgaben und Steuern belastet, verlieren die französischen Unternehmen auf dem Weltmarkt seit Jahren Marktanteile. Im vergangenen Jahr führte das Land für 43 Milliarden Euro mehr Waren ein als aus. Der Rückstand gilt weniger für die Speerspitze der meist gut aufgestellten Konzerne im Börsenleitindex CAC-40 als für einen Großteil der übrigen Akteure. Einen exportfreudigen Mittelstand wie in Deutschland gibt es nur rudimentär. Der Maschinenbau hinkt seinen deutschen Konkurrenten deutlich hinterher, und die französischen Autozulieferer haben Schwierigkeiten, sich selbst im Kampf um Aufträge französischer Autobauer zu behaupten. Seit Anfang der neunziger Jahre ist der Anteil des französischen Exports im Euro-Raum von 18 auf 13 Prozent gefallen, berichtet Sylvain Broyer von der französischen Investmentbank Natixis. Deutschland dagegen erhöhte seinen Marktanteil seit 1997 von 25,1 auf 27,4 Prozent.

„Der französische Staat hat deutlich weniger getan als der deutsche“

Der französische Export ist auch zu wenig auf die aufstrebenden Volkswirtschaften in Regionen wie Asien und Südamerika konzentriert. Frankreich führt dorthin nur Waren im Wert von 4 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes aus, für Deutschland sind es dreimal soviel. „Deutschland profitiert vom Investitionszyklus in den aufstrebenden Volkswirtschaften, etwa durch seinen Maschinenbau. Zudem verkauften deutsche Hersteller dort bis zur Krise sehr erfolgreiche langlebige Konsumgüter wie teure Autos. Frankreich dagegen hat eine spezialisierte Exportpalette aufzuweisen wie Hochgeschwindigkeits-Züge, Flugzeuge von Airbus, Raketen, Atomkraftwerke oder Luxusartikel.“ Von Wechselkursverschlechterungen sei Frankreichs Ausfuhr stärker betroffen. „Wenn Sie eine deutsche Präzisionsmaschine brauchen, dann interessiert Sie der Wechselkurs weniger. Bei einer Handtasche ist das oft anders“, sagt Broyer.

Sarkozy hat sich das Ziel gesetzt, die französische Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen, kam dabei jedoch noch nicht weit voran. Er ist dabei, die Gewerbesteuer durch eine niedrigere Abgabe zu ersetzen und senkte die Steuern auf Forschungsarbeiten. Die nachteilige Struktur der Wirtschaft mit vielen Kleinunternehmen, die vor dem Weltmarkt Angst haben, ändert sich indes nicht von heute auf morgen. Wenn zudem ein Unternehmen wie Renault zur Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit Autos in der Türkei bauen will, zwingt der Präsident die Konzernchefs nicht selten zu einer 180-Grad-Wende, weil er französische Arbeitsplätze in Gefahr sieht.

„Der französische Staat hat deutlich weniger getan als der deutsche“, urteilt der Ökonom Broyer. „Reformen wie Hartz IV würden in Frankreich zu Massen-Demonstrationen führen.“ Daher kritisierten auch französische Experten den Vorstoß Lagardes. Ein Land, das „so wie Frankreich keinen Mut zu Reformen hat“, solle niemandem Lehren erteilen, meinte Marco Fiorentino vom Pariser Brokerhaus Euroland Finance.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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