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Wirtschaftsminister zu Guttenberg Adrett, charmant, schneidig, nichtssagend

08.03.2009 ·  Noch vor einem Monat war er ein Unbekannter. Jetzt ist Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg einer der populärsten Ressortchefs in Berlin. Wie hat der Mann das in so kurzer Zeit nur geschafft?

Von Carsten Germis
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Die größten Komplimente bekommt Karl-Theodor zu Guttenberg in diesen Tagen vom Koalitionspartner SPD. "Jetzt hat die Kanzlerin endlich das, was sie immer wollte", heißt es bei Spitzen-Sozialdemokraten in Berlin: "Einen Wirtschaftsminister aus den Reihen der Union, der in der Krise auf Augenhöhe mit Finanzminister Peer Steinbrück ist." Es klingt Bewunderung und Neid mit, wenn die SPD in internen Runden über den neuen Wirtschaftsminister spricht. "In den wenigen Wochen im Amt leistet er genau das, was Merkel bei Michael Glos immer vermisst hat."

Tatsächlich hat Karl-Theodor zu Guttenberg als Minister einen Blitzstart vorgelegt, wie es ihn so in Berlin noch nicht gegeben hat. Gerade mal drei Wochen ist er Hausherr im Wirtschaftsministerium an der Berliner Invalidenstraße, und schon sehen Umfragen den vorher nahezu unbekannten, smarten jungen Mann auf einem guten Platz im Mittelfeld. Das hat natürlich auch mit der Wirtschaftskrise und der Debatte um die Opel-Rettung zu tun. "Meine Rolle definiert sich aus der Zeit", weiß auch der Minister. Er tut aber auch alles dafür, diese Zeit zu nutzen.

Guttenberg fällt allein schon deswegen auf, weil sein Vorgänger Michael Glos selbst in der Wirtschaftskrise lustlos und unauffällig im Hintergrund blieb. Über die Opel-Rettung verhandeln Beamte des Wirtschaftsministeriums schließlich schon seit Ende Dezember mit General Motors. Doch Glos schwieg. In der Öffentlichkeit blieb Finanzminister Steinbrück über Monate die dominierende Gestalt.

Der Minister ist präsent auf allen Kanälen

Guttenberg macht jetzt das exakte Gegenteil seines Vorgängers. Es gibt keine Fernsehsendung mehr, in der er nicht einen Satz zu Opel in die Mikrofone spricht. Der Minister ist präsent auf allen Kanälen. Präzise braucht das nicht zu werden. Es reichen Aussagen nach dem Motto: "Es ist noch keinerlei Entscheidung gefallen." Oder: "Es muss eine sinnvolle Entscheidung geben, die auf vernünftigen Maßstäben beruht."Oder: "Wir werden überprüfen, wir werden bewerten, und auf der Grundlage dieser Bewertung wird sich das Ob und Wie einer weiteren Entscheidung der Bundesregierung darstellen."

Dann wird das Mikro abgeschaltet, und alle Fragen bleiben offen. Hängen bleibt dennoch, dass der Minister etwas zu sagen hat. Die Mitarbeiter der Pressestelle kommen seit drei Wochen kaum noch dazu, Luft zu holen. Im dichten Takt senden sie jetzt E-Mails mit Worten ihres neuen Ministers in die Redaktionen. Das geht manchmal so schnell, dass in dem Betreff schon mal offenbleibt, wozu der Minister etwas äußern will: "Zitat BM zu Guttenberg zu . . ." Selbst Leute in seinem Umfeld zucken nur noch mit den Schultern, wenn sie gefragt werden, wie viele Interviews der Minister denn heute gegeben habe.

Er gibt seinen Leuten das Selbstbewusstsein zurück

Die Beamten im Wirtschaftsministerium schätzen den neuen Chef dennoch. Endlich gibt ihnen einer das Selbstbewusstsein wieder, das unter der Führung von Glos so gelitten hatte. Ob Guttenberg es schafft, in der Wirtschaftskrise auch inhaltlich ein eigenes Profil gegen den dominierenden Finanzminister Steinbrück zu entwickeln, wird da fast zur Nebensache. "Mit dem Neuen finden wir in der Öffentlichkeit überhaupt mal wieder statt", sagt ein Referatsleiter. Das tut dem Haus gut, das sich gern als ordnungspolitisches Gewissen der Bundesregierung sieht und in den Jahren unter Glos gegenüber dem Finanzministerium einen ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex entwickelt hat.

Fast jeder Minister würde im Vergleich zu Glos wohl einen guten Eindruck machen. Aber Guttenberg ist auch ehrgeizig - und fleißig. Seine juristische Doktorarbeit schrieb er mit "summa cum laude". Im Wirtschaftsministerium haben ihn die Pförtner schon morgens um halb sechs gesichtet, und vor Mitternacht ist er selten bei seiner Frau und seinen beiden kleinen Töchtern in der Berliner Villa. Im Kanzleramt wird schon gespottet: "Guttenberg hat sich in drei Wochen schon öfter mit seinen Staatssekretären und Abteilungsleitern getroffen als Glos in den drei Jahren davor."

Alles andere als ein neuer Friedrich Merz

Dabei ist der neue Wirtschaftsminister alles andere als ein neuer Friedrich Merz. Dass er sein Amt mit wenig wirtschaftspolitischer Erfahrung übernommen hat, ficht den selbstbewussten 37-Jährigen nicht an. "Wir sind in einer Situation, wo mancher, der auf längeres Know-how zurückblicken kann, gerade darauf nicht zurückgreifen kann", sagt er. Wo Michael Glos im Umgang mit den Wirtschaftseliten immer mal wieder fremdelte, zeigt Guttenberg entspanntes Selbstbewusstsein. Er erweckt gerne den Eindruck, dass einer aus seiner Schicht der deutschen Wirtschaftselite ebenbürtig sei.

Doch wofür steht der neue Minister? Der Freiherr kann "dem ordnungspolitischen Denken Otto Graf Lambsdorffs" einiges abgewinnen, sagt er. Einiges? Was denn nun? Aber auch "manchen Gedanken Helmut Schmidts" findet er lobenswert. Diese Unverbindlichkeit des Berufspolitikers ist der Grund dafür, dass es unter den Wirtschaftspolitikern in der Unionsfraktion auch Kritik gibt. Guttenberg antwortet ganz offen, wenn er auf die Sehnsucht dieser Wirtschaftsliberalen in der CDU nach einer neuen Führungsfigur angesprochen wird. "Ich bin kein freischwebender Liberaler", sagt er. Aber ein staatliches Eingreifen müsse natürlich immer die Ausnahme bleiben. Offenbar sind jetzt gerade die Ausnahmen dran.

Guttenberg genießt seine neue Rolle

Dass der CSU-Politiker in der Öffentlichkeit trotz seines Kurses, der zumindest bei der Opel-Rettung am Ende jede Entscheidung offenlässt, als standfest wahrgenommen wird, hat auch mit seinem Auftreten zu tun. Schon rein äußerlich macht er eine gute Figur: adrett gekleidet, schneidig, die Haare gegelt, federnder Schritt. Im persönlichen Gespräch kann Guttenberg zudem durchaus charmant sein. Er begrüßt seine Beamten mit Handschlag, trägt auch einer Mitarbeiterin schon mal die Tasche. Das kommt an beim Volk. Und wenn es dran ist, gelingt ihm auch immer der perfekte Handkuss.

Guttenberg genießt seine neue Rolle ganz offensichtlich. "Das ist eine Sieben-Monats-Perspektive, in der mir wichtige Entscheidungen abverlangt werden", sagt er. Er weiß ganz genau, dass es auch an ihm liegt, ob daraus nach der Bundestagswahl eine längere Perspektive wird.

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