Home
http://www.faz.net/-gqe-127vq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Wirtschaftskrise Indiens Unternehmer hadern mit der Politik

Die Wirtschaftskrise Indien ins Mark. Die Unternehemen haben Refinanzierungsprobleme, die Armen verharren in bitterem Elend. Am 16. April sind Wahlen. Doch Wirtschaftsführer fürchten: Egal wer gewinnt, es werden weiter Bürokraten, Technokraten und Speichellecker das Land regieren.

© REUTERS Vergrößern Zwischen Aufbruch und Elend: Das „indische Wirtschaftswunder” schließt große Teile der Gesellschaft aus

Was er hinter geschlossenen Türen zu hören bekam, dürfte ihn nicht erbaut haben: Vor wenigen Tagen bestellte Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh die Wirtschaftsführer des Landes zu einem letzten Gespräch vor den Wahlen, die am 16. April beginnen. Ratan Tata, ICICI-Bankier KV Kamath, Sunil Mittal und einige Kollegen eilten nach Delhi. Immerhin hatte der letzte Austausch im November stattgefunden. Der lange Abstand lag nicht nur an Singhs Krankheit - Wirtschaft und Politik in der größten Demokratie der Erde driften immer weiter auseinander.

Christoph Hein Folgen:

Dabei geht es den Managern und Unternehmern weniger um Personen - sie könnten sowohl mit Singh, der wieder zur Wahl steht, oder seinem hindu-konservativen Gegenspieler L.K. Advani leben. Ihnen geht es um Grundlegenderes als die Frage, welche Koalition demnächst die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens vor allem dank der Stimmen der ländlichen Bevölkerung führen wird. Denn die Distanz wächst auf zwei Ebenen: Zum einen werfen die indischen Wirtschaftskapitäne ihrer Regierung vor, zu wenig gegen die Krise zu tun, auch wenn Singh weitere Zinssenkungen angekündigt hat. Zum anderen sind sie es müde, gegen Windmühlen zu kämpfen.

Denn während Indiens Industrie und Bankwesen sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt haben, bleibt die Politik in ihren alten Mustern verhaftet. Nicht die Staatsform der Demokratie nehmen die Wirtschaftsführer ins Visier; wohl aber wächst ihr Ärger über deren Vertreter, über Bürokraten, Technokraten und Speichellecker. „Wir haben schreckliche Regierungen in unserem Land. Inkompetenz wird nicht geahndet“, brachte es Rahul Bajaj, der Vorsitzende des Verwaltungsrats des gleichnamigen Fahrzeugherstellers, auf den Punkt.

Große Refinanzierungsprobleme

Vehement fordern die Wirtschaftsführer schon seit November schnellere Zinssenkungen, um die Nachfrage anzukurbeln. Und immer drängender wird die stärkere Vergabe von Krediten. Angesichts des Expansionskurses während der guten Jahre stehen Unternehmen wie Tata Motors oder der Windkraftanlagenhersteller Suzlon vor großen Refinanzierungsproblemen. Die Landung erscheint immer härter: Wuchs Indiens Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den drei Fiskaljahren bis März 2008 um durchschnittlich 9 Prozent, bleibt es nun weit dahinter zurück: Gerade erst senkte der Chefplaner der indischen Wirtschaftspolitik, Montek Singh Ahluwalia, die Erwartung für dieses Fiskaljahr auf 6,5 Prozent. Zusätzlich erschüttert der Skandal um den Datendienstleister Satyam die India Inc. Wie groß die Krise um Satyam-Gründer und Betrüger Ramalinga Raju ausfällt, ist noch völlig offen.

Die Kritik vor den Wahlen aber geht über das schwierige Tagesgeschäft weit hinaus: „Wir leben in einer Demokratie, die allenfalls teilweise Erfolge vorweisen kann“, holte Subodh Bhargava, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Tata Communications, auf der Industrieversammlung zum großen Schlag aus. „Das Parlament versagt völlig, um das Geringste zu sagen. Seine Mitglieder schwören, gegen Korruption vorzugehen, und lassen sich vom ersten Tag an bestechen. Solange wir verurteilte Kriminelle in unser Parlament entsenden, können wir nichts erwarten.“ Immer noch sind viele Politiker und Bürokraten der alten Generation dem Sozialismus verhaftet, den sie als Gegenentwurf zum Kolonialismus begreifen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Indisches Gericht Vögel haben ein Recht aufs Fliegen

Der Oberste Gerichtshof in Neu Delhi hat ein Urteil gefällt: Vögel dürfen nicht in Käfigen gehalten werden. Das betrifft insbesondere einen Vogelhändler, könnte jedoch ausgeweitet werden. Mehr

18.05.2015, 16:11 Uhr | Gesellschaft
Neu-Delhi Taxidienst Uber will ins Rikscha-Geschäft einsteigen

Der Taxidienst Uber will in das Geschäft mit Rikschas im indischen Neu-Delhi einsteigen. Indien ist nach den Vereinigten Staaten der größte Markt für das Unternehmen. Allerdings ist Uber nach Vergewaltigungsvorwürfen gegen einen Fahrer seit 2014 in Neu-Delhi verboten. Mehr

15.04.2015, 17:12 Uhr | Wirtschaft
Was Sie heute erwartet Überschaubare Terminlage

Nach dem verlängerten Pfingst-Wochenende stehen heute nur wenige Termine an. Unter anderem wird die Billigflieger-Linie Ryanair Bilanz ziehen. In Halle-Peißen beginnen die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Mehr

22.05.2015, 16:42 Uhr | Wirtschaft
Indien Frauen werden zu Karate-Cops

In der indischen Hauptstadt Neu Delhi lässt sich ein Team von Polizistinnen in Karate ausbilden. Durch den Kampfsport sollen sie Sicherheit gewinnen und diese auch an andere Frauen weitergeben. Mehr

22.02.2015, 10:29 Uhr | Gesellschaft
Diplome Pakistanischer Konzern wegen Handels mit falschen Titeln im Visier

Das Unternehmen Axact steht im Verdacht, mit gefälschten Hochschulzeugnissen zu handeln. Der Gründer des Unternehmens gehört zu den schillerndsten Unternehmern seines Landes. Jetzt wehrt er sich gegen die Vorwürfe. Mehr Von Christoph Hein und Roland Lindner

20.05.2015, 17:44 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.04.2009, 09:36 Uhr

Trübe Zukunft von RWE

Von Carsten Knop

Die Finanzindustrie war in der Krise systemrelevant und der Staat musste die Commerzbank retten. Die Ewigkeitskosten der Atomkraft lassen bald die Energieriesen straucheln. Da liegt der gedankliche Sprung zur Verstaatlichung von RWE nicht mehr fern. Mehr 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --