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Wirtschaftsforscher Axel Ockenfels „Ohne Atomkraft wird der Strom teurer.“

 ·  Sauberer, billiger, sicherer Strom - geht das? Wirtschaftsforscher Axel Ockenfels spricht im Interview über subventionierten Ökostrom, die Kosten des Atomausstiegs und ungebremste CO2-Emissionen.

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Herr Ockenfels, die Leute wollen sauberen, sicheren und billigen Strom. Ist denn das zu viel verlangt?

Ich würde mir das auch wünschen. Aber man muss sich schon entscheiden, wie wichtig die einzelnen Ziele sind. Sauberer Strom, vor allem durch Fotovoltaik, kostet heute mehr als Strom aus konventionellen Kraftwerken. Den höheren Preis zahlt der Kunde. Ebenso funktioniert der Emissionshandel als zentrales Instrument der Klimapolitik über Strompreise: je ambitionierter die Klimaziele, desto höher der Strompreis.

Aber die Politik vermittelt den Eindruck, sauber und billig sei gleichzeitig möglich.

Es ist offenbar politstrategisch unklug, steigende Strompreise oder Abstriche beim Klimaschutz anzukündigen. Ich befürchte nur, dass die große Unterstützung in der Bevölkerung für den Klimaschutz kippt, wenn die geschürten Erwartungen enttäuscht werden. Bei der Fotovoltaik hat sich mittlerweile rumgesprochen, dass die milliardenschweren Subventionen der Industrie und Hausbesitzer von den Stromkunden finanziert werden müssen – und das, obwohl der Klimaeffekt gegen null gehen dürfte.

Sind längere Laufzeiten für Kernkraftwerke sinnvoll?

Das ist eine politische Frage. Wer nach Abwägung aller Fakten das Risiko des Weiterbetriebs deutscher Kernkraftwerke unakzeptabel findet, hat einen guten Grund, dagegen zu sein. Auf der anderen Seite gibt es auch gute Gründe für den Weiterbetrieb. Die Kosten der Stromerzeugung und des Klimaschutzes spielen eine Rolle. Die Politik muss diese Abwägung vornehmen. Politischer Stillstand ist die ineffizienteste Entscheidung.

Machen denn längere Laufzeiten den Strom billiger?

Ja. Bei einem Ausstieg aus der Kernenergie steigen die CO2-Zertifikatspreise, da CO2-freie Stromerzeugung auch längerfristig teilweise durch Kohle und Gas ersetzt werden muss. Höhere Zertifikatspreise führen direkt zu höheren Strompreisen. Dazu kommt, dass bei einem Wegfall der Kernkraftwerke andere Kraftwerke mit höheren variablen Kosten abgerufen werden müssen, was ebenso preissteigernd wirkt. Und schließlich führt eine massive Verknappung der Erzeugungskapazität zu höheren, sogenannten Knappheitspreisen. Diese drei Effekte addieren sich auf, so dass der Preis bei einem Ausstieg aus der Kernenergie im Vergleich zu einer Laufzeitverlängerung deutlich ansteigen wird.

Der Preis hängt doch vom teuersten Kraftwerk ab, das sind doch meistens Gaswerke, oder?

Genauer gesagt, hängt der Preis auf Strommärkten von den Kosten einer zusätzlichen Einheit im System ab. Diese zusätzlichen Kosten steigen, wenn der Zertifikatspreis steigt, wenn Kapazitäten zum Zuge kommen, die vorher nicht eingesetzt waren, und wenn die Erzeugungskapazitäten knapper werden.

Sind die vier Kernkraftwerksbetreiber Eon, RWE, EnBW und Vattenfall nicht zu mächtig und bestimmen so die Preise?

Marktmacht ist auf allen Strommärkten ein wichtiges Thema. Deshalb ist es gut, wenn der Markt regelmäßig durchleuchtet wird, wie zurzeit vom Bundeskartellamt. Allerdings basierten in der Vergangenheit viele Vorwürfe der Marktmachtausübung auf einem falschen Verständnis der Wettbewerbsmechanismen in Strommärkten. Tatsächlich rangiert die deutsche Marktstruktur und die deutsche Strombörse im internationalen Vergleich bei vielen Indikatoren auf den besten Plätzen. Auch ist es nicht so, dass die deutschen Börsenpreise etwa im europäischen Vergleich überhöht wären.

Was würde im theoretischen Fall passieren, wenn Eon, RWE und Co ihre Atomkraftwerke abstellten?

Deutschland würde zum Stromimporteur, die Strompreise würden steigen, der Klimaschutz würde teurer. Andererseits würden die mit deutscher Kernkraft verbundenen Risiken abnehmen. Das Risiko von Engpässen in der Stromversorgung könnte steigen. Dies könnte dann zu einer ernsten Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft werden. Viele Experten sind allerdings eher optimistisch, dass es so weit nicht kommen würde.

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Das Gespräch führte Winand von Petersdorff.

Quelle: F.A.Z.
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