Home
http://www.faz.net/-gqg-6kd4v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Wirtschaftsforscher Axel Ockenfels „Ohne Atomkraft wird der Strom teurer.“

Sauberer, billiger, sicherer Strom - geht das? Wirtschaftsforscher Axel Ockenfels spricht im Interview über subventionierten Ökostrom, die Kosten des Atomausstiegs und ungebremste CO2-Emissionen.

© dpa Vergrößern „Es gibt auch gute Gründe für den Weiterbetrieb. Die Kosten der Stromerzeugung und des Klimaschutzes spielen eine Rolle”

Herr Ockenfels, die Leute wollen sauberen, sicheren und billigen Strom. Ist denn das zu viel verlangt?

Ich würde mir das auch wünschen. Aber man muss sich schon entscheiden, wie wichtig die einzelnen Ziele sind. Sauberer Strom, vor allem durch Fotovoltaik, kostet heute mehr als Strom aus konventionellen Kraftwerken. Den höheren Preis zahlt der Kunde. Ebenso funktioniert der Emissionshandel als zentrales Instrument der Klimapolitik über Strompreise: je ambitionierter die Klimaziele, desto höher der Strompreis.

Mehr zum Thema

Aber die Politik vermittelt den Eindruck, sauber und billig sei gleichzeitig möglich.

Es ist offenbar politstrategisch unklug, steigende Strompreise oder Abstriche beim Klimaschutz anzukündigen. Ich befürchte nur, dass die große Unterstützung in der Bevölkerung für den Klimaschutz kippt, wenn die geschürten Erwartungen enttäuscht werden. Bei der Fotovoltaik hat sich mittlerweile rumgesprochen, dass die milliardenschweren Subventionen der Industrie und Hausbesitzer von den Stromkunden finanziert werden müssen – und das, obwohl der Klimaeffekt gegen null gehen dürfte.

Axel Ockenfels © F.A.Z.-Foto Rainer Wohlfahrt Vergrößern „Es mangelt nicht an ausgezeichneten Vorschlägen”: Wirtschaftsforscher Axel Ockenfels

Sind längere Laufzeiten für Kernkraftwerke sinnvoll?

Das ist eine politische Frage. Wer nach Abwägung aller Fakten das Risiko des Weiterbetriebs deutscher Kernkraftwerke unakzeptabel findet, hat einen guten Grund, dagegen zu sein. Auf der anderen Seite gibt es auch gute Gründe für den Weiterbetrieb. Die Kosten der Stromerzeugung und des Klimaschutzes spielen eine Rolle. Die Politik muss diese Abwägung vornehmen. Politischer Stillstand ist die ineffizienteste Entscheidung.

Machen denn längere Laufzeiten den Strom billiger?

Ja. Bei einem Ausstieg aus der Kernenergie steigen die CO2-Zertifikatspreise, da CO2-freie Stromerzeugung auch längerfristig teilweise durch Kohle und Gas ersetzt werden muss. Höhere Zertifikatspreise führen direkt zu höheren Strompreisen. Dazu kommt, dass bei einem Wegfall der Kernkraftwerke andere Kraftwerke mit höheren variablen Kosten abgerufen werden müssen, was ebenso preissteigernd wirkt. Und schließlich führt eine massive Verknappung der Erzeugungskapazität zu höheren, sogenannten Knappheitspreisen. Diese drei Effekte addieren sich auf, so dass der Preis bei einem Ausstieg aus der Kernenergie im Vergleich zu einer Laufzeitverlängerung deutlich ansteigen wird.

Der Preis hängt doch vom teuersten Kraftwerk ab, das sind doch meistens Gaswerke, oder?

Genauer gesagt, hängt der Preis auf Strommärkten von den Kosten einer zusätzlichen Einheit im System ab. Diese zusätzlichen Kosten steigen, wenn der Zertifikatspreis steigt, wenn Kapazitäten zum Zuge kommen, die vorher nicht eingesetzt waren, und wenn die Erzeugungskapazitäten knapper werden.

Sind die vier Kernkraftwerksbetreiber Eon, RWE, EnBW und Vattenfall nicht zu mächtig und bestimmen so die Preise?

Marktmacht ist auf allen Strommärkten ein wichtiges Thema. Deshalb ist es gut, wenn der Markt regelmäßig durchleuchtet wird, wie zurzeit vom Bundeskartellamt. Allerdings basierten in der Vergangenheit viele Vorwürfe der Marktmachtausübung auf einem falschen Verständnis der Wettbewerbsmechanismen in Strommärkten. Tatsächlich rangiert die deutsche Marktstruktur und die deutsche Strombörse im internationalen Vergleich bei vielen Indikatoren auf den besten Plätzen. Auch ist es nicht so, dass die deutschen Börsenpreise etwa im europäischen Vergleich überhöht wären.

Was würde im theoretischen Fall passieren, wenn Eon, RWE und Co ihre Atomkraftwerke abstellten?

Deutschland würde zum Stromimporteur, die Strompreise würden steigen, der Klimaschutz würde teurer. Andererseits würden die mit deutscher Kernkraft verbundenen Risiken abnehmen. Das Risiko von Engpässen in der Stromversorgung könnte steigen. Dies könnte dann zu einer ernsten Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft werden. Viele Experten sind allerdings eher optimistisch, dass es so weit nicht kommen würde.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Was Sie heute erwartet Der neue Krieg gegen den Terror

Obama zieht gegen Isis zu Felde. Deutschland ärgern die höheren Strompreise - exklusiv für Privatkunden. Mehr

11.09.2014, 07:29 Uhr | Wirtschaft
Sonys Sideboard-Beamer

Das wirklich einzige Problem bei diesem Gerät ist der Preis. Es kostet 50.000 Dollar und ist ab Oktober in Amerika erhältlich. Nächstes Jahr soll es nach Deutschland kommen. Wir können uns den Sideboard-Beamer leider nicht leisten. Mehr

05.09.2014, 10:45 Uhr | Technik-Motor
Leitungsbau Noch 50 Milliarden Euro für das Stromnetz?

Der Bundeswirtschaftsminister hat rechnen lassen. Die Zahlen haben es in sich: Auf die Verbraucher kommen für den Leitungsbau Preisaufschläge von bis zu zwanzig Prozent zu. Mehr

23.09.2014, 06:59 Uhr | Wirtschaft
Eine Chronik des Scheiterns

Seit zehn Jahren steht fest, dass der Berliner Flughafen gebaut wird. Seitdem sind die Kosten immer weiter gestiegen, die Liste der Baumängel wurde immer länger. Nur ein Eröffnungsdatum gibt es noch nicht. Mehr

13.08.2014, 10:27 Uhr | Wirtschaft
Ökostrom-Umlage Haushalte zahlen, Unternehmen sparen 

Während die Strompreise für Privatkunden in die Höhe schnellen, konnten energieintensive Betriebe ihre Kosten sogar senken. Sie wollen auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig bleiben. Mehr

11.09.2014, 06:51 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 30.08.2010, 06:08 Uhr

Klimapflege

Von Heike Göbel

Die Kanzlerin sagt ihren Besuch beim Klimagipfel ab und geht stattdessen zum „Tag der Industrie“. Die Grünen sind empört. Doch Angela Merkel muss dringend auf die Industrie zugehen, dort hat sich Ärger angestaut. Mehr 14


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Das alte Handy kann mehr als 300 Euro bringen

Wer sich ein neues iPhone zulegt, kann sein altes Handy zu Geld machen. Aber wieviel gibt es dafür noch? Ein Überblick. Mehr 3