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Veröffentlicht: 31.10.2013, 05:30 Uhr

Winzer Der Wein wird knapp

Die Chinesen und Amerikaner trinken immer mehr. Und Europas Winzer ernten weniger. Das kann nicht lang gutgehen. Schon bald dürfte laut einer Studie die Erzeugung nicht mehr ausreichen.

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© dpa Ein Erntehelfer im Weinberg füllt den Container mit Trauben der Sorte Riesling

Das regnerische Herbstwetter ärgert derzeit die deutschen Winzer. So wie Hans-Herbert Grossarth in Odernheim in der Pfalz: Ein Teil der Riesling-Ernte, sagt er, verfaule ihm derzeit an den Rebstöcken. Solcherlei Frustrationen gehören zum Winzerleben, und andererseits  war die Ernte in den vergangenen Jahren gut. Zumindest für deutsche Winzer ist es auch eine gute Nachricht, was die Analysten der Bank Morgan Stanley in dieser Woche vorhersagten: Auf der Welt wird der Wein knapp. Und weil Deutschland, wie auch Südeuropa, Weinexporteur ist, dürfte sich das in den kommenden Jahren in weiter steigenden Preisen und Ausfuhrerlösen widerspiegeln.

Jan Grossarth Folgen:

Aus Sicht der Weintrinker aber ist es eine schlechte Nachricht. „Die Nachfrage wird unseren neuesten Daten zufolge das Angebot in den kommenden Jahren  nicht befriedigen können“, heißt es in der Analyse von Morgan Stanley.

Die Erzeugung von Wein auf der Welt habe den Höhepunkt längst überschritten. Sie geht den Daten zufolge schon seit etwa acht Jahren merklich zurück. Das zeigen die Daten für die drei größten Anbauländer der Welt: Spanien, Frankreich, Italien. Nur China verdoppelte seine Weinanbaufläche in gut zehn Jahren nahezu. Das Land, in dem es zur Jahrtausendwende noch kaum Weinanbau gab, zählt heute zu den führenden zehn Weinerzeugerländern.

Die Deutschen sind Netto-Importeure von Wein

Trotzdem brach die Welt-Erzeugung im vergangenen Jahr insgesamt laut dem Papier um fünf Prozent ein gegenüber dem Vorjahr – auf den niedrigsten Wert seit etwa fünfzig Jahren. Das liegt an schrumpfenden Anbauflächen. Über den genauen Anteil, den der Klimawandel daran hat, ist sich die Wissenschaft nicht einig. Sicher ist, dass die Winzer mehr Wetterextremen ausgesetzt sind und die Rebstöcke verstärkt bewässern müssen. Schon jetzt sind deutliche Verschiebungen der Anbauregionen etwa von mediterranen in nördlichere Regionen bemerkbar; im Rheingau etwa bauen die Winzer seit Jahren mediterrane Sorten wie Merlot an.

Derweil steigt der weltweite Konsum – um etwa ein Prozent im Jahr 2012. Das liegt laut der Morgan-Stanley-Untersuchung vor allem daran, dass die Chinesen und Amerikaner mehr und mehr Wein trinken. Hinter Frankreich sind dies die Länder mit dem höchsten Weinkonsum. In Südeuropa geht der Verbrauch hingegen zurück, in Deutschland stagniert er in etwa.

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So groß, wie für dieses Jahr erwartet, war die Lücke zwischen Nachfrage und Erzeugung lange nicht. Seit Jahren geht das so: Weniger Erzeugung, größerer Durst. Nie war global mehr Wein erzeugt worden, als in den frühen Achtzigerjahren – rund ein Viertel mehr als heute. Nur während der Finanzkrise 2008 gab es einen konjunkturbedingten Einbruch. „300 Millionen Kisten“ (á 12 Flaschen oder 9 Liter) betrage die Versorgungslücke im laufenden Jahr, meint Morgan Stanley.

Deswegen leeren sich die Läger seit langem. Deutsche Winzer wie Hans-Herbert Grossarth können nur einen kleinen Teil der globalen Nachfrage befriedigen. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag vor wenigen Monaten mitteilte, gingen die inländischen Sekt- und Weinvorräte insgesamt auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung zurück. Ende Juli 2012 hätten Winzer und Händler gemeinsam nur noch rund 1 Milliarde Liter in den Kellern, 560 Millionen Liter weniger als 1991. Das liege an der großen Nachfrage nach deutschem Wein, teilte das Deutsche Weininstitut schon damals mit. Etwa ein Fünftel des deutschen Weins geht ins Ausland. 

Zwar ist der Riesling ein Exportschlager, aber insgesamt sind die Deutschen Netto-Importeure von Wein. Sie trinken mehr als doppelt so viel, wie die Winzer hierzulande ernten. Etwas mehr als die Hälfte der weltweiten Weinerzeugung entfällt auf Europa. Deutschland rangiert etwa auf Platz 20 weit hinter China, Russland oder den Vereinigten Staaten, zeigt eine Zusammenstellung der Universität Hohenheim.

Quelle: FAZ.NET

 

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