30.06.2008 · Der Wiederaufbau des zerstörten World Trade Center wird länger dauern und mehr kosten als bisher geplant. Hinter den Kulissen werden ein Zeitverzug von bis zu drei Jahren sowie zusätzliche Kosten von bis zu 3 Milliarden Dollar befürchtet.
Von Norbert Kuls, New YorkDer Wiederaufbau des zerstörten World Trade Center wird länger dauern und mehr kosten als bisher geplant. Das teilte die Hafenbehörde von New York und New Jersey, der das Areal im südlichen Manhattan gehört, am Montag mit. In ihrem offiziellen Zwischenbericht machte die Behörde allerdings keine detaillierten Prognosen zum neuen Zeitrahmen oder zu den erwarteten Kosten. Hinter den Kulissen werden aber ein Zeitverzug von bis zu drei Jahren sowie zusätzliche Kosten von bis zu 3 Milliarden Dollar befürchtet. Ein Sprecher der Hafenbehörde bezeichnete diese Schätzungen aber als zu pessimistisch. „Jeder, der schon heute Termine und Budgets nennt, müsste eine Kristallkugel haben“, sagte Behördensprecher Stephen Sigmund. Der bisherige Zeitplan sah eine gestaffelte Fertigstellung der Hochhäuser von 2012 bis 2013 vor. Die erwarteten Herstellungskosten wurden mit rund 15 Milliarden Dollar beziffert.
Der Wiederaufbau des World Trade Center wurde von Politikern als Symbol der Widerstandsfähigkeit New Yorks und der Vereinigten Staaten nach den Terrorattacken gefeiert. Jetzt kämpfen die Verantwortlichen aber offenbar mit logistischen Schwierigkeiten und mangelnder Abstimmung bei dem komplexen Projekt. Christopher Ward, der neue Geschäftsführer der Hafenbehörde, drängt daher auf einen neuen Ausschuss für die Koordination des Wiederaufbaus.
Gedenkstätte sollte eigentlich bis zum 11. September 2011 fertig sein
Am weitesten von ihrem Terminplan entfernt ist die Station „World Trade Center“ der Path-Pendlerzüge, die New Jersey mit Manhattan verbinden. Ursprünglich sollte dieser Verkehrsknotenpunkt schon 2009 eingeweiht werden. Mittlerweile wird ausgeschlossen, dass das Drehkreuz vor 2013 fertig wird. Da die Projekte in Verbindung miteinander stehen, könnte das zu weiteren Verspätungen führen. Um das Drehkreuz sollen große Einzelhandelsflächen entstehen. Vor den Anschlägen gehörten diese Flächen zu den profitabelsten in den Vereinigten Staaten.
Die Gedenkstätte für die Terroropfer sollte nach den bisherigen Plänen bis zum 11. September 2011, dem zehnten Jahrestag der Terroranschläge auf die Gebäude, fertiggestellt sein. Die erwarteten Verzögerungen könnten nun dazu führen, dass dieser Termin nicht eingehalten wird. Die Stiftung, die für die Planung der Gedenkstätte verantwortlich ist, hält bisher aber an ihrem Zeitplan fest.
Beim Hauptprojekt scheint der Zeitplan am ehesten einzuhalten
Den Zeitplan am besten einzuhalten scheint das Hauptprojekt, der Freedom Tower. Aber auch dessen bisher für Ende 2011 avisierte Fertigstellung dürfte sich mindestens bis 2013 verschieben.
Der Bericht der Hafenbehörde könnte auch die Verhandlungen über die Vermietung der neuen Wolkenkratzer erschweren. Die Investmentbank Merrill Lynch befindet sich seit geraumer Zeit in Gesprächen über den Einzug in eines der Hochhäuser. Presseberichten zufolge sind sich Merrill Lynch, die Hafenbehörde und der Immobilienentwickler Larry Silverstein, der das Haus baut, aber noch nicht nähergekommen. Insgesamt soll Silverstein bis 2013 drei der insgesamt fünf Büro-Hochhäuser des World-Trade-Center-Komplexes fertigstellen. Auch diese Terminplanung steht jetzt in Frage.
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