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Weltwirtschaft Selbstbewußte Gäste auf dem Treffen der G 7 in London

03.02.2005 ·  An diesem Freitag beginnt das Treffen der G7 mit wichtigen Themen: die Aufwertung des Yuan, die steigende Energienachfrage und die künftige Zusammensetzung der Gruppe. So wird China zum wichtigen Teilnehmer.

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Es geht um weit mehr als um den Austausch von Wertschätzungen, wenn eine ranghohe chinesische Delegation von Freitag an als Gast an den Beratungen der Finanzminister der sieben wichtigsten Industrienationen (G 7) in London teilnimmt. Zentrale Fragen dort werden die Währungspolitik, die Energiepolitik und auch die Ausweitung der G 7 sein. Die Chinesen werden wohl im Scheinwerferlicht stehen, doch sind sie nicht die einzigen Gäste: Auch Brasilien, Rußland, Indien und Südafrika sind geladen.

Für das Staatenquartett ohne Südafrika hat sich schon der Begriff „BRIC“ (Brasilien, Rußland, Indien, China) eingebürgert: Er soll als Kürzel für jene Länder gelten, über die Analysten der Investment-Bank Goldman Sachs schreiben: „Wenn alles richtig läuft, werden die BRIC-Volkswirtschaften in Dollar gerechnet in weniger als 40 Jahren gemeinsam größer sein als die bislang führenden sechs Länder der Erde. 2025 könnten sie schon für mehr als die Hälfte der heutigen G 6 stehen - augenblicklich liegen sie bei weniger als 15 Prozent. Von den heute sechs größten Ländern der Erde dürften 2050 nur noch Amerika und Japan ihre Stellung unter den ersten sechs verteidigt haben.“

Die künftige Zusammensetzung

Gerade erst hat China die Vereinigten Staaten als größten Handelspartner für Südkorea und für Japan, immerhin die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde, abgelöst. Mit ihrer Schlußfolgerung stehen die Goldman-Analysten längst nicht mehr allein da: „ Wir meinen, die G 7 sollte ersetzt werden durch eine größere Gruppe, die die heutige, sicher aber die künftige wirtschaftliche Wirklichkeit besser abbildet. In Erwartung weiteren Wachstums der BRIC-Länder sollten die G 7 sicherlich China aufnehmen, wahrscheinlich Brasilien und Rußland, nach Möglichkeit auch Indien. Damit würde dieser zentrale Entscheidungsblock der Weltwirtschaftspolitik auf acht oder neun Staaten wachsen.“

Letztlich appellieren sie damit für einen Ausschluß bisheriger G-7-Mitgliedsländer: „Wenn die G 7 ein Forum werden wollen, in dem wirklich die weltweite Wirtschaftspolitik diskutiert wird, dann würden Amerika, Japan, Deutschland, Frankreich und Großbritannien besser durch China und Indien ergänzt als durch Italien und Kanada.“ Am weitesteten lehnte sich Steven Roach von Morgan Stanley aus dem Fenster, als er empfahl, das G-7-Forum in eine neu zusammengesetzte G 5 umzuwandeln: Amerika, China, Großbritannien, die Europäische Union und Japan „könnten gemeinsam sehr aggressiv die Ursachen und Gegenmittel der weltweiten Ungleichgewichte diagnostizieren“, sagte er.

Zentraler Teilnehmer China

Die Notwendigkeit zur Veränderung zeigt schon die Themenliste für das Treffen in London: Ganz oben stehen der schwache Dollar und der schwache Yuan sowie die Energienachfrage. Die G 7 aber können ohne China, schon heute der zweitgrößte Rohölverbraucher der Erde, kaum sinnvoll nach einer Antwort auf die drückende Problematik steigender Ölpreise suchen. Allein im Dezember lag Chinas Ölverbrauch um 31 Prozent höher als im Vorjahr. Ein Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsproduktes von 9,5 Prozent im vergangenen Jahr aber deutet nicht auf eine Abkühlung der Konjunktur hin - ganz im Gegenteil (F.A.Z. vom 26. Januar). Schon heute ringen China und Indien mit Geld und Geschick um neue Ölquellen und Ölgesellschaften rund um die Erde. Indien bietet für Anteile an der russische Yukos Oil, Chinas Führung sucht die Nähe zu Afrika und Südamerika.

Trotz der drängenden Ölproblematik dürfte die Öffentlichkeit im Westen am umfassendsten und lautstärksten über den währenden Streit über den Kurs des chinesischen Yuan informiert werden. Dessen angebliche Unterbewertung - er ist seit einer Dekade zum Kurs von 8,277 an den amerikanischen Dollar gebunden - gilt nicht nur der amerikanischen Regierung immer wieder als Erklärung für die schwierige Lage im eigenen Land, beispielsweise für das enorme Leistungsbilanzdefizit und den Verlust von Arbeitsplätzen.

Chinesen haben Zeit

Schon am vergangenen Wochenende freilich haben die Chinesen unter anderem die mediale Öffentlichkeit auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos genutzt, um ihren Standpunkt einmal mehr zu verdeutlichen: Man wünscht keine überhastete Kursänderung, keine überhastete Aufwertung, erst recht keine überhastete Lösung der Bindung an den Dollar. „Sie brauchen uns gar nicht erst darum zu bitten, das zu tun, was Sie wollen“, sagte Li Ruogu, Stellvertretender Zentralbankchef Chinas an Amerikaner, Europäer und Japaner gerichtet. China bleibt dabei, zunächst sein Finanzsystem in Ordnung bringen zu wollen, um dann schrittweise eine Öffnung vorzunehmen. Trotzdem war aus Japans Delegation zu hören, allein die Einladung an Peking, am G-7-Gipfel teilzunehmen, dürfte die Chinesen schon zum Einlenken bringen. Zugleich gab es Stimmen, die einen Wandel in Chinas Währungspolitik im Zuge des chinesischen Neujahrsfestes am 9. Februar erwarten.

Danach aber sieht es derzeit nicht aus. Schon hat der japanische Yen sein Fünfjahreshoch von Mitte Januar wieder verlassen. Zuvor hatten Händler den Yen in der Hoffnung gekauft, daß eine Aufwertung Chinas die japanischen Exporte wettbewerbsfähiger machen werde. Chinas Interesse an einem Kursschwenk ist gering: Peking verwendet seine Kraft darauf, die eigene Wirtschaft unter Kontrolle zu behalten. In ihr vollzieht sich gerade ein wichtiger Wandel: Die staatlichen Investitionen verlieren an Gewicht.

Risiko Yuan-Aufwertung

Im Gegenzug gewinnt der ohnehin schon florierende Export noch zusätzliche Bedeutung, um die Arbeitslosigkeit im Rahmen zu halten. Dies aber muß das Hauptziel jeder Regierung Chinas sein, die weitere soziale und politische Umwälzungen vermeiden will. Auf der anderen Seite indes werden die Spekulationen auf die Yuan-Aufwertung inzwischen auch für China zum Risiko: Der Immobilienmarkt in den Metropolen und der Anleihenmarkt werden gerade durch Ausländer weiter angeheizt, die sich nach einer Aufwertung schnelle Gewinne erhoffen.

In der Debatte um neue Finanzierungsformen für Entwicklungshilfe wird es auf dem G7-Treffen aus Sicht der Bundesregierung keine Beschlüsse geben. Die Meinungen lägen noch weit auseinander, verlautete aus Regierungskreisen. Für den Vorschlag einer internationalen Steuer auf spekulative Finanzgeschäfte - die Tobin-Tax - gebe es keinen Konsens. (dpa)

Quelle: che., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2005, Nr. 28 / Seite 16
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