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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Weltwirtschaft IWF will Ungleichgewichte abbauen

 ·  Deutschland und China sollen ihre Binnennachfrage stärken, um das weltwirtschaftliche Ungleichgewicht zu verringern. Das fordert der Internationale Währungsfonds in einem neuen Bericht.

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© dpa Balanceakt: Deutschland exportiert nach Meinung des IWF zu viel

Der chinesische Yuan-Renminbi ist 5 bis 10 Prozent unterbewertet. Dollar und Yen sind um bis zu 10 Prozent überbewertet, der Euro um bis zu 5 Prozent. Deutschland würde dem weltwirtschaftlichen Gleichgewicht besser dienen, wenn es weniger Waren exportierte und mehr importierte. Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss, der in diesem Jahr rund 5,2 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen soll, läge idealerweise 4 bis 5 Prozentpunkte niedriger.

Deutschland und andere Überschussländer im Euroraum sollten für einige Jahre höhere Inflationsraten hinnehmen, damit Ungleichgewichte innerhalb des Euroraums abgebaut werden könnten. Das sind einige der Kernergebnisse eines neuen Berichts des Internationalen Währungsfonds zu den sogenannten globalen Ungleichgewichten.

Der Fonds bekräftigt in dem Bericht seine Empfehlung, dass Überschussländer wie Deutschland und China durch strukturelle Reformen ihre Binnennachfrage stärken sollen, um die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte zu verringern. Ausdrücklich betont der Fonds, dass in Ländern wie China eine „wünschenswerte soziale Absicherung“ notwendig sei, um globale Ungleichgewichte abzubauen.

Welche Politik ist wünschenswert?

Die Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite sind nach dem Höhepunkt im Jahr 2006 mit der Finanz- und Wirtschaftskrise generell geschrumpft. Der Fonds warnt indes, dass die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte durch den Nachfrageeinbruch während der Krise nur überdeckt worden seien.

Die testweise veröffentlichte Pilot-Studie hat Gewicht, weil der Währungsfonds damit versucht, seine Analyse der globalen Ungleichgewichte auf eine neue analytische Grundlage zu stellen. Dabei rücken die Fonds-Ökonomen einige Missverständnisse zurecht. So stellt der Fonds klar, dass Leistungsbilanzüberschüsse oder -defizite nicht per se schlecht sind. „Ungleichgewichtig“ sind Leistungsbilanzsalden nach Analyse des Fonds nur in dem Ausmaß, in dem sie mit fundamentalen Wirtschaftsdaten und einer „wünschenswerten“ Politik nicht übereinstimmen. Der IWF vergleicht damit die aktuellen Leistungsbilanzsalden mit einem fiktiven Saldo, der sich ergäbe, wenn die Regierungen den wirtschaftspolitischen Ideen des IWF folgten.

Diese Vorgehensweise wird für Diskussionen sorgen, weil damit als entscheidende Frage in den Vordergrund rückt, welche Politik wünschenswert sei. Der Währungsfonds blickt zum einen auf übliche Einflussfaktoren wie die Fiskalpolitik, Interventionen in die Devisenmärkte oder Kapitalverkehrskontrollen. Er geht aber darüber hinaus und nennt als Einflussfaktor für die Bestimmung von globalen Ungleichgewichten auch eine „wünschenswerte soziale Absicherung“.

Dahinter steht die Idee, dass Menschen weniger für das Alter sparen und mehr konsumieren, wenn sie durch staatliche Sozialsysteme geschützt sind. Nach Analyse des Fonds und mit Blick gerade auf China dämpfen soziale Sicherungssysteme deshalb die Leistungsbilanzüberschüsse.

Der Fonds versucht mit dem Pilot-Bericht, seine Überwachung der Weltwirtschaft zu schärfen und mehr Einfluss auf die wirtschaftspolitische Diskussion zu gewinnen. Der Bericht unterstreicht, wie sehr die sogenannten weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte durch wirtschaftspolitische Entscheidungen in vielen IWF-Mitgliedstaaten hervorgerufen werden. Dabei geht es dem Fonds weniger um kurzfristige keynesianische Nachfrageimpulse, sondern um strukturelle Änderungen der Wirtschaftspolitik. Die Mehrzahl der Industriestaaten muss nach der Analyse ihre Neuverschuldung deutlich abbauen, was Leistungsbilanzüberschüsse in anderen Ländern verringere.

Viele Schwellenländer hätten hinreichend Währungsreserven aufgebaut, so dass der Fonds eine vorsichtige Lockerung von Kapitalverkehrsbeschränkungen und - gerade mit Blick auf China - beweglichere Wechselkurse empfiehlt. Ausdrücklich betont der IWF, dass eine Flexibilisierung von Arbeits- und Gütermärkten in vielen Schwellenländern und in den Peripherieländern des Euroraums geboten sei, um außenwirtschaftliche Ungleichgewichte zu verringern.

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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