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Welthandel Asien plant eine Freihandelszone

26.10.2009 ·  Im Zeichen der Krise rückt Asien immer enger zusammen. Auf einem Gipfel der zehn südostasiatischen Länder mit ihren großen Nachbarn wurden gleich mehrere Vorschläge zum Zusammenschluss Asiens zu einer riesigen Freihandelszone vorgestellt. In ferner Zukunft könnte sie die Hälfte der Menschheit umfassen.

Von Christoph Hein, Singapur
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Im Zeichen der Krise rückt Asien immer enger zusammen. Auf dem am Wochenende im thailändischen Hua Hin zu Ende gegangenen Gipfel der zehn südostasiatischen Länder (Asean) mit ihren großen Nachbarn wurden gleich mehrere Vorschläge zum Zusammenschluss Asiens zu einer riesigen Freihandelszone vorgestellt. In ferner Zukunft könnte sie die Hälfte der Menschheit und ein Drittel des Bruttosozialproduktes der Welt umfassen.

Im Kern geht es darum, wie schnell und unter welchen Vorzeichen sich Asean mit Japan, China, Indien, Südkorea, Australien und Neuseeland auf eine auch formal noch engere Zusammenarbeit einigen wird. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao verwies in Hua Hin schon darauf, dass der Handel zwischen dem Norden der Region und Südostasien sich wieder den gewohnten hohen Wachstumsraten annähere. Er bot weitreichende Hilfe etwa für die Infrastruktur und die ländliche Entwicklung Südostasiens an. Peking nutzt diese in den Empfängerländern gern gesehenen Offerten seit Jahren, um seinen Einfluss - auch auf Kosten Amerikas - in Südostasien auszubauen.

Gebiet könnte ein Drittel des Bruttosozialprodukts der Welt umfassen

Mindestens vier Vorschläge zum Zusammenwachsen der Region liegen auf dem Tisch. Der spektakulärste davon ist die Gründung einer Freihandelszone aus Japan, China, Südkorea und Asean (EAFTA). In Hua Hin legten Fachleute, die seit 2005 über dem Plan brüten, eine Machbarkeitsstudie vor. Eine gleichzeitig angelegte Studie über den Aufbau einer "Umfassenden Wirtschaftspartnerschaft in Ostasien" (CEPEA) unter Einbindung von Indien, Australien und Neuseeland wurde am gestrigen Sonntag vorgestellt. Die Wirtschaftsminister der beteiligten Länder werden die Vorschläge nun prüfen. Das Gebiet umfasst mit 3,1 Milliarden Einwohnern die Mehrheit der Menschheit und ein gemeinsames Bruttoinlandsprodukt von 19 Billionen Dollar.

Peking drängt zugleich auf die Umsetzung der Asean-China Freihandelszone (ADFTA). Konkurrent Indien hält dagegen, so weit es geht. Ministerpräsident Manmohan Singh sagte in Hua Hin: "Wir sind überzeugt, dass Indiens Zukunft und unseren Wirtschaftsinteressen am besten gedient ist, wenn wir in tiefere Verhandlungen mit unseren asiatischen Nachbarn eintreten."

Japans neuer Ministerpräsident Yukio Hatoyama versuchte unterdessen, die Flagge seines Partners Amerika hochzuhalten. Zugleich sprach er sich für den Aufbau einer Ostasiatischen Gemeinschaft (EAC) "auf lange Sicht" aus. Realistisch ist das unter Beteiligung Amerikas kaum: Denn China hat nicht das geringste Interesse an einer Einbindung Amerikas. Australiens Ministerpräsident Kevin Rudd propagierte einen Mittelweg: Eine Asiatisch-Pazifische Gemeinschaft (APC) 2020 unter Einbindung Amerikas, die vor allem der Krisenprävention etwa in den Bereichen Wirtschaft und Klima gelten sollte.

Bündelung der Kräfte

Die Ideen kommen einer Bündelung der Kräfte gleich, denn Asean verfügt schon heute über bilaterale Freihandelsverträge mit allen sechs beteiligten Staaten. Am 1. Januar des nächsten Jahres wird zudem der Freihandelsvertrag innerhalb Südostasiens mit seinen 570 Millionen Einwohnern und einer jährlichen Wirtschaftsleistung von 1,1 Billionen Dollar in Kraft treten. 2015 könnte dann eine Asean-Gemeinschaft mit Zügen einer Europäischen Union zustande kommen. Trotz weiterer Streitigkeiten, etwa zwischen Thailand und den Philippinen über Zölle für Reis, sollen dann gut 87 Prozent der Zölle im Inner-Asean-Handel auf null gestellt werden. Dies gilt zunächst für die führenden sechs Asean-Länder Indonesien, Malaysia, Thailand, Singapur, Brunei und die Philippinen. Die unterentwickelten Länder Vietnam, Kambodscha, Laos, und die Militärdiktatur Burma (Myanmar) werden später folgen.

Südostasien ist der Gewinner des Ringens der Supermächte um Einfluss in der Region. China hat Asean eine Kreditlinie über 15 Milliarden Dollar zum Aufbau der Infrastruktur zugesagt. Thailand möchte aus diesem Topf den Bau eines regionalen Autobahnnetzes fördern lassen. Japan hält dagegen und versprach Indonesien einen Yen-Kredit im Wert von 400 Millionen Dollar zur Bekämpfung des Klimawandels.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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