http://www.faz.net/-gqe-7k2sv

Wegen Zinsmanipulation : EU verhängt 1,7 Milliarden Euro Strafe gegen Banken

  • Aktualisiert am

Die Frankfurter Skyline Bild: Fabian Fiechter

Wegen Zinsmanipulation verdonnert die EU-Kommission sechs Geldhäuser zu einer Milliarden-Strafe. Darunter ist auch die Deutsche Bank: Sie muss 725 Millionen Euro zahlen.

          Die EU-Kommission bestraft sechs Finanzinstitute wegen der Manipulation von Zinssätzen wie dem Libor mit Rekordbußen von insgesamt 1,7 Milliarden Euro. Darunter ist auch die Deutsche Bank, sie muss 725 Millionen Euro zahlen. Das teilte die Kommission in Brüssel mit.

          Zu den betroffenen Instituten zählen zudem die Royal Bank of Scotland, die französische Société Générale sowie die beiden amerikanischen Banken Citigroup und JP Morgan. Die britische Bank Barclays und die Schweizer UBS kommen um Strafen herum, weil sie die Kartellwächter über die Manipulation informiert hatten.

          So funktionierte die Libor-Manipulation:

          Wie haben die Banken den Libor-Zins manipuliert? Das erklären unsere Zeichnungen. Bilderstrecke

          Die Banken aus Europa und den Vereinigten Staaten hätten sich bei der Festlegung von Referenzzinssätzen für den globalen Finanzmarkt abgesprochen und diese dadurch manipuliert - etwa um Handelsgewinne einzustreichen. Diese Praktiken betrafen nach EU-Angaben den in London festgestellten Libor, sein Euro-Pendant Euribor und den japanischen Tibor.

          Die Referenzzinsen gelten als Basis für Finanzgeschäfte von Hunderten Billionen Dollar, zahlreiche Kredite sind daran gekoppelt. Nach dem Willen der Aufseher soll das System wegen der Manipulationen nun geändert werden.

          „Der heutige Beschluss ist ein deutliches Signal, dass die Kommission fest entschlossen ist, Kartelle im Finanzsektor zu bekämpfen und zu sanktionieren“, erklärte der dafür zuständige EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia.

          Deutsche Bank verbietet Mitarbeitern Chats

          Die EU-Kommission hat nunmehr rund zwei Jahre gegen die Banken ermittelt. Nach EU-Recht sind Absprachen zum Schaden von Konkurrenten oder Verbrauchern verboten. Die EU-Kommission kann Geldbußen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes aussprechen.

          Unterdessen blockiert die Deutsche Bank nun aus Angst vor einem weiteren Manipulations-Skandal den Austausch elektronischer Nachrichten ihrer Händler mit Mitarbeitern anderer Banken. „Wir haben die Nutzung von Multi-Party-Chatrooms im Devisenhandel bereits im ersten Quartal untersagt und haben das inzwischen auch auf andere Bereiche im Geschäft mit festverzinslichen Papieren ausgeweitet“, bestätigte ein Sprecher der Deutschen Bank in Frankfurt.

          Angeblich haben auch die zusammen mit der Deutschen Bank im Devisenhandel weltweit führende amerikanische Bank Citigroup, die britische Bank Barclays und die UBS  Internet-Chats verboten.

          Solche Internet-Plattformen stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen von Aufsichtsbehörden, die weltweit dem Verdacht von Manipulationen wichtiger Indizes und Referenzkurse durch eine Vielzahl von Banken nachgehen. Sie durchforsten Tausende dieser Kurz-Botschaften, um Hinweise zu erhalten, ob sich Händler unerlaubt über Kurse ausgetauscht haben. Auf diese Weise waren sie auch den Ungereimtheiten bei der Ermittlung des Libor- und Euribor-Interbankenzinssatzes auf die Spur gekommen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.