http://www.faz.net/-gqe-7jp3m

Warschau : Klimagipfel-Teilnehmer ringen um ein Ergebnis

Umweltaktivisten protestieren während des Klimagipfels. Die meisten Nichtregierungsorganisationen haben den Gipfel mittlerweile verlassen. Bild: REUTERS

Der neueste Textentwurf der Klimagipfel-Teilnehmer für eine gemeinsame Erklärung spricht Bände: Die Länder würden „eingeladen“ bis 2015 ihre Ziele zum Abbau der Emissionen zu benennen, heißt es dort. Schwammiger geht es kaum.

          Zu Beginn des letzten Tages des zweiwöchigen Klimagipfels in Warschau ist noch kein klares Ergebnis absehbar. Es gebe zwar einige Fortschritte, doch seien wichtige Punkte noch offen, sagte der deutsche Delegationsleiter Karsten Sach am Freitag. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), der am Mittwoch vor der Konferenz gesprochen hatte, nimmt nicht mehr an den Verhandlungen teil, weil er bei den Koalitionsgesprächen in Berlin gebraucht wird. Der 19. Klimagipfel in Warschau soll vor allem den Weg für den Weltklimavertrag ebnen helfen, der in zwei Jahren Anfang Dezember in Paris beschlossen werden soll. Paris wurde als Tagungsort dafür nun offiziell benannt.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der Weg dorthin ist aber noch weit. Nach nächtlichen Verhandlungen wurde am Freitagmorgen ein neuer Textentwurf für eine Abschlusserklärung vorgelegt. Darin heißt es nur, die 195 Länder würden „eingeladen“ bis 2015 ihre Ziele zum Abbau der Treibhausgasemissionen zu benennen, damit der Anstieg der Erdtemperatur auf zwei Grad Celsius begrenzt werden kann.

          Deutschland und der EU gehen die Formulierungen nicht weit genug. Altmaier hatte sich mehrfach für einen klaren und verbindlichen Fahrplan ausgesprochen, damit die Staaten ihre Ziele bis zum Sondertreffen im September 2014 in New York konkretisieren. Verbindliche Vorgaben gelten der deutschen Delegation als „ein Schlüssel für den Erfolg des Treffens von Paris“.

          China und Indien zu bindenden Zusagen nicht bereit

          Wenn dann, was absehbar ist, noch Nachbesserungsbedarf bestünde, gäbe es genug Zeit, die Ziele bis zum Treffen 2015 noch einmal zu schärfen. Etwa auf dem Ministertreffen Ende 2014 in Lima. Allerdings sind zu solchen international bindenden Zusagen einflussreiche Staaten nicht bereit. Dazu gehören China und Indien. Auch Russland habe seine wenig konstruktive Rolle der vergangenen Jahre nicht abgelegt, wird im Warschauer Konferenzzentrum berichtet. Brasilien habe mehrfach hervorgehoben, in Fragen der Finanzierung müssten die, die eine „historische Verantwortung“ trügen, mehr tun. Gemeint sind damit die Industriestaaten.

          Als ein Zeichen guten Willens sagten vor allem europäischen Staaten zu, bis Jahresende 100 Millionen Dollar in einen Fonds zu zahlen, der Entwicklungsstaaten bei der Anpassung an den Klimawandel helfen soll. Einen Löwenanteil davon zahlen Deutschland und Schweden. Der Fonds sollte eigentlich aus dem Emissionshandel finanziert werden, doch reichen die Gelder nicht, weil die Preise für die Emissionsrechte an der Börse zusammengebrochen sind. Deutschland zahlt dieses Jahr nach Regierungsangaben 1,8 Milliarden Euro für internationale Klimaschutzprojekte.

          Bis 2020 sollen jedes Jahr 100 Milliarden Euro aus öffentlichen und privaten Mitteln für den Klimaschutz aufgebracht werden. Der grüne Klimafonds, der die Gelder verwalten soll, soll im Frühjahr 2014 arbeitsfähig sein. Möglicherweise könnte schon im Sommer eine erste Zahlungsrunde begonnen werden. Doch liegt auch hier liegt der Teufel im Detail: Nach welchem Muster wer in den Fonds einzahlen soll und nach welchen Kriterien die Mittel ausgegeben werden, steht noch nicht fest. Fortschritte erzielten die Unterhändler jedoch bei Programmen zum Waldschutz und zur Wiederaufforstung von Wäldern, die bedeutende Kohlendioxidspeicher sind.

          Gipfelteilnehmer stellten sich angesichts der vielen strittigen Punkte auf eine lange Nacht ein. Klimakonferenzen dauern meist bis in den frühen Samstagmorgen, zuweilen wird sogar noch länger überzogen. Vor zwei Jahren in Durban endeten die Verhandlungen erst am Sonntag.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Russland und der Westen : Es bleibt frostig

          Der Winter kommt nicht, er ist längst da. Trumps Sicherheitsberater McMaster und Russlands Außenminister Lawrow schenken sich auf der Sicherheitskonferenz in München nichts.
          Nur den QR-Code scannen: Anders als die Deutschen zahlen die Chinesen gern mit dem Smartphone.

          Bezahlsystem : Chinas Antwort auf Paypal

          Hunderte Millionen Chinesen zahlen mit der Smartphone-App Alipay. Ginge sein Betreiber Ant Financial – zu Deutsch: Finanzameise – an die Börse, wäre er so viel wert wie Goldman Sachs.
          Der Fotograf Patrick Demarchelier bei einer Fashion-Show im Herbst 2012.

          Belästigungsskandal : Models erheben schwere Missbrauchsvorwürfe

          Neue Missbrauchsvorwürfe in der Modebranche: Mehr als 50 Frauen beschuldigen mindestens 25 Männer der Modewelt, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. Sie sprechen damit ein Jahrzehnte altes Problem der Branche an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.