Home
http://www.faz.net/-gqe-7hpe0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Warren Buffett „Die Fed ist der größte Hedgefonds der Geschichte“

Der berühmte Investor Warren Buffett vergleicht die amerikanische Notenbank mit einem spekulativen Hedgefonds. Zudem möchte er Ben Bernanke als Vorsitzenden der Fed behalten.

© AFP Vergrößern Warren Buffett

Der bekannte amerikanische Investor Warren Buffett hat die Notenbank der Vereinigten Staaten mit einem spekulativen Hedgefonds verglichen. „Die Fed ist der größte Hedgefonds der Geschichte“, sagte Buffett vor Studenten der Georgetown Universität in Washington. Buffett begründete das mit den hohen Erträgen der Federal Reserve, die in den vergangenen Jahren mit Anleihekäufen ihre Bilanz auf mehr als 3,7 Billionen Dollar ausgeweitet hat. Die Fed erwirtschafte „wahrscheinlich 80 Milliarden bis 90 Milliarden Dollar im Jahr“ für die Regierung, sagte Buffett nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Vor ein paar Jahren war das noch nicht der Fall.“

Norbert Kuls Folgen: Patrick Welter Folgen:

Buffett empfahl in einem Fernseh-Interview, den Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke für weitere vier Jahre zu berufen. „Er mag gehen wollen, aber ich denke, dass er seit der Panik vor fünf Jahren eine großartige Arbeit gemacht hat“, sagte Buffett. Erwartet wird, dass die Fed-Vizevorsitzende Janet Yellen für Bernanke aufrücken wird. Buffett ist der Vorstandsvorsitzende der Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway, unter deren Dach sich mehr als achtzig Tochtergesellschaften befinden.

Mehr zum Thema

Im vergangenen Jahr hatte die Fed einen Nettoüberschuss vor Ausschüttung von 90,1 Milliarden Dollar erzielt und davon 88,4 Milliarden Dollar an die Regierung überwiesen. Das ist mehr als doppelt so viel wie vor der Krise. Der größte Anteil resultiert aus Zinseinkünften auf die Staatsanleihen und die Hypothekenpapiere staatlicher Immobilienfinanzierer, die die Zentralbank zur geldpolitischen Lockerung gekauft hat. Der Scheck an den Finanzminister ist so kein Zugewinn für den Staat: Im Kern gibt die Fed die Zinseinkünfte zurück, die sie zuvor vom Ministerium erhalten hat.

Erst am Mittwoch hatte die Fed weitgehend unerwartet entschieden, ihre Anleihekäufe von derzeit 85 Milliarden Dollar im Monat vorerst nicht zu verringern. Buffett sieht die Notenbank nicht in Zugzwang, die lockere Geldpolitik schnell zu beenden. Die Fed stehe nicht unter dem geringsten Druck, „ihren Verschuldungsgrad abzubauen“, sagte der 83-Jährige den Studenten. Die Notenbank könne sich den Zeitpunkt aussuchen. Der Rückzug aus dem einzigartigen Ankaufprogramm berge jedoch unvorhergesehene Risiken. „Der Kauf von Wertpapieren ist normalerweise einfacher als der Verkauf“, sagte Buffett.

Mehr als 100 Milliarden Dollar Verlust im Jahr?

Parallelen zwischen der Federal Reserve und einem Hedgefonds erschließen sich nicht einfach. Hedgefonds sind Anlagevehikel für institutionelle Investoren wie Pensionsfonds und reiche Privatanleger. Sie suchen mit unterschiedlichen Anlagestrategien in allen Marktlagen nach überdurchschnittlichen Renditen. In der Regel zeichnen sich Hedgefonds durch eine hohe Flexibilität und häufige Umschichtungen ihres Portfolios aus. Gerade das macht die Fed nicht, die nur Staatsanleihen und Hypothekenpapiere staatlicher Immobilienfinanzierer kauft. Im Gegenzug zu herkömmlichen Anlagefonds kann die Fed unbegrenzt Wertpapiere kaufen, weil sie Geld drucken kann und für ihre Anlagen kein Kapital aufnehmen muss.

Absehbar ist schon jetzt, dass die Fed in der Zukunft auf Verluste zusteuert, wenn sie Wertpapiere wieder verkaufen will. Mit steigenden Zinsen in der geldpolitischen Normalisierung wird der Wert der Anleihen sinken. Ökonomen der Fed schließen nicht aus, dass die Notenbank dann mehr als 100 Milliarden Dollar Verlust im Jahr realisieren muss. Diese wird sie nie offen ausweisen: Die Notenbank wird die Verluste gegen einen neuen Bilanzposten buchen, der Ansprüche auf künftige Zinseinkommen sammelt.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Draghi warnt vor Folgen Die Geldpolitik kommt teuer

Mario Draghi und Janet Yellen betonen die langfristigen Risiken einer expansiven Geldpolitik. Damit nähern sich die Zentralbanker ihren schärfsten Kritikern an. Mehr Von Gerald Braunberger und Winand von Petersdorff

15.05.2015, 20:07 Uhr | Wirtschaft
Vereinigte Staaten Erste Frau an Spitze der amerikanischen Notenbank

Der amerikanische Senat gibt grünes Licht für Janet Yellen als neue Fed-Chefin. Mehr

04.03.2015, 11:22 Uhr | Wirtschaft
Anleihenkäufe EZB-Patzer verärgert Märkte

Am Finanzmarkt sollten alle gleich sein. Doch am Mittwoch sind zahlreiche Marktteilnehmer der Auffassung, einige seien doch etwas gleicher. Zum Beispiel Hedgefonds. Mehr

20.05.2015, 13:21 Uhr | Finanzen
Rekordbilanz iPhone beschert Apple historischen Gewinn

Das iPhone hat dem amerikanischen Technologiekonzern Apple im vierten Quartal des vergangenen Jahres einen Rekordgewinn in der Wirtschaftsgeschichte beschert. Wie das Unternehmen mitteilte, kletterte der Profit in dem Zeitraum auf gut 15,8 Milliarden Euro. Der Umsatz lag nach Angaben des in Kalifornien ansässigen Unternehmens bei umgerechnet 66 Milliarden Dollar. Mehr

28.01.2015, 13:36 Uhr | Wirtschaft
Devisenskandal Neue Milliardenstrafe für Großbanken

Für bedeutende Geldhäuser zahlen beinahe 6 Milliarden Dollar: Im Skandal um die Manipulation von Währungskursen haben sich Banken nun auch mit dem amerikanischen Justizministerium geeinigt. Mehr

20.05.2015, 16:47 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.09.2013, 17:30 Uhr

Gegen den Faustkampf

Von Joachim Jahn, Berlin

Im aktuellen Streik-Wirwarr wird eines immer wieder vergessen: Eine Arbeitsniederlegung darf nur das äußerste Mittel sein, weil sie schließlich ein massenhafter – wenngleich legaler – Bruch des Arbeitsvertrags ist. Mehr 11 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden