15.03.2007 · Die Zahl der Riester-Sparer wächst. Nicht jeder hat einen guten Vertrag. Macht nichts. Der Wechsel zur Konkurrenz lohnt sich fast immer - trotz hoher Kosten. Mit Beispielrechnung.
Von Dyrk ScherffEs ist schon ärgerlich: Da hat man sich nach langem Zögern endlich durchgerungen, fürs Alter zu sparen, und einen staatlich geförderten Riester-Vertrag abgeschlossen. Und dann erzählt der Nachbar, dass sein Vertrag viel mehr Rendite bringt als der eigene.
Deswegen muss aber niemand für die vielleicht 20 oder 30 Jahre bis zur Fälligkeit des Vertrages frustriert sein. „Bei sorgfältigem Vergleich lohnt es sich fast immer, den Anbieter zu wechseln“, macht Dieter Nungesser von FSS online Mut. Das Unternehmen analysiert die Preise und Bedingungen von Riester-Verträgen. Besonders attraktiv ist der Weg zur Konkurrenz, wenn der Vertrag noch mehr als 20 Jahre läuft und noch nicht so viel eingezahlt wurde. „Dann sind die Kosten des Wechsels erträglich, und es bleibt genug Zeit, dieses gezahlte Geld durch eine höhere Rendite wieder hereinzuholen.“
Oft mehr als ein Prozentpunkt Renditeunterschied
Ein Wechsel kann schon bei vergleichsweise geringen Unterschieden in der Wertentwicklung lohnend sein. Wer etwa jedes Jahr 1.000 Euro in eine Riester-Versicherung einzahlt, hat bei einer Wertentwicklung von 3,5 Prozent nach Abzug der Kosten nach 30 Jahren rund 45.000 Euro angesammelt. Hätte er vier Prozent bekommen, wären es 49.000 Euro - immerhin 4.000 Euro mehr.
Allerdings sind bei einem Wechsel deutlich mehr als nur diese 0,5 Prozentpunkte zusätzliche Rendite möglich. Unterschiede von mehr als einem Prozent zwischen den Anbietern sind gerade bei fondsgebundenen Riester-Verträgen keine Seltenheit. Wegen der langen Laufzeit kann das durchaus vierstellige Mehrerträge bringen.
Wechsel bei Versicherern sehr teuer
Kostenlos ist der Wechsel allerdings nicht (siehe Beispielrechnung). Günstig ist das noch bei Fondsgesellschaften. Sie verlangen einmalig zwischen 25 und 100 Euro. Der zuvor bereits gezahlte Ausgabeaufschlag von 2 bis 5 Prozent auf den Jahresbeitrag wird nicht erstattet. Bei Banksparplänen kostet der Wechsel zwischen 25 und 150 Euro.
Sehr teuer wird es bei den Versicherern. Denn wer hier kündigt, verliert zunächst die schon gezahlten Abschlusskosten, die bei der Assekuranz für die gesamte zu zahlende Summe bis Laufzeitende schon in den ersten fünf Jahren anfallen, bei Altverträgen werden sie über zehn Jahre verteilt. Bei Fonds hingegen wird der Ausgabeaufschlag nur auf den Beitrag des Jahres berechnet, die Kosten verteilen sich gleichmäßig auf die gesamte Laufzeit. Sie haben sich demnach in den ersten Jahren noch nicht so stark aufgehäuft. Hinzu kommt bei Versicherern die Stornogebühr, die in der Regel prozentual auf die noch nicht gezahlten Beiträge bis Laufzeitende zu entrichten ist.
Von diesen so reduzierten Rückzahlbeträgen verlangt dann der neue Anbieter wie bei jedem neuen Vertrag Abschlusskosten. Einen Rabatt für Wechsler gibt es nicht - allenfalls für die, die innerhalb der gleichen Fondsgesellschaft oder Versicherung beziehungsweise im Konzernverbund zwischen verschiedenen Produkten wechseln.
Sparen auch ohne Wechsel
Neben den Kosten nervt auch, dass das Geld manchmal erst nach einem halben Jahr beim neuen Anbieter ankommt - und oft auch erst nach einigem Nachbohren. Dennoch lohnt sich selbst bei Riester-Versicherungen der Wechsel zur Konkurrenz. „Selbst für die, die gar nichts mehr von ihrem Versicherer zurückbekommen“, unterstreicht Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wer dadurch zum Beispiel zwei Jahresbeiträge von jeweils 1.000 Euro verliert, fährt schon dann besser, wenn er bei 30 Jahren Laufzeit 4,12 statt 3,5 Prozent Rendite bekommt. „Problematisch könnte das nur werden, wenn die Versicherung schon fünf Jahre läuft und die Laufzeit nur zehn Jahre beträgt“, warnt Nauhauser.
Sparen lässt sich aber auch ohne Wechsel. So sind einige der Riester-Fondssparpläne oft billiger über Fondsvermittler zu bekommen als über die Bankmuttergesellschaften der Fonds. Denn die Mittler geben meist kräftige Rabatte auf die Ausgabeaufschläge von bis zu 60 Prozent. Gekündigt werden muss der bestehenden Riester-Vertrag bei der Fondsgesellschaft nicht, es reicht, wenn die Beiträge künftig über den Vermittler eingezogen werden. Für diese Umstellung fallen keine Gebühren an. Solche Vermittler sind etwa Fondsrabatt Mainz, AVL Finanzdienstleistung, Fondseasy oder Fondsclever.de. Die Marktführer, die Riester-Fonds der Union Investment, sind allerdings nur bei Volks- und Raiffeisen- sowie den Spardabanken zu bekommen.
Vorsorgen mit Riester - welche Variante ist die beste
1. Banksparplan. Eine sichere Variante. Die Bank zahlt in den meisten Fällen einen Zins, der an einen Vergleichswert minus eine laufende Gebühr gekoppelt ist. Sparer sollten Angebote wählen, die sich auf die Umlaufrendite beziehen. Denn das ist eine transparente Größe. Im Schnitt zahlen die Banken derzeit rund 3,5 Prozent. Sie verlangen keine Abschlusskosten. Der Wechsel der Bank ist günstig.
2. Klassische Rentenversicherung. Ebenfalls eine sichere Variante, denn der Versicherer garantiert derzeit eine Verzinsung von 2,25 Prozent - aber auf die Beiträge nach Abzug der Kosten. Auf die eingezahlten Summen bezogen sind das unter zwei Prozent. Mit den erwarteten Überschüssen bekommen Anleger derzeit etwa 3,5 Prozent - nicht mehr als bei der Bank. Der Wechsel des Anbieters ist teuer. Niedrige Kosten haben Asstel, Debeka und Cosmos.
3. Fondsgebundene Rentenversicherung. Verbraucherschützer raten ab. Denn die Kosten sind hoch. Der Kunde zahlt für die Versicherung, für die Fonds und eventuell noch für einen Dachfonds. Das schmälert die höhere Rendite der Fonds. Der Wechsel des Anbieters ist teuer.
4. Fondsgesellschaft. Vorteil: Die Kosten verteilen sich besser. Ausgabeaufschläge fallen nicht sofort, sondern jedes Jahr an - bis zum Ende der Laufzeit. Es bleibt am Anfang mehr Geld, das sich verzinst. Da bis zu 100 Prozent in Aktien investiert werden können, ist das Risiko höher, aber auch die Renditechance. Der beste Fonds, die Uni Profirente von Union Investment, erzielte seit 2002 rund 10 Prozent im Jahr. Der Wechsel des Anbieters ist günstig.
Dyrk Scherff Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Jüngste Beiträge
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?